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Meine Wohnung muss gemütlich sein – und digital weit vorne

Johann Lafer schätzt nicht nur in seiner Kochschule die Vorteile der Digitalisierung, auch beim Wohnen will er sie nicht mehr missen. 

Ich schätze abends ganz besonders mein schönes Sofa, auf dem ich mich bequem hinlegen kann.

Unsere Kommunikation ist schon lange digital, doch mit welchen digitalen Hilfsmitteln leben wir zu Hause? Wie gut lassen sich Herd, Ofen und Kühlschrank mittlerweile smart steuern? Der Thermomix, die optisch unscheinbare Küchenmaschine, die nicht nur häckseln, rühren, schäumen und mischen kann, bedeutet für sehr viele Menschen vor allem eins: die erste Berührung mit „smartem“ Kochen. Denn mittels Chips erlaubt das Gerät von Vorwerk den Zugriff auf Abertausende Rezepte, die dem Benutzer per automatisierter Ansage vorgesprochen werden. Für viele Thermomix-Besitzer mutiert ihre Einbauküche dadurch zur Kulisse, denn der Kochcomputer erledigt alle Kochvorgänge außer Backen und Braten selbst. 

Was für Kochlaien hilfreich ist, ist für einen Sternekoch bestimmt überflüssig? „Nein, gar nicht“, erklärt Kochgenie Johann Lafer. „Wir benutzen den Thermomix in meiner Kochschule genauso wie in der Stromburg, denn wir verarbeiten große Mengen. Sein großer Vorteil liegt in der Möglichkeit, gleichzeitig zu zerkleinern und zu erhitzen. Damit kann man beispielsweise ganz einfach das perfekte, allerfeinste Püree machen.“

Der Kochschulleiter und Fernsehkoch ist davon überzeugt, dass digitale Hilfsmittel in der Küche unverzichtbar werden. Bei einem war er sogar selbst maßgeblich beteiligt: „Das Garen auf niedriger Temperatur, oftmals bei nur 70 Grad Celsius, erfährt gerade einen großen Siegeszug. Doch woher weiß man, wie heiß sich 70 Grad anfühlen? Deshalb wollte ich ein optimales Innenraum-Thermometer für den Bräter entwickeln.“ Heraus kam der WMF Cook Assistant, der als Zubehör für Dampfgarer entwickelt wurde. Das Thermometer ist mit Bluetooth versehen, die dazugehörige App berechnet anhand des eingegebenen Rezeptes die Garzeit, die der WMF Cook Assistant kontrolliert. Dazu gibt es seit Kurzem eine Kochtopfserie mit der Möglichkeit, sehr präzise zu garen. Denn auch wenn noch so oft und laut die Vorteile des Vakuumbeutels verkündet werden – die meisten Leute haben keine Vorrichtung, um ihr Essen zu vakuumieren, also einzuschweißen.

Es gibt mittlerweile keinen einzigen Hersteller von Küchen und Küchengeräten mehr, der nicht jede Menge „smarter“ Angebote präsentieren könnte: Ofen mit eingebauter Steuerungsleiste für Rezepte aller Art, Kühlschränke, die nach jedem Öffnen der Türe ein Foto aufs Smartphone schicken oder den Inhalt scannen und selbstständig Rezepte für die vorhandenen Zutaten anbieten, Apps für Tablets und Beamer, die Schritt für Schritt zeigen, wie man was kocht und „antworten“, wenn man sie etwas fragt. Auch Ceran-Kochfelder mit eingebautem Display, die ihrerseits Rezepte samt passenden Zutatenlisten und Anleitung zeigen, sind auf dem Markt. Noch werden die meisten Angebote eher zögerlich angenommen, doch allgemein ist die Branche der Überzeugung, dass sich Küche (und Wohnung) in fünf bis zehn Jahren komplett verändert haben werden.

Neben der Art der Zubereitung hat sich auch der Umgang mit Gerichten in den letzten Jahren stark verändert – nicht nur dahingehend, dass reihenweise Leute buchstäblich jedes Käsebrot posten, nein, auch viele Sterneköche schicken ihren Followern auf Instagram täglich ihre einzigartigen Kreationen auf die Smartphones und erfahren dafür weltweit Bewunderung.

Wer bei Google „Johann Lafer Rezepte“ eingibt, sieht 100 000 Treffer. Um die 70 000 Treffer sind echte, gut funktionierende Rezepte. Wenn eine Rezeptdatenbank funktioniert, bietet sie einen unschätzbaren Wert, denn durch die Archivierung der Rezepte verwandelt sie sich auch in eine Art Geschichtsbuch – sozusagen ein Kochgeschichtsbuch.

Johann Lafer ist nicht nur Deutschlands erfolgreichster Fernsehkoch, er ist auch bei der digitalen Ausstattung seiner Umgebung ganz vorne dabei. Auf der legendären und frisch sanierten Stromburg laufen Geräte dank eingegebener Programme vollautomatisch ab, Kühlschränke und Kühlhäuser werden digital gesteuert und melden dem Chef de Cuisine regelmäßig ihre Temperatur. Von der Brandmeldezentrale über die Notstromanlage und Überwachungsanlage bis hin zum eigenen Blockheizkraftwerk sind jetzt alle technischen Anlagen auf dem neuesten, „smarten“ Stand.

„Auch in meiner eigenen Wohnung bin ich so ein Digitalfreak! Mittlerweile hat die Bequemlichkeit bei uns Einzug gehalten und wir sitzen abends vor dem Fernseher.“ Der Sternekoch, der es sich nicht nehmen lässt, Messen wie die Light & Building und die IFA zu besuchen, legt bei sich zu Hause den größten Wert auf Gemütlichkeit. „Da wir hier sehr viel arbeiten, schätze ich abends ganz besonders mein schönes Sofa, auf dem ich mich bequem hinlegen kann. Und nachts muss ich mich erholen, und dazu lege ich extrem großen Wert darauf, mich gut zu entspannen. Ich möchte nicht morgens aufstehen und gerädert sein, deshalb ist für mich ein gutes Bett sehr, sehr wichtig.“

Fakten

Johann Lafer träumt davon, eine ultimative digitale Plattform zu entwickeln, auf der man alle Versionen des Kochens anschauen kann: In der Langversion für die Anfänger wird jeder Handgriff vorgemacht, in der Kurzversion wird komprimiert erklärt, worum es geht. Eine Art YouCook statt YouTube, um jungen Menschen den Spaß am Kochen zu vermitteln.

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Journalist

Katja Deutsch

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