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Auch die älteren Generationen erledigen ihre Bankgeschäfte mittlerweile überwiegend online. DIGITALISIERUNG

Keine Transformation ohne Datenschutz

Professor Michael Grote von der Frankfurt School of Finance & Management über die digitale Transformation der Banken.

Die Banken benötigen die Technik, aber müssen gleichzeitig auch das gesamte Geschäftsmodell verändern.

In der Bankkunden-Typologie bilden laut einer YouGov-Studie die digitalen Finanzexperten die größte Gruppe, die Transformationen mitmacht. Wie lassen sich alle Kunden auf diese Reise mitnehmen?

Im Mittelpunkt der digitalen Transformation steht natürlich auch die Reduzierung von Personal- und Filialkosten. Das heißt, sie nehmen den Kunden etwas weg. Dass die Leute das nicht mögen, ist erst mal verständlich. Daher sollte ich den Kunden einen Mehrwert bieten. Entweder durch eine größere Erreichbarkeit, mehr Service oder gesteigerte Benutzerfreundlichkeit. Im Idealfall muss ich mein Handy nur noch angrinsen, um eine Zahlung auszulösen. Ich sehe es nicht so, dass die Älteren besonders hinterherhinken würden. Viele erledigen ihre Bankgeschäfte wie selbstverständlich online.

FinTechs gehören zu den Leadern der Transformation. Drängen sie klassische Kreditinstitute bald ins Abseits?

Ich glaube, dass die Situation im Moment noch nicht so ist. Klar, es gibt cyberaffine Menschen, die zu reinen Online- Banken wechseln. Aber das sind nur wenige. Der Rest der Fintech-Branche klagt eigentlich über zu wenig Kunden. Im Moment sieht es so aus, dass wir zwar viele Fintech-Lösungen haben, die aber bei den Banken nur einen kleinen Teil vom Umsatz ausmachen – das ist noch nicht bedrohlich. Ich denke, wir werden eine noch stärkere Zusammenarbeit sehen zwischen einzelnen Fintechs und den Banken. Die einen benötigen die große Kundenzahl, um Plattformen vernünftig betreiben zu können. Die anderen brauchen die Technologie und kaufen diese ein. Es gibt bei vielen immer noch dieses große Vertrauen in eine traditionelle Bank und die Skepsis, einen Großteil meiner Ersparnisse einer Online-Bank anzuvertrauen.

Wie gelingt es, die digitale Transformation von Unternehmen schneller voranzutreiben?

Die meisten Banken entwickeln ja bereits einiges, machen aber wenig Gewinne, weil der Bankensektor bei uns nicht besonders profitabel ist. Finanzdienstleistungen sind in Deutschland viel billiger als in anderen Ländern. Das heißt aber, dass Banken auch nicht so viel Geld haben, um jetzt in großem Ausmaß in neue Technologien investieren zu können. Die Transformation läuft langsamer. Die Banken benötigen die Technik, aber müssen gleichzeitig auch das gesamte Geschäftsmodell verändern. Also für mich ist in Deutschland die ING Diba das erfolgreichste Fintech. Warum? Weil sie sehr früh sehr viel richtig gemacht haben. Etwa die Reduzierung des Angebotes auf ganz wenige Produkte.

Wie sollte eine klar formulierte Transformationsstrategie aussehen?

Bei vielen Banken sieht es relativ ähnlich aus. Zuerst geht es erstmal darum, die Kosten zu verringern, meist über das Schrumpfen des Filialnetzes. Darüber, wie es in zehn Jahren aussehen soll, besteht wenig Klarheit, das ist auch technologieabhängig. Vielleicht arbeiten wir mit Hologrammen, die auch vernünftig aussehen. Dann setzt sich so ein Hologramm neben den Kunden und beantwortet Fragen – wie im Raumschiff Enterprise. China und andere sind mit der Akzeptanz digitaler Bezahlsysteme übrigens schon auf einem anderen Level. Aber gucken wir neidvoll nach Asien? Ich denke, wir sind froh, wenn wir die Möglichkeit der Barzahlung weiter haben.

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Journalist

Thomas Soltau

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