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4 Gründerinnen zeigen, wie es geht

Foto: Presse

Céline Flores Willers

Die 27-jährige Moderatorin und Influencerin rund um Innovation, Entrepreneurship und Tech-Trends ist eine der LinkedIn-TOP VOICEs.

Stichwort Gleichberechtigung: Welche Hürden müssen Frauen heute in erster Linie überwinden, um erfolgreich zu sein? 

Frauen müssen vor allem ihre Selbstzweifel und falsche Bescheidenheit beiseitelegen. In meinen Augen haben Frauen in Deutschland das Können und mittlerweile auch die Unterstützung, um alles zu erreichen. Stattdessen schaffen sich Frauen in Deutschland oft eine Gläserne Decke. Männer hingegen nehmen sich, was ihnen zusteht. Nein falsch, was sie denken, was ihnen zusteht. Denn Männer füllen Lücken in der Expertise häufig mit Narzissmus, das heißt mit übersteigertem Selbstbewusstsein. Narzissmus wird häufig negativ konnotiert. In Wahrheit erlebe ich aber, dass diese Eigenschaft Interesse weckt und der Narzisst so auch andere von seinem vermeintlichen Können überzeugt. Meine Message heißt selbstverständlich nicht: Werdet alle Narzissten. Sondern: Nehmt eure realen Fähigkeiten und kombiniert sie mit der richtigen Vorgehensweise, um euch selbst zu vermarkten.

Wie können Frauen Netzwerke nutzen, um eigene Projekte oder ein Start-up voranzubringen?

Netzwerke sind der Schlüssel zum Erfolg. Von reinen Frauennetzwerken halte ich im Übrigen gar nichts. Frauen sollten direkt im großen Teich mitschwimmen – und das geht mit einem Klick. Als LinkedIn-Influencerin kann ich natürlich nur dazu raten, das Netzwerk aktiv zu nutzen: Connectet euch zunächst einmal mit allen Bekannten, sprich Kollegen, Partnern, Kunden und Freunden. Achtet auch auf LinkedIns Vorschläge von „Personen, die Sie vielleicht kennen“. Im zweiten Schritt könnt ihr aktiv neue Kontakte generieren: Tretet Gruppen bei, in denen sich Professionals aus eurer Branche rumtreiben. Kommentiert, postet, liked – macht auf euch aufmerksam. Ganz wichtig: Ihr dürft und sollt euch auch mit Personen connecten, mit denen ihr noch keine Berührungspunkte hattet. Am besten schreibt ihr eine kurze Nachricht, wieso, weshalb, warum ihr euch connecten wollt.


Foto: Tom Wagner

Fränzi Kühne

Die 36-Jährige war vor knapp 12 Jahren Mitgründerin der Digitalagentur TLGG und wurde 2017 zur jüngsten Aufsichtsrätin Deutschlands.

Was sollte ein Start-up-Gründer mitbringen, welche Fähigkeiten und Eigenschaften sind wichtig?

Die absolute Grundlage sind die entscheidende Idee, die nicht an jeder Ecke zu finden ist, und Leidenschaft, denn nur damit kann man durchhalten. Wichtig ist es auch, mit Fehlern nicht ewig zu hadern. Resilienz gehört unbedingt dazu, um die Dinge mit Leichtigkeit und einer Grundpositivität anzugehen. Eine gute Lebenseinstellung spielt eine maßgebliche Rolle. Und dann sollte man bereit sein, sich immer wieder in Situationen zu begeben, die man eigentlich gerne vermeiden würde. Auf diese Weise kann man neue, wichtige Erfahrungen sammeln. Raus aus der Komfortzone. Einfach machen! Ich habe mich vor Präsentationen gescheut, bis ich mit Anfang 30 in den Aufsichtsrat gekommen bin. Dann habe ich gelernt, den Fokus auf mich selbst zu richten. Ein bisschen Ignoranz hinsichtlich der Reaktionen von anderen Menschen hilft dabei sehr!

Was ist für Frauen anders, wenn sie gründen möchten? Worauf müssen sie sich einstellen?

Vor allem die Finanzierungsphase ist oft schwierig, das höre ich von vielen Frauen. Es fängt bei den Anwälten an, die ihnen keinen Mut machen, und setzt sich in allen Bereichen fort. Wenn es um die Finanzierung geht, sitzen da in der Regel nur Männer, die darüber entscheiden.

Es ist dann gut, ein Netzwerk zu haben, dem man vertraut. Darauf sollte man hören – und sich nicht von anderen entmutigen lassen.


Foto: Boris Breuer

Dr. Julia Shaw

Die Rechtspsychologin und Autorin gründete 2017 mit zwei Partnern das Start-up SPOT, das Künstliche Intelligenz nutzt, um Fälle von Diskriminierung am Arbeitsplatz transparenter zu machen.

Was war Ihre stärkste Motivation für die Gründung Ihres Start-ups?

Das war eine Mischung aus zwei Sachen: Ich wollte mit meinem Wissen aus der Forschung etwas kreieren und überlegte zu dem Zeitpunkt, dazu Künstliche Intelligenz einzusetzen. Ich wusste nur, in welche Richtung es gehen sollte.

Dann bin ich auf Konferenzen gegangen, auf denen Gründer sind. Auf einer Veranstaltung habe ich meine beiden Co-Gründer kennengelernt, mit denen die konkrete Idee für SPOT entstand. Das passierte beides gleichzeitig, meine Idee, etwas mit KI zu machen, und dann kam von anderer Seite ein Impuls dazu. Ohne die Menschen, die mich gepusht haben, ohne starkes Netzwerk, wäre das alles nicht passiert.

Was ist die wichtigste Erfahrung, die Sie an Gründerinnen weitergeben würden?

Sie sollten sich in den Bereich begeben, in dem sie gründen möchten, Begegnungen und Austausch suchen. Die Ursprungsidee ist wichtig, doch man muss offen für Möglichkeiten sein. Wichtig ist es auch, sich zu trauen, etwas Neues zu machen. Vor allem Frauen trauen sich nicht so schnell. Sie glauben, dass sie zu hundert Prozent alles wissen müssen, bevor sie gründen. Männer versuchen es auch schon bei 60 Prozent. Wer ein Start-up gründet, sollte lernen anzunehmen, dass man nicht alles wissen kann – und einfach rein springen! So vieles lernt man dann, während man gründet.

 


Foto: Presse

Victoria Wagner

Die erfahrene Gründerin rief Anfang 2020 die Initiative Beyond Gender Agenda ins Leben.

#MeToo und female empowerment: Haben sich die Vorzeichen auch für Gründerinnen im positiven Sinne verschoben?

Ich halte es für ausgesprochen wichtig, Frauen zu ermutigen, ein Start-up zu gründen bzw. früh Führungsverantwortung zu übernehmen. Das verstehe ich persönlich unter female empowerment. Die aktuellen Zahlen zeigen die Notwendigkeit eindrucksvoll: Auf acht Männer kommen bei deutschen Start-ups nicht mal zwei Frauen als Gründerinnen. Der Anteil der Start-up-Gründerinnen liegt danach bei etwas über 15 Prozent. Tendenz minimal steigend. Das hat sehr unterschiedliche Gründe, wie z. B. das Fehlen entsprechender Rahmenbedingen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fehlende Investorinnen sowie die fehlende Prägung und Förderung von Mädchen bereits in der Schule, um nur einige Beispiele zu nennen.

Was ist der wichtigste Ratschlag oder die stärkste Ermutigung, die Sie vor Ihrer ersten Start-up-Gründung bekommen haben?

An mich selbst zu glauben und nicht zu viel auf die Meinung anderer zu geben. Besonders wichtig waren für mich inspirierende Rolemodels, die gezeigt haben, dass „Frau“ es schaffen kann. Daher habe ich die Initiative BeyondGenderAgenda gegründet. Unsere BeirätInnen, sowohl aus dem Corporate als auch aus dem Start-up-Bereich, sind Rolemodels und BotschafterInnen für Vielfalt. Basierend auf dem eindeutigen Zusammenhang zwischen Diversität und Business Performance wollen wir gemeinsam die Chancengleichheit von Führungskräften anderen Geschlechts, Alters, kultureller Herkunft, sexueller Orientierung sowie Geschlechtsidentität bei der Besetzung von Vorstandspositionen und Aufsichtsratsmandaten sicherstellen und die deutsche Gründerszene vielfältiger machen.

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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