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Guido Maria Kretschmer, Mode- und Interiordesigner HAUSBAU & ENTWICKLUNG

"Der Masterplan muss sichtbar sein"

Guido Maria Kretschmer über  Lieblingsplätze als Kraftquellen, aktuelle Design-Trends und die deutsche Unart, Raumplanung  nach dem Fernseher auszurichten.

Möbel können gute Lebenspartner werden, wenn man den richtigen Entwurf schafft.

Noch nie haben wir so viel Zeit Zuhause verbracht wie in den vergangenen 14 Monaten. Und nicht wenige haben diese Zeit genutzt, ihre eigenen vier Wände nicht nur aufzuräumen, sondern auch zu verschönern. „Ich glaube die aktuelle Situation, dass wir so eingeschränkt sind, bringt uns dazu, Designs auszuwählen, die das außen nach innen bringen – ein Gefühl von Freiheit in den eigenen Wänden schaffen“, beobachtet der Mode- und Interiordesigner Guido Maria Kretschmer. Dieser Umstand schlägt sich in seinen Augen in den Mix-Trends der Saison nieder: Urban Summerlook, Modern Jungle, Green Garden und weitere exotische Trends. Kombinationen aus Metall und Glas, Stein in unterschiedlichen Variationen. Wir holen uns die Natur und die Ferne in Form von Materialien und Formen, Möbeln und Dekoration ins Haus.

Daraus Momente zu kreieren, „die Ruhe schaffen, die dich glücklich sein lassen, aber auch praktisch und funktional sind“ ist dann die große Herausforderung der Raumgestaltung. „Meine Kraftquelle ist ganz klar mein Zuhause. Ich habe mir überall kleine Lieblingsplätze geschaffen – das ist für mich essentiell, um entspannen und leben zu können“, offenbart der Designer. Für alle, denen die Decke auf den Kopf fällt oder die sich satt gesehen haben an ihrer Einrichtung, hat er gleich ein paar einfache Umstyling-Tipps mit großer Wirkung parat: „Neue Perspektiven schaffen, Möbelstücke durch die Gegend schieben. Den Raum durch Kleinigkeiten verändern – anstatt eines Holztisches einen Glastisch einsetzen oder einen neuen Teppich. Wenn das nichts hilft, sind Lampen immer eine gute Wahl.“

Aber wie findet man seinen ganz persönlichen Einrichtungsstil? „Indem man weiß, wer man ist, sein möchte oder könnte. Es ist immer wichtig sich zu fragen: Was ist meine Idee vom Leben? Wenn ich jemand bin, der sehr reduziert ist, das Nordische mag und mit wenigen, aber guten Sachen lebt, dann ist das auch ein Teil der eigenen Persönlichkeit“, weiß der Designer und verrät: „Der Masterplan muss sichtbar sein. Wohnen im richtigen Stil ist ein großes Geschenk. Und eine Form von Freiheit, in dieser riesengroßen Welt seinen Platz gefunden zu haben. Dann kann man alles sein.“ 

Was nach ziemlich viel Psychologie und fast wie eine Lebensaufgabe klingt, ist dennoch kein Hexenwerk. Um das Potenzial von Räumen zu erkennen und optimal zu nutzen, empfiehlt der Profi erst einmal ein „Probewohnen“: 

„Einmal sitzen, einmal stehen, einmal liegen und sich fragen: Wo ist der Platz, an dem ich etwas erleben möchte? Man muss sich überlegen, mit welchem Blick man wach werden möchte, aus welchem Fenster man am liebsten schauen würde. Jeder Raum sollte seiner Bestimmung zugeführt werden und das machen viele Menschen leider nicht.“ So sei das dafür vorgesehene Schlafzimmer nicht immer der Raum, in dem man schlafen sollte. Auch die „Unart“ deutscher Wohnräume auf den Fernseher ausgerichtet zu sein, darf gerne überdacht werden: „Das Sofa steht automatisch gegenüber vom Fernseher. Womöglich ist das aber der völlig falsche Platz dafür und es wäre eine viel bessere Idee, eine Leitung zu verlegen und die Hardware zu verändern.“

Natürlich spielen auch architektonische Gegebenheiten, Licht und Farben eine wichtige Rolle bei der Raumgestaltung. Wie beispielsweise das Zusammenspiel vom Fenster zur Tür. Oder wo die Sonne aufgeht und wo unter. „In dunklen Räumen sollte man schauen, dass man auf der gegenüberliegenden Seite des Fensters, das wenige Licht optimiert. Und man sollte Farben wählen, die den Raum offen wirken lassen“, rät der 56-Jährige, der lange auf Mallorca gelebt hat. Außerdem sollten Lichtquellen in einem Raum immer in mindestens drei Ecken platziert werden.

Für seine eigenen Wohn-Kollektionen bei OTTO lässt sich der Weltenbummler von seiner Erinnerung an schöne Räume, in denen er zu Gast war oder gewohnt hat, inspirieren. Oder wenn er etwas Formschönes gesehen hat. „Möbel können gute Lebenspartner werden, wenn man den richtigen Entwurf schafft.“ Das Thema Nachhaltigkeit spielt dabei für ihn eine wichtige Rolle. „Wir achten auf die Umwelt, es gibt kurze Produktionswege und wir arbeiten mit Qualitäten, die lange bleiben – sodass Möbel auch die Chance haben, Generationen zu überstehen und vielleicht weitergegeben werden können. Ich glaube das ist die größte Herausforderung für uns alle und auch alle Designer. Weil das die Zukunft ist und unerlässlich.“

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Journalist

Kirsten Schwieger

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