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Mit einer Haartransplantation nicht zu lange warten

Manchmal haben bereits Abiturienten Geheimratsecken. Neben ihren Schulkameraden wirken sie dann irgendwie älter und schwächer. Denn volles Haar signalisiert Gesundheit, Kraft und Jugend – auch beim Mann. Meistens sind die Hormone daran schuld, wenn Männerhaare lichter und Geheimratsecken größer werden. Diese vererbte Überempfindlichkeit gegen das männliche Hormon Dihydrotestosteron lässt bei vier von fünf Männern im Laufe ihres Lebens die Haare rieseln, manchmal eben schon zum Abitur.

Schlechte Ernährung, wenig Schlaf, Neonlicht und wenig Tageslicht fördern den Haarausfall. Wenn plötzlich kahle Stellen auf der Kopfhaut junger Männer durchschimmern, kann der Grund auch möglicherweise Übersäuerung, Vitaminmangel oder eine Krankheit sein. Wird bei älteren Geschlechtsgenossen zwischen 40 und 55 Jahren das Haar lichter, liegt es dagegen meist an hormonellen Umstellungen. Viele Männer können mit regelmäßigen Tinkturen mit den Wirkstoffen Afaradiol oder Minoxidil den Haarverlust erst einmal stoppen. Hören sie damit auf, rieselt es wieder. Tabletten wie Finasterid oder Dutasterid können sichtbar wirken, bergen aber die Gefahr schwerer Nebenwirkungen.

Grundsätzlich sinkt bei jedem Mann bereits ab dem 20. Lebensjahr die Dichte der Haarfollikel. Neben den Geheimratsecken lichtet sich der Hinterkopf, neue Haare wachsen langsamer nach oder gar nicht mehr. Am längsten bleibt das Haar am Hinterkopf stehen, auf einem Streifen etwa auf Ohrhöhe. Das liegt daran, dass die Haare an dieser Stelle weniger hormonempfindlich sind.

Auf einer gesunden Kopfhaut wachsen im Schnitt 70 bis 100 follikuläre Einheiten auf einem Quadratzentimeter, bei starkem Haarausfall kann man oft die einzelnen Haare auf dieser Fläche mit dem bloßen Auge zählen.

Wer unter seinem schwindenden Haar sehr leidet, kann eine Transplantation ins Auge fassen. Wenn möglich, werden hierbei kleinste Hautpartikel, sogenannte Grafts, aus dem Seitenhaar und Hinterkopfbereich der „Safe Zone“ entnommen. Dies ist der Bereich, der nicht vom androgenetischen Haarausfall bedroht ist. Im Anschluss werden die Grafts mittels Microslits in die kahlen Stellen eingepflanzt. Nach einer Ruhephase von etwa 90 Tagen beginnen die Wurzeln, neue Haar zu produzieren. Denn ungefähr die Hälfte der vorhandenen Haare aus diesem Bereich kann man problemlos entnehmen  Insgesamt stehen somit 4000 bis 7000 „follikuläre Einheiten“ mit einem bis fünf Haaren zur Verfügung, die an die kahlen Stellen verpflanzt werden können. Diese operative Haartransplantation (Follicle Unit Extraction, kurz FUE) ist oftmals die einzige Möglichkeit, erblich bedingten Haarausfall optisch rückgängig zu machen. Auch wenn nicht alle Follikel die Prozedur überleben, so ist das Ergebnis in jedem Fall ein deutlich volleres Haar, das auch bald wieder wächst – und gegebenenfalls mit dem übrigen Haupthaar gemeinsam ergraut. Neben der FUE-Methode wird teilweise noch die FUT-Methode angewendet, bei der dem Patienten ein Hautstreifen mitsamt den Haarwurzeln entnommen und verpflanzt wird. Hierbei besteht die Gefahr einer sichtbaren Narbenbildung. In jedem Fall sollte man nicht erst über eine Transplantation nachdenken, wenn man die Haare auf seinem Kopf bereits einzeln zählen kann. Denn dann ist es für eine Transplantation mit Eigenhaar zu spät.

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Journalist

Katja Deutsch

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