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Proktologe, Chirurg oder Gastroenterologe? Welcher Arzt der passende Ansprechpartner ist, hängt von der Art der erforderlichen Behandlung ab. HEALTHCARE

Keine falsche Scham!

Schmerzen, ein juckender Po, Blut im Stuhl: Jeder Mensch hat Hämorrhoiden, aber nicht jeder hat damit Probleme. Aussitzen sollten Betroffene das Thema allerdings nicht.

Am Ausgang des Enddarms sitzt es, das schwammartige, gut durchblutete Gefäßpolster, das zusammen mit den Schließmuskeln den After abdichtet. Sind die Hämorrhoiden entzündet beziehungsweise vergrößert, können sie extreme Beschwerden verursachen. Betroffene klagen dann unter anderem über Schmerzen, heftigen Juckreiz oder Brennen am After. Die Wahrscheinlichkeit, Hämorrhoiden zu bekommen, steigt mit zunehmendem Alter. Als Risikofaktoren gelten vieles Sitzen, Übergewicht, das häufige Auftreten von Durchfall oder Verstopfungen und der Missbrauch von Abführmitteln.

Behandeln lassen sich Hämorrhoiden mit Wundsalbe, Zinkpaste, pflanzlichen Salben, Zäpfchen und Lokalanästhetika. Darüber hinaus kann der Arzt kortisonhaltige Salben verschreiben. Die darin enthaltenden Wirkstoffe hemmen das Immunsystem, was der Entzündung am After entgegenwirkt. Kortisonhaltige Salben sollten allerdings nur so lange verwendet werden wie vom Arzt empfohlen.

Der Stuhlgang kann bei einem Hämorrhoidenleiden äußerst schmerzhaft sein und Blutungen am After auslösen. Dennoch sollten Abführmittel nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt genommen werden. Achtung! Einige Präparate helfen nur kurzfristig gegen eine Verstopfung. Bei längerem Gebrauch machen sie den Darm träge. Die Folge ist dann eine erneute Verstopfung.

Bei schweren Fällen sind Salben, Cremes und Sitzbäder keine Lösung. Kleinere Hämorrhoiden verödet der Arzt, zumeist mit einer Spritze. Korrekt durchgeführt ist der Eingriff für den Patienten schmerzlos. Sind die lästigen Begleiter größer, werden sie abgebunden. Bei der sogenannten Gummibandligatur schnürt der Arzt die einzelnen Hämorrhoiden mit Gummibändern ab. Durch die unterbrochene Blutzufuhr fallen diese dann nach ein bis zwei Wochen ab. Die letzte Option ist die klassische Hämorrhoiden-Operation, bei der die Quälgeister herausgeschnitten werden. Derzeit wird allerdings auch ein neuer minimalinvasiver Ansatz diskutiert und teilweise schon angewendet. Die Radiofrequenzablation induziert mittels Einstichsonde unter Lokalanästhesie eine Ionenbewegung im Hämorrhoidalgewebe. Dadurch entsteht Reibungswärme, die zur Gewebedestruktion führt. Dadurch schrumpft die Hämorrhoide. 

Hämorrhoiden-Patienten können auch selbst einiges gegen ihr Leiden tun. Dazu gehört beispielsweise, Sitzungen auf dem „Stillen Örtchen“ möglichst kurzhalten und nicht zu lange hinauszuzögern. Sitzbäder mit entzündungshemmenden Gerbstoffen lindern den Juckreiz und die Schmerzen am After. Um den Stuhlgang zu erleichtern, hilft es, Lein- oder Flohsamen zusammen mit reichlich Flüssigkeit einnehmen. Außerdem ist es ratsam, viel Obst, Gemüse, Naturjoghurt und Vollkornprodukte zu sich zu nehmen und viel zu trinken – zwei Liter pro Tag sollten es schon sein! In jedem Fall ist es empfehlenswert, bei Beschwerden das eigene Schamgefühl beiseite zu schieben, unverzüglich den Arzt seines Vertrauens aufzusuchen und so schnell wie möglich mit der Behandlung zu beginnen. Denn Aussitzen bringt rein gar nichts!

 

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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