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Liebe zum Detail und zur Vergangenheit

Der Charme österreichischer Innenarchitektur ist eng mit der Region und seiner Geschichte verbunden. Dazu gehört auch eine Liebe zur Tradition.

Die Liebe zum Detail und zur Vergangenheit sorgt in österreichischen Häusern auf Anhieb für Behaglichkeit

Sabrina Haindl, Präsidentin des Bundes österreichischer Innenarchitektur (BÖIA), Foto: www.konstantinreyer.com

Was verbinden wir mit Österreich, seinen Bergen, den urwüchsigen Alpenhütten und Gasthöfen, aber auch seinen beschaulichen Bauten und Restaurants wohl am meisten? Eine gewisse Gemütlichkeit auf jeden Fall. Und die hat ohne Frage auch etwas mit der Liebe zur Tradition im Alpenland zu tun. In Österreich ist halt alles ein wenig langsamer und man besinnt sich gern auf Liebgewonnenes. Bei den Einrichtungen werden nicht selten Stilbrüche begangen, wenn das Moderne mit dem Alten und einem Schuss Gemütlichkeit kombiniert wird. Zudem ist die Innenarchitektur teilweise vom Bundesland und vom jeweiligen Ort abhängig. In Wien geben noch immer sehr der Jugendstil und alte Meister wie Wagner, Hoffmann und Loos den Ton an. Viele kombinieren den Charme des Jugendstils mit modernen, geraden Linien. Im Westen Österreichs sind demgegenüber warme Farben, sehr viel natürliches Holz, feste Stoffe (wie Loden) und Leder wichtig. Man denke an Kitzbühel. Also kurz: Österreich hat eine große Band-breite von West nach Ost anzubieten. 

Die Liebe zum Detail und zur Vergangenheit sorgt in österreichischen Häusern auf Anhieb für Behaglichkeit. Tatsächlich beherrscht der Jugendstil noch immer das auch international mit Österreich oft assoziierte Wesen regionaler Inneneinrichtungen. Innenarchitekten und Firmen beziehen sich gern auf alte Entwürfe aus dem Jugendstil. Die Klavierfabrik Bösendorfer zum Beispiel hat im Jahr 2020 eine limitierte Serie, angelehnt an die Wiener Secession, präsentiert. Die Firma Wittmann Möbelwerkstätten sind von der Josef Hoffmann Stiftung alleinautorisiert, die Möbel Josef Hoffmanns nach dessen Originalentwürfen zu fertigen. Und die Glas- & Lustermanufaktur Lobmeyr produziert noch heute Luster aus verschiedensten Epochen. Das ist und bleibt beeindruckendes Handwerk!

Aber Österreich ist nun mal auch ein Alpenland mit allem Chic und aller Naturverbundenheit, die die Natur mit sich bringt. Hier spielt einfach das schöne, ursprüngliche, natürliche Gefühl eine große Rolle. 

Österreichische Innenarchitekten lassen sich natürlich auch von internationalen Designideen inspirieren und adaptieren sie in ihren Arbeiten. Dadurch ist manches sicher ein wenig geradliniger geworden, obwohl der österreichische Wegbereiter moderner Architektur, der 1933 gestorbene Adolf Loos, ja schon ein Fan von Geradlinigkeit und „Form folgt Funktion“ war. Große Bedeutung kommt dem Design der Italiener zu, das international sowieso einen großen Einfluss hat. Allein die Salone del Mobile ist wegweisend. Aber auch das „cleane“ und doch so behagliche Design der Skandinavier beeinflusst viele Innenarchitekten bei uns.

Der ehrenamtlich arbeitende Bund österreichischer Innenarchitektur (BÖIA) ist über sechs Jahrzehnte alt und unterstützt all diese Strömungen. Neue Talente werden beim Austrian Interior Design Award gesucht und gefunden und diese gilt es verstärkt „vor den Vorhang“ zu holen. Das ist in Österreich eine komplexe Aufgabe, weil die Grenzen zwischen Architektur, Möbeldesign, Technik und Innenarchitektur sehr leicht verschwimmen.

Fakten

Die 1986 geborene Innenarchitektin Sabrina Haindl ist seit 2012 selbstständig. 2018 wurde sie zur Präsidentin des Bundes österreichischer Innenarchitektur (BÖIA) gewählt und wurde bereits mit zwei German Design Awards ausgezeichnet. 

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Journalist

Theo Hoffmann/Sabrina Haindl

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