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Fräsen der individuell angefertigten Otoplastik vom Hörakustiker. HEALTHCARE

High-Tech am Ohr

Moderne Hörgeräte ermöglichen Schwerhörigen ohne große Beeinträchtigungen die Teilnahme am sozialen Leben – je früher, desto besser.

Über 90 % der Versorgten sind mit der Arbeit des Hörakustikers sehr zufrieden.   

Ungefähr 5,4 Millionen Menschen in Deutschland sind schwerhörig. Ab dem 65. Lebensjahr nimmt die Zahl der Betroffenen prozentual zu – jeder zweite Mann und jede dritte Frau ist dann davon betroffen. Auslöser der Altersschwerhörigkeit sind Schäden an den Haarzellen aufgrund des natürlichen Degenerationsprozesses. Die altersbedingte Schwerhörigkeit beginnt meist schleichend und wird zunächst kaum wahrgenommen – oder aus Scham ignoriert. Das Gehirn gewöhnt sich an das zunehmend eingeschränkte Gehör und kompensiert die Einschränkung mit enormem Kraftaufwand. Bei längerem Hörverlust verlernt das Gehirn zudem die Verarbeitung der Signale auf den betroffenen Frequenzen – dann muss das Hören und vor allem Verstehen auch mit Hörgeräten erst wieder mühsam erlernt werden.

Also besser rechtzeitig und regelmäßig das Hörvermögen beim HNO-Arzt oder Hörakustiker testen lassen. Empfiehlt dieser eine Hörhilfe, ist das kein Grund zur Verzweiflung. Die Vorbehalte vieler Schwerhörigen, dass die Geräte hässlich und teuer sind und dennoch nicht viel taugen, sind längst überholt. 65 Prozent der Betroffenen in Deutschland tragen bereits ein Hörgerät.

Auch wenn kein Gerät das Hören vollkommen wiederherstellen kann, ist deren technische Entwicklung heute sehr ausgefeilt und wird fortlaufend weiterentwickelt. Die heute angebotenen Hörgeräte besitzen digitale Technik, die ein erheblich verbessertes Sprachverstehen und einen allgemein angenehmeren Klang erreicht. „Jedes System ist pures High Tech mit Digitaltechnik, mindestens vier Kanälen und drei Hörprogrammen sowie Rückkopplungs- und Störschallunterdrückung. Die beidohrige (binaurale) Versorgung ist heute Standard, denn sie unterstützt das wichtige räumliche, stereophone Hören“, betont die Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha)

Neben den Hinter-dem-Ohr (HdO)-Hörgeräten, die sowohl optisch als auch von der Klangqualität nichts mehr mit den klobigen Geräten von früher zu tun haben, gibt es auch diverse Arten von Im-Ohr-(IdO)-Hörgeräten. Diese werden entweder in der Ohrmuschel oder direkt im Gehörgang platziert und sind teilweise von außen fast nicht mehr sichtbar. Während sich die am weitesten verbreiteten HdO-Hörgeräte auch bei schwerem Hörverlust eignen, kommen IdO-Hörgeräte eher bei leichtem bis mittleren Hörverlust zum Einsatz. HdO-Hörgeräte sind in der Regel günstiger, robuster und leichter zu bedienen. Welche Hörgeräte-Bauart für den Kunden individuell optimal ist, klärt ein Hörakustiker in der Beratung. Laut biha versorgen in Deutschland rund 15 000 Hörakustiker (zu finden unter www.hoerakustiker-suche.de) bundesweit und wohnortnah bereits 3,5 Millionen Menschen mit Hörproblemen: „Über die nicht selten mehrere Monate dauernde, ganz individuelle Anpassung hinaus stehen die Hörakustiker den Kunden über den kompletten Versorgungszeitraum von 6 Jahren zur Seite.“

Medizinisch notwendige Hörgeräte werden von den Krankenkassen bis zu einem Festbetrag übernommen. Lediglich für gewünschte Extras wie Komfortfunktionen, Bequemlichkeit oder Ästhetik ist eine private Zuzahlung fällig. Dazu gehören z. B. Fernbedienung, besonders kleine Hörsysteme oder Bluetooth. „Der Hörakustiker berät den Kunden dazu ausführlich und lässt in der Regel auch ein kostenloses Probetragen zu“, weiß die biha.    

Fakten

Im-Ohr-Hörgeräte (IdO)

•  Ohrmuschel- oder Concha-Hörgeräte
•  In-the-Channel-Geräte (ITC)
•  Complete-in-the-Channel-Hörgeräte (CIC)
•  Fast nicht sichtbare Geräte (IIC). Der Begriff „Invisibles“ ist rechtlich in der Kritik, da der Rückholfaden dieser Geräte sichtbar ist.

Weitere Informationen: www.richtig-gut-hoeren.de

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Journalist

Kirsten Schwieger

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