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Hotspots – heiß geliebt, nicht ungefährlich

Die EU fördert mit Millionenbeträgen die Einrichtung von kostenlosem, öffentlichem WLAN. Doch die wenigsten Nutzer wissen um die Risiken.

Wo ist der nächste Geldautomat, die nächste Tankstelle, der nächste Supermarkt? Ein schneller Blick auf das Smartphone liefert sofort Antworten – zumindest, wenn man sich gerade in einer Stadt oder einem Landstrich bewegt, in der es Hotspots gibt. Sonst muss die mobile Datennutzung aktiviert werden, was schnell teuer werden kann.

Hotspots sind öffentlich zugängliche, drahtlose Internetzugangspunkte, die von privaten Betreibern aus Gastronomie, Geschäften und Hotels und auch von großen öffentlichen Einrichtungen wie Bahnhöfen, Flughäfen, Krankenhäusern, Universitäten und Behörden installiert werden. Umgangssprachlich nennt man diese Hotspots für kabelfreie Kommunikation WiFi oder WLAN (Wireless Local Area Networks). Stellt der Betreiber die Nutzung des Internets allgemein kostenlos zur Verfügung, spricht man von Open WLAN oder Public WLAN. Die Anmeldung und Datenübertragung eines Hotspots erfolgt meistens über den IEEE-802.11b/n-Standard. Der neueste Standard 802.11ac ist jedoch nur auf 5Ghz verfügbar und damit oftmals für Public WiFi nicht kompatibel.

Nötig sind dazu geeignete Mobilfunk-Basisstationen, die idealerweise für eine hohe Bandbreite mit Glasfaserleitungen angebunden sein sollten, nur selten funktionieren diese auch mit (dem weitaus langsameren) Richtfunk. 

Frankreich und Großbritannien sind in der Bereitstellung kostenloser öffentlicher Internetnutzung weit fortschrittlicher als Deutschland: In Paris kann man bereits seit 2007 an über 260 öffentlichen Plätzen kostenlos im Internet surfen, London schuf zu den Olympischen Spielen das größte, öffentliche WLAN Netzwerk Europas.

Doch dank Europäischer Kommission kommt Bewegung aufs Smartphone. Vor zwei Jahren startete die Initiative WiFi4EU, die Gemeinden und Städten in ganz Europa ein Budget von insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um vor Ort eigenes Public WLAN aufzubauen. Für die erste Registrierungsrunde 2018 bewarben sich 13.000 Gemeinden, 2.800 erhielten zur Schaffung von Hotspots jeweils 15.000 Euro. In Deutschland zählten 224 Kommunen zu den Glücklichen, darunter auch Städte wie Wiesbaden. Sie müssen nun mindestens drei Jahre lang kostenloses WLAN anbieten und dabei mindestens 30 Mbit/s im Downstream ermöglichen. Im April dieses Jahres startete die zweite Ausschreibungsrunde.

„2020 soll jedes Dorf und jede Stadt in Europa über einen kostenlosen WLAN-Internetzugang in der Nähe der Hauptzentren des öffentlichen Lebens verfügen“, sagt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Die Suche nach der nächsten Konditorei oder dem nächsten Fischhändler wird also langsam einfacher, denn immer mehr Städte, Kommunen und Zusammenschlüsse von Händlern bieten kostenloses Public WLAN an. Das ist für die Betreiber nicht billig und nicht ganz einfach umzusetzen: Man braucht höhere Standorte wie Lichtmasten, eine schnelle Internetverbindung und muss ausreichend WLAN-Antennen montieren, um den Service im ganzen Gebiet zu ermöglichen. Und der wird sehnlichst herbeigewünscht: Laut einer Studie von EarsandEyes finden 73 Prozent, dass Deutschland unbedingt eine bessere Versorgung mit freiem, öffentlichen WLAN braucht. Um Zugangsmöglichkeiten für alle zu schaffen, moderner zu werden und die Lebensqualität zu erhöhen.

Seitdem im Jahr 2017 die so genannte Störerhaftung für WLAN-Betreiber abgeschafft wurde, und Unternehmer und Privatpersonen nicht mehr für rechtswidriges Verhalten ihrer Nutzer haften, haben sich die Nutzerzahlen spürbar erhöht.

Denn es ist ja auch enorm praktisch, mal eben im Café auf seinem Smartphone kostenlos das Kinoprogramm anzugucken, ein paar WhatsApp-Mitteilungen zu schreiben, Nachrichten zu lesen und schnell eine Rechnung online zu überweisen.

Enorm praktisch finden das Public WLAN nicht nur Millionen Nutzer, sondern leider auch Hacker. Denn alle vom Smartphone, Tablet oder Notebook per Funk oder Infrarotlicht gesendeten Daten gelangen in der Regel unverschlüsselt über den Router des Hotspot-Anbieters und können mittels spezieller Software vergleichsweise einfach abgefangen und ausgewertet werden. Kontoverbindungen und Passwörter können dadurch schnell und unbemerkt in fremde Hand gelangen – und aus dem Traum vom kostenlosen Surfen wird ein Alptraum. Sensible Daten sollten deshalb nur auf sicheren SSL-Verbindungen, erkennbar an htpps-Seiten und einem Schloss im Browser, eingegeben werden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät dazu, die WLAN-Funktion auf seinem Smartphone nur dann einzuschalten, wenn sie tatsächlich benötigt wird, vertrauliche Daten nicht abzurufen und Überweisungen lieber von zuhause zu tätigen. Weiterhin sollte man die Datei- und Verzeichnisfreigaben auf dem mobilen Endgerät deaktivieren, denn je nach Konfiguration kann das eigene Gerät im Netzwerk für andere sichtbar und manipulierbar sein, zudem sollte die automatische Anmeldung an bereits bekannten Hotspots deaktiviert werden.

Im Idealfall sichert man sein mobiles Endgerät mit Virtual Private Network (VPN), einem meist kostenpflichtigen Dienst, der eine direkte, verschlüsselte Verbindung zwischen dem Handy und dem VPN Provider herstellt – der Hotspot überträgt also nur unbekannte, verschlüsselte Daten.

Nicht selten richten Hacker übrigens an Bahnhöfen und Flughäfen ein seriös lautendes WLAN ein (wie zum Beispiel Bahnhofköln oder Frankfurtflughafen), deshalb ist die Gefahr gerade an diesen von sehr vielen Menschen genutzten Hotspots groß, hier an den Falschen zu geraten. Unter wlanmap.com und der App WLAN Instabridge lassen sich alle Standorte verfügbarer Hotspots anzeigen.

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Journalist

Katja Deutsch

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