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Zwischen (Kunden-)Wunsch und (Rohstoff-)Realität

Von den Unternehmen der Verpackungsindustrie wird aktuell viel an Umstrukturierung und Neuausrichtung verlangt. Eine Branche erfindet sich neu – und muss sich neu erfinden. Dabei stehen derzeit gleich mehrere Herausforderungen im Fokus und prägen die Arbeit der Branche.

Karsten Hunger, Geschäftsführer des Industrieverbands Papier- und Folienverpackung e.V. (IPV); Foto: Presse

Corona-Pandemie und Lockdown haben deutlich gemacht, dass Schutz und Hygiene einen besonderen Stellenwert haben. Und was schützt besser, als intelligente Verpackungslösungen? Dennoch kämpft die Branche um Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Papier statt Kunststoff ist ein aktuell oft geäußerter Verbraucherwunsch. Neben der produktspezifisch zu prüfenden Nachhaltigkeit, muss der Wunsch auch mit den notwendigen Barriereeigenschaften gegen Fett, Öl oder Wasser in Einklang gebracht werden – Eigenschaften, über die Papier und Kartonagen von Natur aus nicht oder nur in geringem Umfang verfügen. Zwar macht die Forschung hier sichtbare Fortschritte, ein wirkungsvoller Barriereschutz ist allerdings ohne Kunststoffanteile zum jetzigen Zeitpunkt nur in den wenigsten Fällen möglich. Bei lange haltbaren Lebensmitteln und für Medizinprodukte sind Verpackungen aus oder mit Kunststoff oft nicht nur die bessere, sondern die einzige Wahl. Aber ganz egal aus welchem Material: Ressourceneffizienz und Recyclingfähigkeit bleiben wichtige Kriterien für Verpackungen.

Vor ganz andere Herausforderungen wird die Branche durch die politischen Regulationen gestellt. Neue Leitlinien der EU-Kommission sollen beispielsweise klären, welche Produkte durch die EU-Einweg-Kunststoff-Richtlinie erfasst werden. Das Ziel ist, Littering grundsätzlich zu bekämpfen. Nach zweijähriger Erstellung der Leitlinien und vielen Verzögerungen blieben der Wirtschaft nur vier Wochen Zeit, zur Implementierung der Regelungen bis zur ersten Deadline am 03. Juli 2021. Die ursprünglich als praktische Hilfe geplanten Leitlinien – 55 Seiten stark – machen die Umsetzung dabei eher komplizierter als einfacher. Zum Vergleich: Die gesamte Richtlinie kommt auf einen Umfang von 19 Seiten. Trotz dieser Überkomplexität gibt es leider weiterhin Graubereiche und Abschnitte, in denen die Leitlinie den Anwendungsbereich der Richtlinie deutlich über-schreitet. Langwierige Gerichtsverfahren sind zu befürchten.

Das Jahr 2021 hat auch die Verpackungsbranche in Sachen Rohstoffverknappung kalt erwischt. Egal ob Kunststoff, Papier oder Klebstoffe, bei fast allen Rohstoffen gab oder gibt es Lieferschwierigkeiten oder zumindest große Kostenschwankungen. Selbst bei fertigen Produkten hören die Herausforderungen nicht auf, so werden für Paletten mittlerweile nie gekannte Prei-se verlangt, sofern sie überhaupt verfügbar sind. Die Lage sorgt für Sorgenfalten und macht Arbeit und Planung der Hersteller ungemein anspruchsvoll. 

2021 ist kein einfaches Jahr für die Unternehmen der Verpackungsindustrie. Die vielen Innovationen etablierter Firmen und die ungeahnte Vielzahl neuer Start-ups in den letzten Monaten lassen jedoch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.

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Journalist

Karsten Hunger

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