Weekly News

Carina Bauer, CEO IMEX Group BUSINESS MOBILITY

Die digitale Welt gibt der MICE-Branche eine große Chance

Im Interview mit Carina Bauer, CEO IMEX Group. 

Die Herausforderung für Organisatoren und Destinationen ist die wachsende Nachfrage nach kreativen und ungewöhnlichen Veranstaltungsorten.

Die Digitalisierung zwingt uns zum Umdenken – was früher gültig war, wird infrage gestellt. Formate wie etwa die CeBIT sterben und Handelskonflikte wie der Zollkrieg zwischen China und den USA, aber auch der in diesem Jahr anstehende Brexit haben zu vielen Unsicherheiten geführt. Wie reagiert die MICE-Industrie darauf?

Es ist sicherlich wahr, dass die Digitalisierung und das, was manche die Vierte Industrielle Revolution nennen, unser tägliches Leben betrifft; die Digitalisierung führt andererseits aber auch zu einer größeren Nachfrage nach menschlichen und emotionalen Verbindungen.

Für die Meetingbranche bedeutet dies, dass es in unserer neuen digitalen Welt eine große Chance gibt, Menschen dabei zu helfen, diese Verbindungen zu entwickeln und Marken dabei zu unterstützen, ihre Botschaften auf spannende und emotionale Weise zu vermitteln, die online nicht erreicht werden können.

Das Schlüsselthema der MICE-Branche ist nicht die Nachfrage, sondern die Sicherstellung, dass die stattfindenden Meetings, Events, Ausstellungen und Incentive-Reisen tatsächlich die geschäftlichen und persönlichen Ziele der Teilnehmer erfüllen.

Laut verschiedenen Umfragen sieht die Branche die Veranstaltungsformate in Zukunft als kürzer und interaktiver an. Welche Herausforderungen werden Organisatoren auf der einen Seite, aber auch Standorte auf der anderen Seite – auch vor dem Hintergrund digitaler Medien – haben, um das Geschäft zu erhalten oder auszubauen?

Ich denke, eine der wichtigsten Herausforderungen für Organisatoren, Veranstaltungsorte und Destinationen ist die wachsende Nachfrage nach kreativen und ungewöhnlichen Veranstaltungsorten und -räumen. Die zunehmende Notwendigkeit, einen Wow-Faktor zu schaffen und die Menschen aus ihrer Komfortzone herauszuholen, führt dazu, dass die Organisatoren zunehmend bestrebt sind, Räume wie verfallene Lagerhallen, Wohngebäude oder Außenanlagen wie Parks für Veranstaltungen zugänglich zu machen und neu zu durchdringen.

Durch die stärkere Fokussierung auf die Gestaltung der Meetingagenda reicht das traditionelle Format im Vortragsstil nicht mehr aus. Um verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten anbieten zu können, müssen die Räume größer, flexibler, technisch hervorragend ausgestattet und mit vielfältigen Möbeloptionen versehen sein.

Dies stellt natürlich eine Herausforderung für alle dar, nicht zuletzt für Hotels und Kongresszentren, die aufgefordert sind, ihre Flächen zu modernisieren und flexibler zu gestalten und Partnerschaften mit Anbietern aus der Community zu entwickeln, um den Marktanteil zu halten.

Wie kann die MICE-Branche den Spagat zwischen der digitalen Transformation von Ereignissen wie Live-Streams und dem Erlebnischarakter meistern?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Veranstaltungen, die ein „digitales Fenster“ zu ihren Inhalten bieten – je nachdem, welche Art und Weise angemessen ist – größere Marktanteile gewinnen und langfristig das Wachstum „persönlich“ adressieren. Daher sollten sich die Organisatoren von Veranstaltungen keine Sorgen über digitale Veranstaltungen oder Livestreams machen, die ihre Veranstaltungsbesucher kannibalisieren könnten. Vielmehr ist es klar, dass Veranstaltungen in der Lage sind, mithilfe von Technologien ihre Reichweite und Präsenz zu erweitern und das Live-Erlebnis auf unterhaltsame und innovative Weise zu verbessern.

Es ist jedoch auch wahr, dass es eine Herausforderung ist, das Live- und das digitale Erlebnis zu mischen, da die Bedürfnisse der einzelnen Zielgruppen sehr unterschiedlich sind. Die einzige Möglichkeit, diese Herausforderung zu meistern, besteht darin, Veranstaltungen und Inhalte sehr sorgfältig zu gestalten, um sicherzustellen, dass die personalisierten Bedürfnisse des Live-Publikums mit denen des Online-Publikums in Einklang stehen.

Sprechen wir über neue Veranstaltungsformate mit hohem Erlebnischarakter in der MICE-Branche – ein Beispiel sind Live-Kochshows, die durch verschiedene Locations touren. Wie sehen Sie diese Entwicklung in den nächsten fünf Jahren?

Es ist sicherlich richtig, dass die eher „konsumentenorientierten“ Veranstaltungen wie Kochshows, Markenfestivals usw. Auswirkungen auf die Meeting- und Incentive-Reiseindustrie haben. Denn die Menschen wollen, ebenso wie es Homeoffices gibt, keinen großen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit machen, in erster Linie müssen sie authentisch sein.

Fakten

Nach ihrem Abschluss in Politik, Philosophie und Wirtschaft im Jahr 1998 in Oxford begann Carina Bauer ihre Karriere im Einzelhandel und in der Gastronomie – den Aufbau und Betrieb von GoodBean Coffee, einer familiengeführten Coffee-Shop-Kette im gesamten Süden Englands. Als Geschäftsführerin war Carina Bauer für den Ausbau des Geschäfts verantwortlich, das in drei Jahren auf 13 Filialen angewachsen ist und im Dezember 2001 an eine börsennotierte Gesellschaft verkauft wurde.

Als begeisterte Skifahrerin genoss Carina Bauer eine kurze Pause in einem Skigebiet in Italien, bevor sie 2002 als Marketing- und Betriebsleiterin für die IMEX in Frankfurt als Teil des ursprünglichen Launch-Teams für die Ausstellung in die Meetingbranche eintrat.

Nach der Expansion der Marke IMEX nach Amerika im Jahr 2009 wurde Carina Bauer zur CEO der IMEX Group ernannt. In dieser Funktion ist sie für alle Geschäftsfelder verantwortlich.

Während ihrer gesamten Karriere war Carina Bauer ein aktives Teil der Meetingbranche. Sie war Vorsitzende des Marketingkomitees für die European Meetings & Events Conference des MPI, London (2008), gehörte dem Board des MPI UK Chapter, dem MPI International Multicultural Committee und den Global and Advocacy Taskforces der PCMA an. Derzeit ist sie President Elect für die SITE International Foundation.

Teile diesen Artikel

Journalist

Frank Tetzel

Weitere Artikel