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Gut im Rennen: Der Deutsche Bootsmarkt

Die boot Düsseldorf ist die Leitmesse des internationalen Wassersports. Am 19. Januar beginnt der Branchengipfel und feiert in diesem Jahr sein 50. Jubiläum. Messe-Chef Petros Michelidakis gibt uns im Interview einen Überblick über den internationalen Bootsmarkt.

„Trendsportarten wie SUP, Surfen, Kiten aber auch das Tauchen sind durchaus ein Einstieg in den Wassersport.“

Herr Michelidakis, wie entwickelt sich der Bootsmarkt in Deutschland und Europa?

Nach Ablauf des ersten Halbjahres 2018 bilanzieren wir die maritime Konjunktur in Deutschland als überwiegend freundlich. Immerhin 81 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als gleich gut oder besser als im Vorjahr. Dies sind rund sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Diese kleine konjunkturelle Delle resultiert aus den relativ kalten ersten Frühjahrsmonaten, die einen frühen Start in die Wassersportsaison in unseren Breitengraden verhinderten. Insbesondere gilt dies für den Ausrüstungsbereich, in dem viele Anschaffungen auf wärmere Monate oder gleich ins nächste Jahr verlegt wurden. Sehr gefragt sind Motorboote und -yachten über 7,5 Meter Länge, bei denen 35 bis 40 Prozent der Händler gute Umsatzzuwächse verzeichneten. Auch bei den Segelyachten steigt die Nachfrage nach größeren Booten von mehr als 60 Fuß. Zusätzlich sind Einsteigermodelle unter 7,5 Metern Länge wieder im Kommen.

Wo liegen die derzeitigen Trends?

Seit einigen Jahren gibt es verstärktes Interesse an sogenannten „Multihull“-Booten. Gemeint sind damit Mehrrumpfboote wie Kata- oder Trimarane. Ihre Beliebtheit auch bei Einsteigern steigt sehr konstant, da sie beim Segeln mehr Stabilität versprechen. Ein neuer und spannender Schwerpunkt liegt auf den Luxustendern, also kostspieligeren „Beibooten“, die immer mehr auch ein Prestigeobjekt sind und dem hohen Designanspruch der kaufkräftigen Klientel an eine Superyacht entsprechen müssen. 

Die Boot feiert 2019 ihr 50jähriges Bestehen. Als man 1969 begann, war eine Messe, gerade zum Thema Wassersport in NRW, wo außer ein paar Stau- und Baggerseen, sowie Rhein und Ruhr keine wirklich großen Reviere zu finden sind, eine verwegene Angelegenheit. Mehrere Messegesellschaften hatten damals die Idee verworfen, Düsseldorf nahm jedoch das Konzept auf, weil der damalige Chef selbst Segler war. Wie konnte daraus so etwas Großes werden?

Dass aus dem Spleen eine riesige Messe wurde, brauchte seine Zeit. Ein Aufschwung kam schon in den 70er Jahren, als die Funsportarten aufkamen. Das neue, exotische und vergleichsweise preiswerte Windsurfen half Besucher anzuziehen. Dieses Erfolgsrezept hat die Messe über die Jahre ausgebaut. Auf der einen Seite die Bootsausstellung, auf der anderen Seite die Hallen mit den Sportarten für alle. Und das gute Verhältnis zu den Ausstellern.

Tendenziell leidet auch der Bootsmarkt in Deutschland unter dem demografischen Faktor. Was macht die Branche, um dem entgegenzusteuern? Wie werden junge Zielgruppen angesprochen, einmal abgesehen von Themen wie Surfen?

Die Industrie reagiert mit neuen und innovativen Produkten um mehr Zielgruppen anzusprechen und das mit Erfolg. Vom trailerbaren Segelboot mit Kabine bis zum Elektroantrieb wird auch in diesem Jahr auf der boot einiges zu bestaunen sein. Bei der boot sprechen wir mit unserem Konzept „360° Wassersport erleben“ jung und alt an, die Freizeit mit dem Wassersport zu verbinden. Wie schon angesprochen, belebt sich der Markt für kleinere Segelboote. Auch jüngere Menschen lernen die Erholsamkeit des Segelns und die Entschleunigung, die ein Törn bietet, zu schätzen. Dies ist sicherlich ein Weg, um der Überalterung im Bootssport entgegen zu wirken. Darüber hinaus sehe ich die Trendsportarten wie SUP, Surfen, Kiten aber auch das Tauchen durchaus als Einstieg in den Wassersport. Wer einmal das Wasser als Element entdeckt hat, wird ihm treu bleiben und oftmals über den Einstiegssport hinaus auch zum Charterer oder Käufer. Dafür bietet die boot Düsseldorf hervorragende Möglichkeiten, da der gesamte Bootsmarkt abgebildet wird, für jeden Geldbeutel etwas dabei ist und der Besucher sogar selbst Sportarten wie Surfen, Tauchen, Segeln oder Kanufahren testen kann. Damit lockt sie jüngere Menschen an, die das Potenzial zum aktiven Wasser- oder Bootssportler haben.

Klimawandel, Nachhaltigkeit, Dieseldebatte und vieles mehr, was mit der Umwelt in Zusammenhang steht, betrifft auch das Freizeitverhalten auf dem Wasser. Wie reagiert die Branche darauf? 

Die Bootsmotoren-Hersteller stellen sich inzwischen seit vielen Jahren erfolgreich der Aufgabe, alternative, innovative und umweltfreundliche Antriebe zu entwickeln. Elektromotoren zeichnen sich neben ihrer Umweltfreundlichkeit durch einen geräuscharmen Lauf aus. Seit vielen Jahren
unterstützen wir Aktivitäten zum Meeres- und Gewässerschutz.

Fakten

Petros Michelidakis ist seit 2016 der Chef der boot Düsseldorf. Der gebürtige Grieche, der seine früheste Kindheit und Jugend in Deutschland verbrachte, zog nach seiner Ausbildung wieder in seine Heimat, wo Segeln zu seiner Passion wurde. Über Stationen in Italien war Michelidakis zwischen 2011 bis 2015 als Auslandsvertreter für die Belange der Messe Düs-seldorf in Griechenland und Zypern zuständig. Petros Michelidakis ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Journalist

Frank Tetzel

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