European Media Partner
Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH BILDUNG & KARRIERE

Reverse Mentoring empfinde ich als sehr bereichernd

Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel lässt sich in digitalen Themen gerne von jungen Mitarbeitern coachen. 

Wir müssen das Lernen neu lernen.

Bereits wenige Jahre nach Abschluss des Studiums sind in den meisten Branchen die Kenntnisse der Mitarbeiter veraltet, denn das weltweite Wissen verdoppelt sich alle neun bis 18 Monate. Also einfach immer weiter studieren? In gewissem Sinne ja, wenn auch nicht an der Uni sondern im Unternehmen. „Wir haben das Thema Lernen stark im Fokus“, sagt Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH. „Weltweit erfolgreich bleiben können wir nur, wenn wir uns alle ständig weiter qualifizieren.“ 

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 410.000 Mitarbeitern und eines der größten Unternehmen in der Bundesrepublik. Sie umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in 60 Ländern. 

Der drahtige HR-Chef, der das Personal- und Sozialwesen führt, verantwortet darüber hinaus die Bereiche Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Recht, Compliance Management, interne Revision, Informationssicherheit und Datenschutz des Weltkonzerns. Er kann und weiß also sehr, sehr viel. Oder hat auch er Lücken? „Natürlich lerne auch ich jeden Tag dazu. Neulich erst habe ich mich im Bereich Internet of Things weitergebildet. Nach einem Selbsttest konnte ich exakt auf mich zugeschnittene Inhalte lernen. Das war hoch spannend!“ 

Bosch bietet seinen Mitarbeitern weltweit rund 19.000 Schulungen an, die sie zusammen mit Expertenvideos und weiteren digitalen Lernmaterialien in einem neuen Lernportal einfach und nach Themen sortiert aufrufen können. Bemerkenswerterweise hat auch die Führungsriege keinerlei Berührungsängste, sich in dem einen oder anderen Bereich als unwissend zu outen, sondern stürzt sich begeistert in unbekanntes Terrain. Gerade bei digitalen Themen haben nun mal meistens die „Digital Natives“ die Nase weiter vorne als das höchste Management. 

Als die Social Media Plattformen aufkamen, wusste der HR-Chef nicht immer, wie er auf Anfragen in den verschiedenen Kanälen am besten reagieren sollte und ließ sich deshalb eigens von einer jungen Mitarbeiterin in Social Media-Fragen coachen – die ihrerseits vom Austausch profitierte. „Neugierig zu sein und lernen zu wollen ist keine Frage der Hierarchie. Nur wenn wir die vernetzte Welt verstehen, können wir sie auch gestalten. Das gilt für die Mitarbeiter genauso wie für die Führungskräfte“, ist Kübel überzeugt.

Wissen innerhalb des Unternehmens mit anderen zu teilen anstatt es im eigenen Team zu behalten, ist ein Ansatz, der in vielen Unternehmen noch recht kritisch beäugt wird. Könnten mühsam erworbene Wettbewerbsvorteile in falsche Hände geraten, wenn zu viele Mitarbeiter davon wissen?

„Wenn wir den digitalen Wandel erfolgreich gestalten wollen, brauchen wir neue Formen von Führung und Zusammenarbeit. Deshalb treiben wir konsequent die Umsetzung unserer neuen Führungsprinzipien voran, bei denen sinnstiftenden Arbeitsaufgaben, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung im Mittelpunkt stehen. Ein gutes Beispiel dafür ist „Working Out Loud“ (WOL). Ich bin ein großer Fan dieser Methode, weil wir mit ihr die digitale Zusammenarbeit fördern und unsere Arbeitskultur weiterentwickeln“, ist Christoph Kübel begeistert. „WOL ist von einer Bosch-Mitarbeiterin entdeckt worden, mittlerweile haben wir damit über 4.000 Mitarbeiter in mehr als 50 Ländern erreicht. Viele unserer Geschäftsbereiche überlegen gerade, diese Methode standardmäßig zu implementieren.“

Die Weiterentwicklung der Arbeits- und Lernkultur sieht Christoph Kübel als wichtiges Element, um in der digitalen Transformation erfolgreich zu sein und zu bleiben, denn immer mehr Wissen muss immer schneller verfügbar sein. „Wir sehen einen großen Bedarf, neues Wissen und neue Fähigkeiten „in the moment of need“ aufzubauen.“ Daher etabliere Bosch eine Unternehmenskultur, die das eigenverantwortliche Lernen fördere – für Mitarbeiter in der Fertigung genauso wie für jene in der Entwicklung und im Management. Das sei die Grundlage, um auf breiter Ebene neue Kompetenzen für die digitale Transformation aufzubauen, so der Personalchef. Das Unternehmen hat in den letzten fünf Jahren über eine Milliarde Euro in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter investiert. Einen Schwerpunkt bilden dabei IT-Themen und Künstliche Intelligenz. Jede zweite der jährlich rund 20.000 offenen Stellen weltweit erfordert Kenntnisse in Digitalisierungsthemen. „Doch wir achten bei Einstellungen auch sehr auf die Persönlichkeit: Bringen die Bewerber Freude mit, sich mit neuen Themen zu beschäftigen? Sind sie in der Lage, Visionen zu entwickeln, Begeisterung zu erzeugen und wertschätzend zu führen?“

Bosch plant innerhalb der nächsten fünf Jahre die Einstellung von weltweit 25.000 Software- und IT-Experten. Die Zahl der Experten für Künstliche Intelligenz soll sich in den kommenden drei Jahren von 1.000 auf 4.000 vervierfachen. „Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass uns das gelingen wird“, strahlt Christoph Kübel.

Fakten

Herr Kübel ist verheiratet und hat drei Kinder, die inzwischen alle in der Ausbildung sind. In seiner Freizeit ist er ein passionierter Sportler, vor allem das Laufen begeistert ihn. Mit viel Herzblut engagiert er sich außerdem für den gemeinnützigen Verein Primavera, der mit 40 Projekten weltweit rund 15 000 Kinder in Not unterstützt mit dem Ziel, ihnen eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu bieten.

Teile diesen Artikel

Journalist

Katja Deutsch

Weitere Artikel