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Künstliche Intelligenz schafft neue Möglichkeiten in den Logistik.

Im Interview mit Robert Blackburn, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V. 

 

Robert Blackburn, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V.

Wie verändern Big Data, Blockchain und KI traditionelle Business-Konzepte und Organisationsformen in der Logistik?

Sie machen sie schneller und sicherer: Wir wissen mehr und eher, was Kunden brauchen. Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten bei der Automatisierung von Prozessen, im Service oder bei Prognosen. Integrierte Wertschöpfungsketten nutzen verbundene IT-Systeme: Daten über Bedarfe und Bestände werden zuverlässig und automatisch durch Sensorik erhoben und stehen in Echtzeit ohne Zeitverzug allen Beteiligten zur Verfügung. So kann jeder aktiv mit Veränderungen umgehen, egal ob Lieferant, Hersteller, Händler oder Dienstleister. Das wirkt auf viele Menschen erschreckend, also sollten die Mitarbeiter/-innen geschult werden. Wer versteht, welche Chancen durch Digitalisierung für den eigenen Job entstehen, hat keine Sorgen, wenn Strukturen verändert und neue Formen der Zusammenarbeit möglich werden.

Welche Herausforderungen bringt das Internet der Dinge, also die komplette Vernetzung, für die Logistik mit sich?

Das Internet der Dinge bietet mehr Chancen als Herausforderungen: eine erhöhte Transparenz von Bedarfen und Beständen, von Abläufen in Wertschöpfungsketten. Wenn frühzeitig bekannt ist, wenn bei einem Lieferanten ein Maschinenschaden vorliegt oder dringend benötige Ware länger auf dem Seeweg ist als geplant, dann kann flexibel reagiert werden. Präzisere Prognosen und exaktere Planungen sind möglich, wenn geeignete Infrastrukturen wie schnelle Netze zur Verfügung stehen. Daran muss beim Exportweltmeister Deutschland gearbeitet werden.

Go Green und Nachhaltigkeit werden in der Intralogistik und in der Lieferlogistik immer nachgefragter. Schnelligkeit steht häufig im Widerspruch zur Nachhaltigkeit. Wie reagieren die Unternehmen?

Logistiker arbeiten nach dem Prinzip „Nachhaltigkeit durch Effizienz“. Wenn eine leistungsfähige IT und eine gute Ablauforganisation verfügbar sind, kann schnell und flexibel agiert werden. So kann ein Lieferant aus 350 000 möglichen Sitzvarianten innerhalb von vier Stunden die richtige Sitzgruppe an einen Automobilhersteller liefern. So erreichen Versandhändler über Apps, Portale, IT-Systeme, intelligente Prognosen, Analysen und Microhubs in Ballungsgebieten eine Lieferzeit an Endkunden von zwei Stunden. Mit Ressourcenverschwendung funktioniert das nicht.

Logistik- und Lieferketten werden über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg über Plattformen organisiert. Dadurch verändern sich die internen und die externen Logistikprozesse. Wie wird der Weg der Ware vom Wareneingang bis zum Kunden in Zukunft funktionieren?

Wie bislang auch. Nichts ist in der Logistik konstanter als der Wandel. Plattformkonzepte sind nur ein neuer Weg, um Kundenwünsche schnell, flexibel und kostengünstig zu erfüllen. Durch Kooperation und Transparenz werden neue Formen der Zusammenarbeit möglich, beispielweise die gemeinsame Organisation von IT-Systemen, Lagerung und Transport.

Welches sind derzeit die größten Herausforderungen im Wirtschaftsbereich Logistik?

Der Zustand der Infrastruktur in Deutschland, der Fachkräftemangel, der aufkeimende Protektionismus und politische Unsicherheiten. Aufgrund der geografischen Lage und des starken Außenhandels brauchen wir in Deutschland eine Top-Infrastruktur. Investitionen werden allzu schleppend realisiert, die Genehmigungsprozesse dauern zu lange und der Wirtschaftsbereich Logistik leidet unter überbordender Bürokratie.

Wie reagieren die Logistiker auf den Mangel an Fachkräften?

Bisher zu wenig. Logistik bietet in Industrie, Handel und Dienstleistung abwechslungsreiche und anspruchsvolle Berufsbilder. Das müssen wir jungen Menschen besser vermitteln. Automatisierung und digitaler Wandel werden neue Berufe schaffen, die der Logistik neue Zielgruppen erschließen und sie insgesamt attraktiver machen. Wir müssen intensiver und emotional ansprechend werben. Ein neuer Startpunkt dafür wird beim 35. Deutschen Logistik-Kongress Mitte Oktober in Berlin gesetzt.

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Journalist

Frank Tetzel

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