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Ohne BIM wird es zukünftig nicht mehr gehen

Für Christoph Gröner, Firmengründer, Namensgeber und Vorstandsvorsitzender der bundesweit tätigen CG Gruppe, führt kein Weg am digitalen Bauen vorbei. 

Immobilien sind mehr als nur Produkte. Mit ihnen verbindet sich eine Weltanschauung.

Christoph Gröner ist ein Freund klarer Worte. Wenn es um die deutsche Baubranche geht, wird der Immobilienentwickler besonders deutlich: „Hier kann jeder mitspielen, es fehlen Visionen, Strategien und zunehmend auch Fachkräfte. Kein Wunder also, dass die hiesige Bauwirtschaft hinter vielen anderen Industriezweigen hinterherhinkt. Außerdem ist die Branche satt, denn es wird viel Geld verdient. Und schließlich wird auch noch am Bedarf der Bevölkerung vorbeigeplant.“ Eines der Hauptprobleme liegt für Gröner darin, dass sich niemand wirklich um den eigentlichen Bauprozess und die damit verbundene Logistik kümmert: „Von Prozessorientiertheit kann bei den meisten Bauvorhaben keine Rede sein, sie verlieren sich zu sehr in Details. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass kaum ein Bauvorhaben in der geplanten Zeit fertiggestellt wird? Oder dass Projekte wie die Elbphilharmonie um ein Vielfaches teuer werden als ursprünglich geplant?“

Antworten auf diese Fragen, die sich Branchen-Insider wie auch Außenstehende immer wieder stellen, hat der erfolgreiche Unternehmer natürlich parat. Als Vorreiter in Sachen Building Information Modeling (BIM) nutzt er jede Gelegenheit, um die Protagonisten der deutschen Immobilienwirtschaft dazu aufzufordern, die Digitalisierung und Automatisierung voranzutreiben. „Wir müssen zu einem Baukastensystem kommen, in dem Teile einer Immobilie vorgefertigt werden, so wie es auch in der Automobilindustrie seit langem Usus ist. Standards, zum Beispiel im Bereich von Fenstermaßen, Wasserhähnen, Balkonen oder Fassadentypen, führen zu Vereinfachungen im Bauprozess, von denen alle profitieren. Denn digitales Bauen und die Möglichkeit, mit vorgefertigten Teilen zu bauen, halbiert die Bauzeit, was wiederum die Investitions- und Finanzierungskosten erheblich reduziert. Eine zwingende Voraussetzung dafür ist allerdings BIM“, sagt Gröner. Zu den Vorteilen der Digitalisierung gehören für ihn vor allem Kosteneinsparungen – und es würden weniger Fehler produziert. „Wie oft merkt der Bauleiter erst auf der Baustelle, dass die Pläne der Architekten, Statiker und TGA-Planer nicht zusammenpassen. Was für ein Chaos! Da sind dann mal die Fenster zu groß, mal gehen Türen nicht auf oder Fliesen können nicht verlegt werden, weil der Untergrund noch nicht getrocknet ist. All dieser Ärger lässt sich im Voraus durch BIM-Planung und eine digitale Prüfung mit Clashing-Programmen verhindern.“ 99 Prozent der Fehler und Fehlleistungen würden somit gar nicht erst entstehen, so Gröner. Schließlich schaffe die Digitalisierung hohe Transparenz für Investoren. Da werde dann etwas gebaut, das von Anfang an durchdacht sei und sich in puncto Kosten und Bauzeit hundertprozentig abbilden lasse.

Da stellt sich die Frage, welche Erfahrungen man bei der CG Gruppe bislang mit BIM gemacht hat. Das erste Bauprojekt, das komplett mit BIM realisiert wird, ist das Bahrenfelder Carré im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Rund um einen Innenbereich entstehen in zwei Bauteilen Wohn- und Geschäftshäuser mit 281 freifinanzierten und geförderten Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen zur Miete und Gewerbeflächen für Einzelhandel sowie Tiefgaragenstellplätzen. „Am Anfang ist der Aufwand natürlich erheblich. Dieses Projekt kostet alle Beteiligten viel Kraft und so mancher war kurz davor aufzugeben“, räumt Gröner ein. „Und klar ist auch, dass es beim ersten Mal teurer wird und Abläufe sich vergleichsweise kompliziert gestalten, eine teilweise brutale Herausforderung. Aber ich gehe davon aus, dass es beim zweiten, dritten und vierten Mal einfacher wird und sich dann auch Kostenvorteile ergeben“, zeigt sich Gröner zuversichtlich. 14 weitere Projekte, bei denen BIM zum Einsatz kommt, hat die CG Gruppe derzeit in Planung. Und ab nächstem Jahr sollen alle Bauvorhaben komplett mit BIM realisiert werden. An Firmen und Dienstleistern, die auf den BIM-Zug aufspringen, mangelt es laut Gröner nicht. Da finde sich allmählich eine Community zusammen, die sich darin einig sei, dass das Bauen ohne BIM zukünftig nicht mehr funktionieren wird. Doch was heißt „zukünftig“? Gröner prognostiziert: „In fünf Jahren tun es bis auf die Unbelehrbaren alle, in zehn Jahren wird es keine erfolgreichen Immobilienentwickler und Bauunternehmen mehr geben, die nicht auf BIM setzen.“

Fakten

Die CG Gruppe (500 Mitarbeiter) entwickelt, baut und vermarktet seit über 20 Jahren Wohn- und Gewerbeimmobilien. Firmengründer Christoph Gröner begann schon mit 16, auf dem Bau zu arbeiten. Das erste eigene Projekt stellte er 2000 in Leipzig fertig. Ganze drei Tage sei er in seinem Berufsleben krank zu Hause geblieben, sagt Gröner, der vier Kinder hat und mit seiner Familie in Berlin lebt.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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