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Dr. Carsten Mahrenholz, Mitbegründer der COLDPLASMATECH GmbH HEALTHCARE

Heilung aus der Luft gegriffen

Ein einzigartiges Verfahren macht es möglich, aus Außenluft ein feines Gas zu erzeugen, das zerstörtes Zellgewebe zur Erneuerung aktiviert und nahezu alle Bakterien und Pilze abtötet.

Das Heilungspotential von kaltem Plasma liest sich wie in einem Science-Fiction-Roman.

Ja, und auch bei der klinischen Anwendung könnte man denken, man sei in die Zukunft versetzt worden und würde mit den Dermalregeneratoren aus Star Trek behandelt.

Dabei ist es wissenschaftlich nachweisbar und ganz einfach zu erklären.

Tatsächlich ist Plasma ein Begriff für den vierten Aggregatzustand, in unserem Fall von Luft, also einem Sauerstoff-Stickstoffgemisch. Dieses wird über eine Wundauflage aus Silikon über der verletzten Stelle erzeugt. Verbunden mit einer Steuerungsbox wird der Energie-Cocktail aus Ionen, Radikalen und freien Elektronen erzeugt und unter dem Silikonpflaster als bläuliches Schimmern sichtbar. Auf diesem Wege werden Zellen angeregt, Botenstoffe auszuschütten. So erhöht sich, neben vielen zellulären Prozessen, auch die Sauerstoffsättigung des darunterliegenden Gewebes, was zur gewünschten Zellerneuerung führt. Für den Patienten ist die Behandlung völlig schmerzfrei und gut verträglich. Erste Therapieerfolge zeigen sich oft schon nach wenigen Tagen.Der zweite Clou dieses Hightech-Pflasters ist das flächendeckende Abtöten von Bakterien und Pilzen. Das Plasma zerstört selbst Bakterien, gegen die Antibiotika machtlos sind – wie den gefürchteten MRSA-Keim. Es ist im Gegensatz zu den biochemischen Keulen der Antibiotika ein physikalischer Angriff, den man geradezu als „Massaker“ unter den sonst kaum beizukommenden Bakterienstämmen bezeichnen kann.

Wie kam es zu dieser innovativen Idee?

Die Idee entstand aus den Bedürfnissen der Anwender in Krankenhäusern heraus, also von Ärzten, Pflegepersonal und Patienten. Allein in Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen an chronischen Wunden – weltweit 36 Millionen Patienten pro Jahr, Tendenz steigend. Zielgruppe sind für uns vor allem Ärzte und Kliniken – aber auch Seniorenheime, Pflegestationen oder podologische Praxen.

Wer steckt nun hinter diesem Wunderkasten?

Neben uns drei Gründern sind wir mittlerweile ein interdisziplinäres Team geworden, aus Wissenschaft und Forschung sowie aus der Wirtschaft. Wir haben einen Biochemiker, Medizinökonom und Wirtschaftsingenieur, einen Pharmazeuten sowie Plasmaphysiker, aber auch die Bereiche Controlling und Fertigungstechnik sind abgedeckt. Große Technologien bringen auch große Verantwortung mit sich. Eine medizinische Errungenschaft braucht immer den Bezug zur Wirtschaft und ein ökonomisch sinnvolles System, um erfolgreich in den Markt eingeführt zu werden. Denn das ist unser Ziel: Die Technologie muss den Weg zum Patienten finden.

An welche Anwendungsbereiche denken Sie als Erstes?

Offene Beine, diabetisches Fußsyndrom oder Druckgeschwüre bei bettlägerigen Patienten sind die vordringlichsten Bereiche. Aber auch bei Brand- oder OP-Wunden kann dieses Verfahren zur Keimabtötung eingesetzt werden.

Irgendwann wird es vielleicht möglich sein, dass dieses Verfahren als Routinebehandlung bei allen offenen Wunden angewandt wird, ohne dass lange auf Laborergebnisse gewartet werden muss.

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Journalist

Christiane Meyer-Spittler

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