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Mir geht es gut – ich singe gern!

Heino steckt mitten in den Vorbereitungen für seine neuen CDs und seine letzte große Tournee. Ans Aufhören denkt er nicht. Warum auch?

Das Singen hält mich jung und macht mir einfach Spaß!

Älter zu werden kann so schön sein, wenn es einem gut geht und man keine Schmerzen hat. Und dem bekanntesten deutschen Volksmusiker geht es meistens gut, auch wenn er kurz nach dem Freitod seines ältesten Freundes und früheren Bandkollegen Dieter Wolf bei unserem Gespräch noch merklich geschockt ist. „Seine Tat traf meine Frau und mich wie ein Keulenschlag“, sagt er. „Solch eine Entscheidung erfordert großen Mut. Den hätte ich gar nicht.“ Dieter Wolf wollte nicht ohne seine geliebte Frau Heidi leben, die seit Jahren an unerträglichen Rückenschmerzen litt. Das Paar beendete sein Leben gemeinsam.

„Wir haben kurz vorher noch über einen neuen Song gesprochen, den Dieter geschrieben hatte und für den er auf der Suche nach einem Sänger war. Ich fand den Song toll und habe ihm gesagt, ich wüsste da einen Sänger – einen etwas älteren.“ Denn das Singen hält Heino jung. „Es macht mir einfach Spaß. Und so lange mir der liebe Gott meine Stimme lässt, möchte ich singen.“ Der 79-Jährige freut sich wahnsinnig auf seine Abschiedstournee, die im Frühjahr 2019 stattfinden soll. Die Songs dazu sucht er nach persönlichen Vorlieben aus und lässt sich bei der Umsetzung von vielen jungen Leuten beraten. Heino gilt zwar als älteste Schlager-Ikone des Landes, steht aber anderen musikalischen Einflüssen offen gegenüber und rockt bekanntermaßen auch manchmal los. „Damit habe ich 2013 mein Publikum mal eben um 40 Jahre verjüngt. Denn ich möchte mich gegenüber anderen Musikrichtungen keinesfalls verschließen.“

Ist es nicht ganz schön anstrengend, mit beinahe 80 Jahren noch CDs aufzunehmen und eine 20 Tage dauernde Tournee durchzustehen? Heino verneint. So sehr einspannen wie früher lässt er sich schon lange nicht mehr und sortiert die vielen Einladungen genau aus, die ins Haus flattern. Körperlich fit bleibt er durch tägliche Spaziergänge und Übungen. Übungen? Kaum einer weiß, dass Heino den Schwarzen Gürtel in Jiu Jitsu besitzt und immer noch täglich 30 bis 40 Minuten trainiert. „Aber ansonsten mache ich nicht allzu viel“, schmunzelt er. „Ich habe weder ein Rad noch ein E-Bike, das wäre mir hier in den Bergen um Bad Münstereifel viel zu anstrengend. Und so etwas wie Massagen oder Physiotherapie mag ich auch nicht. Ich kann es nicht leiden, wenn mir jemand am Körper herumhantiert.“

Bereits vor neun Jahren ist das seit 1979 verheiratete Paar aus seiner Luxusvilla aus- und im Historischen Kurhaus eingezogen, wo es die komplette ca. 400 m2 große zweite Etage bewohnt. Der Aufzug fährt direkt in die altersgerechte Wohnung, wo der Sänger täglich den Blick über ganz Bad Münstereifel schweifen lassen kann. Ein Stockwerk über dem Paar logieren Hotelgäste, darunter befindet sich auch HEINOS CAFÉ, in dem die Goldenen Schallplatten, Auszeichnungen und Trophäen aus seinem Leben zu bewundern sind. Oft werden Busladungen voller Besucher hierher gekarrt, die bevorzugt die Heino-Haselnusstorte (für 3,60 Euro) bestellen – und darauf warten, dass ihr Idol sich zeigt, Autogramme schreibt und vielleicht sogar ein wenig plaudert.

Heino lebt zusammen mit seiner lebenslustigen dritten Ehefrau Hannelore, „die immer um mich herum schwirrt“, recht unkompliziert. Zum Frühstücken gehen die beiden nach unten ins Kurhaus, zum Abendessen ebenso. Er isst alles – viel, wenn er hungrig ist, nichts, wenn er keinen Hunger hat. Und schwört, dass die schlanke Linie genetisch bedingt sei. Behält er sein unverkennbares Markenzeichen, die schwarze Brille, denn auch in der Wohnung und zum Essen auf? „Die Brille ist mittlerweile so zur Gewohnheit geworden, dass ich sie kaum ablege“, gesteht er. In Kitzbühl, wo das Paar einen luxuriösen Zweitwohnsitz hat, lässt er sie von einem privaten Brillenmacher individuell anfertigen und besitzt mittlerweile um die 30 Stück. Die Kosten liegen bei etwa 500 Euro pro Brille.

Vor langer Zeit hatte ihm ein Arzt geraten, sein durch eine Schilddrüsenüberfunktion plötzlich hervorgetretenes Auge doch einfach mit einer dunklen Brille zu verdecken. Jetzt will er sie tragen bis zum Schluss. „Mein Letzter Wille: Tod mit Brille“, ließ Heino verkünden. Denn er trägt sie nicht nur (unerlaubterweise) auf seinem Passfoto, sondern möchte auch mit seinem Markenzeichen begraben werden. Doch bis dahin – und da unterscheidet sich der weltberühmte deutsche Schlagerstar nicht im Mindesten von seinen Mitmenschen – schiebt er das Thema lieber weit weg.

Am 13. Dezember wird Heino 80 Jahre alt. Wird er eine große Party schmeißen? „Nein, nein … Hannelore hat eine Überraschungsreise organisiert, wir fahren irgendwohin. Denn während meine Frau auf jeder Party sofort ins Gespräch kommt, setze ich mich lieber erst einmal in eine Ecke. Ich bin ein schlechter Gesellschaftsmensch“, sagt der Star, der über 50 Millionen Tonträger allein in Deutschland verkauft hat. Er freut sich auf die Reise, die Musik und seine große Tournee. Die vielleicht doch nicht die letzte sein wird.

Fakten

Heino hört zu Hause überhaupt keine Musik. Er benutzt schon lange ein selbst eingestelltes Hörgerät, das er nicht tragen müsste, mit dem er sein Leben jedoch als komfortabler empfindet. Er spielt jeden Tag Schach gegen einen Computer, den er auf die schwierigste Stufe eingestellt hat. Einmal hat er auch schon gegen ihn gewonnen.

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Journalist

Katja Deutsch

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