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Ludwig Maurer, Fleischexperte und Züchter von Wagyu-Rindern LEBENSMITTEL UND AGRAR

Fleisch – Mehr Klasse statt Masse

Wenn es nach dem Fleischexperten Ludwig Maurer gehen würde, dann müssten die Verbraucher in Deutschland ihren Fleischkonsum stark einschränken.

Jeden Tag Fleisch essen, ist nicht überlebenswichtig   

Der Fleischverzehr in Deutschland ist rückläufig. Laut den vorläufigen Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) verzehrte jeder Bundesbürger knapp 60 kg im Jahr 2017, das sind rund 2,5 kg weniger als noch vor 10 Jahren. Gleichzeitig wünschen sich 87 Prozent der Verbraucher nach Angaben des Ernährungsreports 2017 des BMEL eine bessere Tierhaltung. Geht der Trend in Deutschland in Bezug auf den Fleischverzehr mehr in Richtung Klasse statt Masse? Die großen Discounter haben bereits reagiert. Sie führten fast zeitgleich Anfang dieses Jahres unterschiedliche Label für bestimmte Fleischsorten ein. Diese sollen dem Verbraucher signalisieren, unter welchen Haltungsbedingungen das Tier, dessen Fleisch er gerade kauft, aufgezogen wurde. „Ich finde es gut, dass die Discounter einen Schritt machen, um die Verbraucher aufzuklären. Viele wissen zwar, dass Bio teurer ist, aber warum kostet Bio-Fleisch mehr als Konventionelles?“, meint Ludwig Maurer, Wagyu-Züchter und Fleischexperte.

Aber auch beim Discounter ist das Fleisch, das aus deutlich besseren Haltungsbedingungen stammt, preislich höher als das aus der Massentierhaltung. „Wenn ich eine Anzeige eines Supermarktes lese, wo 1 Kilo Schweinerücken für 3,90 Euro angeboten wird, dann weiß ich als logisch denkender Mensch, dass das Schwein nicht aus ökologischer Schweinehaltung kommt. Ich glaube, dass viele bereit sind, den Mehrwert zu bezahlen, wenn sie wissen, was dahintersteckt“, erläutert Ludwig Maurer. Doch erhält der Verbraucher auch qualitativ höherwertiges Fleisch, wenn er einen höheren Preis dafür bezahlt? „Der Preis ist schon ein Indikator. Ich würde nicht sagen, dass man Sonderangebote meiden soll. Das ist ja nur ein kalkulierter Rabatt, der über eine Marge funktioniert. Wenn mich aber jemand fragt, was ist besser, billiges oder teures Fleisch, dann muss ich in dem Fall erstmal sagen teures Fleisch“, erklärt Ludwig Maurer, Koch und Bio-Rinderzüchter.

Der Verbraucher hat jetzt die Wahl zwischen preiswerter und konventioneller Haltung oder einem teureren Produkt, das aber auch mehr Qualität verspricht. Wer bessere Haltungsbedingungen wünscht, muss also tiefer in die Tasche greifen. Aber kann sich das jeder leisten? „Ich kann mir das leisten, was ich mir leisten will und muss dann woanders einen Verzicht machen. Jeden Tag Fleisch essen, ist nicht überlebenswichtig. Wenn wir uns da ein Beispiel an unseren Großeltern nehmen, die hauptsächlich am Sonntag ihren Braten gegessen haben, dann ist das nicht nur nachhaltig, sondern auch noch gesund. In Deutschland ist keiner so arm, dass er sich das nicht leisten kann, sich vernünftig zu ernähren“, sagt Ludwig Maurer.

Fakten

Zwei Drittel des in Deutschland verzehrten Fleisches kommt vom Schwein, 12 kg entfallen auf Geflügel und 10 kg auf das Rind. Insgesamt hat sich der Konsum stabil entwickelt. Am meisten kaufen die Verbraucher abgepacktes Fleisch oder Wurst an der Theke oder beim Discounter (Quelle: Statista).

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Journalist

Jörg Wernien

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