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Lupinenkaffee? Ja wie schmeckt denn der?

Um eine köstliche Antwort auf diese Frage zu finden, hat das Ehepaar Rost mit zähem Gründergeist mehr als zwei Jahre lang geforscht und probiert. Mit „Lupini“ wurde ihr Neustart mit einer Bio-Rösterei in Barth zum Erfolg.

Startup! Das Wort allein schreit nach Dynamik. Los geht‘s! Aufbruch in das neue, das digitale Zeitalter. Auch das Ehepaar Michelle und Marcel Rost gehört zu denen, die den Mut fanden und ihrer langjährigen beruflichen Abhängigkeit davongerannt sind. Allerdings in die entgegengesetzte Richtung – zurück zu Ursprünglichem und ewig Vertrautem. Sie haben mit ihrem Startup die Sehnsucht nach Omas Kaffeeklatsch-Gemütlichkeit neu erweckt.

Als „LandDelikat – die Bio Rösterei“ firmiert ihr Familienbetrieb mit ländlichem Feinkosthandel. Mit diesem Logo haben sie vom Start weg die Zielrichtung festgeschrieben. Ihr „Genussladen“ in Barth, dieser touristischen Perle in der vorpommerschen Boddenlandschaft, ist vor allem mit seinen Röstprodukten längst kein Geheimtipp mehr – weder bei den Einheimischen noch bei den Touristen. Und auf Märkten in Vorpommern erfreuen sie mit ihrer fahrbaren Rösterei die Kundschaft.

Dabei war es echter Gründergeist mit viel Mut zum Risiko und langwieriger Suche, mit dem das Ehepaar längst Vergessenes neu aufblühen lässt. Oder wüssten Sie, liebe Leser, spontan eine Antwort auf die Frage: „Wie schmeckt denn eigentlich Lupinenkaffee?“ „Nussig und nach Nougat und Kakao“, sprudelt Michelle Rost heraus und fügt hinzu: „Aber er schmeckt weicher, milder und feiner als Kaffee und Säure hat er überhaupt keine.“

Wie so oft bei Neugründungen hat auch beim Ehepaar Rost ein persönliches Problem den Anstoß gegeben. Ausgerechnet die Hotelfachfrau mit einer Barista-Ausbildung für die Zubereitung von Kaffee vertrug ihr Lieblingsgetränk plötzlich nicht mehr. „Dann müssen wir unseren Kaffee halt selber rösten“, entschied ihr Mann am Frühstückstisch. „Das war vor zehn Jahren“, erinnert sich Michelle Rost. „Damals mussten wir lange suchen, ehe uns Carlos in Rostock das Röster-Handwerk beibrachte. Inzwischen wird das ja häufiger angeboten.“

Bei den beiden kam noch eine andere Sehnsucht dazu. „Im Urlaub hatten wir uns in die ursprüngliche, stille Naturlandschaft Vorpommerns verliebt, die so einen wundervollen Frieden ausstrahlt“, schwärmt Michelle Rost. „Beim Spaziergang kannst du noch beobachten, wie ein Fuchs versucht, dem Seeadler die Beute zu stibitzen. Und die Menschen hier sind so wundervoll offen und warmherzig. Und wir leisten unseren bescheidenen Beitrag, damit das alles erhalten bleibt.“

Gerade deshalb aber blieb zu Beginn ein Unbehagen. Der biologische Hochlandkaffee, den das Ehepaar röstet, muss ja um den halben Erdball ins idyllische Barth transportiert werden. Die naturschonende Alternative: Kaffee aus Getreide und den erbsenähnlichen Hülsen aus den Schoten der Lupine. „Die Lupine hatten wir schnell ins Herz geschlossen“, gesteht Marcel Rost lächelnd. Es wurde eine schwierige Liebe. „In Gendatenbanken entdeckten wir 2500 verschiedene Sorten der Pflanze“, berichtet der Chef. „Wir haben unterschiedliche Sorten geröstet, probiert, ausgespuckt, nach neuen geforscht. Zweieinhalb Jahre lang. Unser Erspartes haben wir dafür aufgebraucht. Dann eine Sorte aus einem früheren Kompetenz-Zentrum der DDR hier in Mecklenburg-Vorpommern. Beim Riechen schon haben wir uns mit leuchtenden Augen angeschaut. Dann der erste Schluck – und wir waren überzeugt.“

Inzwischen macht „Lupini“ rund 50 Prozent ihres Umsatzes aus. „Da ihn auch viele Touristen delikat finden“, sagt Michelle Rost, „haben wir über unseren Internetladen Kunden fast überall in der Welt.“ Und ihr Mann ergänzt: „Wir säen und ernten und verarbeiten ja alles selbst, schaffen also eine komplette regionale Wertschöpfungskette. Auch deshalb sind die Menschen hier in Barth stolz auf unser Nischen-Unternehmen – und vor allem auf unseren Lupinenkaffee.“ Der übrigens immer mehr Nachahmer findet.

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Journalist

Norbert Scheid

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