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Kinder sind das schwächste Glied in der Kette

Peter Maffay singt nicht nur, er unterstützt mit seiner Stiftung auch Tausende Kinder. Nicht nur öffentlichkeitswirksam an Weihnachten, sondern schon seit vielen Jahren. 

„Ich wurde vom Leben beschenkt und spüre deshalb eine Verpflichtung, mich ehrenamtlich zu engagieren.“ 

In den Ferien und an Geburtstagen merkt man als Kind besonders schmerzlich, wenn man nicht dazu gehört. Während die Klassenkameraden sich auf Flugreisen in ferne Länder und aufregende Orte freuen, weiß dieses Kind – es sind zwar bald Ferien, aber alle anderen sind weg und ich bin alleine und habe kein Geld. Denn meine Eltern sind drogenabhängig, psychisch oder körperlich krank oder leben schon gar nicht mehr. Peter Maffay hat solchermaßen traumatisierte Kinder seit vielen Jahren im Blick. In mittlerweile vier Häusern (auf Mallorca, in Rumänien und in Bayern) bietet er ihnen eine Auszeit in geschützter Umgebung mit viel Natur, Erholung und schönen Erlebnissen. Warum sieht er sich ihnen gegenüber in der Verantwortung und stellt so viel Zeit und Geld zur Verfügung, um den Kleinen einfach so Gutes zu tun? 

„Kinder brauchen mehr als alle Anderen eine Lobby“, erklärt der 69jährige Musiker. „Was wir tun, ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber es gibt dazu keine Alternative. Die Kinder, die zu uns kommen, um ihre Ferien in unseren Tabalugahäusern zu verbringen, haben schreckliche Dinge erlebt. Sie haben keine Chance auf eine normale Entwicklung. Deshalb muss man ihnen eine kleine Hilfestellung geben, so dass sie sich sicher fühlen können und vielleicht zu einem neuen Selbstwertgefühl finden.“ 

Hat er denn auch in seiner Kindheit ein schreckliches Trauma erlebt? „Nein, nicht in dieser Form wie die Kinder, die wir in unserer Stiftung betreuen“, stellt er klar. „Ich hatte liebevolle Eltern, die immer für mich da waren und die ihre eigenen Interessen jederzeit für mein Wohl zurückgestellt haben. An Weihnachten gemeinsam zu singen war immer sehr, sehr schön.“ Natürlich sei es ein großer Einschnitt gewesen, als 14jähriger aus einem Dorf in Rumänien in eine Großstadt nach Deutschland zu kommen, aber er habe sich immer behütet und beschützt gefühlt. „Daher muss ich heute sagen: Ich wurde vom Leben beschenkt und spüre deshalb eine Verpflichtung, mich ehrenamtlich zu engagieren.“ 

Über Langeweile kann der erfolgreiche Musiker jedenfalls nicht klagen. Gerade ist er Vater einer kleinen Tochter geworden, zudem wird nächstes Jahr ein neues Studioalbum erscheinen, die für 2020 vorgesehene Tour befindet sich ebenfalls bereits in Planung. Doch damit nicht genug: „Auch in der Stiftung haben wir viel vor. In Dietlhofen in Bayern bauen wir gerade eine Scheune zu einer Begegnungsstätte mit kleiner Bühne, Licht- und Tontechnik um. Wir möchten gerne Veranstaltungen aller Art durchführen, deren Erlös der Stiftung zu Gute kommt.“ 

Ferner liegt Peter Maffay sein Öko-Erlebnisbauernhof in Rumänien besonders am Herzen.  Die heruntergekommenen Gebäude in einem hauptsächlich von Sinti und Roma bewohnten Dorf wurden restauriert, neu gestaltet und wieder nutzbar gemacht. „Die Kinder des Kinderferienhauses sind stets willkommene Besucher und haben großen Spaß, wenn sie beim Pflanzen und Ernten helfen oder die Tiere streicheln und füttern dürfen.“ 

Weil jedoch der Unterhalt des Bauernhofes einen erheblichen finanziellen Aufwand dar stellt, ist der Musiker auf der Suche nach einem Sponsor, der sich einem solchen Projekt langfristig widmen möchte. Am längsten existiert das Haus im Nordosten Mallorcas. „Wir geben viel Geld aus, um die Kinder dorthin zu fliegen. Ein Kind, dessen Eltern niemals einen Urlaub bezahlen könnten, kann in der Schulklasse stolz erzählen, dass es genau wie andere Kinder mit dem Flugzeug in die Ferien geflogen ist.“ Das Tabalugahaus in Dietlhofen ist das jüngste Haus. Es verfügt sogar über behindertengerechte Zimmer. Fast täglich kommt Peter Maffay hierher, auf Mallorca und in Rumänien sieht er zwei- bis dreimal im Jahr nach dem Rechten. Daneben gibt es Kooperationen mit dem Tabalugahaus in Duderstadt bei Göttingen, der Jugendpension Sidan im Zillertal sowie mit dem Segelschiff „Sir Robert Baden Powell“, das gelegentlich ermöglicht, Gruppen von Kindern für einige Tage an Bord zu bringen.

Insgesamt hat der Musiker mit seiner Stiftung unglaublichen 16.000 Kindern zu einem Urlaub fernab ihres oft frustrierenden Alltags verholfen. Nicht unerheblichen Einfluss haben darauf die Einhaltung der Zehn Gebote – und der kleine, grüne Drache Tabaluga, der untrennbar mit ihm verbunden scheint. „Tabaluga bedeutet mir sehr viel“, sagt der frischgebackene Vater. „Er steht für Respekt, Toleranz, Güte, Verlässlichkeit und Freundschaft. Er ist mehr als ein kleiner, lebendig gewordener Freund, er ist ein Mahner und ein grünes Ausrufezeichen: gebt Acht auf Eure Gedanken und auf Euer Verhalten. Denkt positiv, schenkt Vertrauen, respektiert einander und nehmt Rücksicht aufeinander. Er lebt all die Werte, die auch in unserem Leben verbindlich sein sollten.“ 

Fakten

Peter Maffay trägt eigentlich immer Lederjacke, im Hochsommer wie im tiefsten Winter. Aber nicht immer dieselbe – er hat sieben Stück. Seine große Leidenschaft sind deshalb auch Motorräder. Davon besitzt er aber nur ein einziges. Doch die Vernunft rät ihm zum Mountainbike. Das ist gesünder, besser für die Umwelt und macht – wie die Musik – immensen Spaß.

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Journalist

Katja Deutsch

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