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Das Munevo-Team (v. l.): Aashish Trivedi (24), Konstantin Madaus (28), Deepesh Pandey (26) und Claudiu Leverenz (28) UNTERNEHMERTUM

Einfach nicken und losfahren

Die Gründer von Munevo wollen Rollstuhlfahrern dank einer neuen Technologie ein selbstbestimmtes und mobiles Leben ermöglichen.

Man erfährt in den Bereichen Produkt-entwicklung und Finanzierung viel Unterstützung.

Viele Menschen sind auf einen Rollstuhl angewiesen. Ein Großteil von ihnen ist nicht in der Lage, diesen mit den Händen zu bewegen. Die Betroffenen müssen sich daher auf die Hilfe anderer Menschen beziehungsweise auf teure, oftmals unkomfortable Spezialsteuerungen verlassen. „Wir glauben fest daran, dass wir den behinderten Menschen mit der von uns entwickelten Smart Glass Applikation Mobilität und Selbstständigkeit zurückgeben können“, sagt Konstantin Madaus, einer von vier Gründern des Münchener Startups Munevo. Das im März dieses Jahres gegründete Unternehmen, das ursprünglich unter dem Projektnamen Glasschair arbeitete, hat mit Munevo Drive eine Sondersteuerung entwickelt, die im Gegensatz zu etablierten, meist rein mechanischen Steuerungen erstmals Kopfbewegungen und Sprachbefehle mithilfe einer Smartglass erfasst. Smartglasses sind Datenbrillen, die sowohl mit Sensoren als auch einem Display und einer Kamera ausgestattet sind. Munevo Drive beinhaltet eine Applikation für Smartglasses, die sich an die Gesten, die Betroffene als Steuerungssignale ausüben möchten und können, anpassen lässt. Ein Adapter, der als Schnittstelle für die Signalübertragung zum Rollstuhl zum Einsatz kommt, kann einfach an die gängigen elektrischen Rollstuhl-Modelle angeschlossen werden.

Die Idee für das wegweisende Produkt entstand 2015 im Rahmen eines Wirtschaftsinformatik-Kurses an der TU München. „Aufgrund des positiven Feedbacks ging es dann rasend schnell voran“, berichtet Madaus. Seit Juli 2016 wird das Gründerteam durch das EXIST-Gründerstipendium gefördert. Angebote der UnternehmerTUM, beispielsweise Inkubatorprogramme wie Kickstart oder Xpreneurs halfen bei der Entwicklung des Businessmodells. Dazu kam die Möglichkeit, in den kostenfreien Büroflächen im Entrepreneurship Center auf dem Forschungscampus in München-Garching effektiv zu arbeiten. „Dort ist die Stimmung großartig und inspirierend. Man erfährt in den Bereichen Produktentwicklung und Finanzierung viel Unterstützung durch die Gründungsberater, und alle helfen und tauschen sich gegenseitig aus“, freut sich der Gründer. Direkt an den Inkubator angegliedert ist die 1500 Quadratmeter große Hightech-Prototypenwerkstatt MakerSpace: Ein Paradies für Bauer und Bastler sei diese, schwärmt der Maschinenbauingenieur.

Das schöne und bei Weitem nicht so hektische München sei ein idealer Standort für Existenzgründer, finden die vier jungen Macher von Munevo. Denn hier passiere unglaublich viel im Startup-Bereich und es gebe unzählige engagierte Menschen und Institutionen, die Gründer voranbringen wollen.

Munevo befindet sich jetzt auf der Zielgeraden. Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres soll ihre innovative Steuerungslösung über Sanitätshäuser in den Vertrieb kommen und zum Alltagsassistenten von vielen tausend Rollstuhlfahrern werden – ob zum Navigieren, Telefonieren, Fotografieren oder für Smart-Home-Anwendungen. „Hinter uns liegen viel Arbeit und ein langer Weg, den wir ohne die tatkräftige finanzielle und moralische Unterstützung wahrscheinlich nicht hätten gehen können“, bilanziert Konstantin Madaus, der ursprünglich nicht geplant hatte, Unternehmer zu werden. Jetzt heißt es: Daumen drücken, damit das Business von Munevo ins Rollen kommt!

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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