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Professor Exner ist Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Infektiologie und Infektionsschutz der Universität Bonn BILDUNG & KARRIERE

Permanente Sicherung der Hygiene ist eine Herausforderung für alle Beteiligten

Professor Exner ist Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Infektiologie und Infektionsschutz der Universität Bonn und hat sich seine ganze berufliche Karriere hindurch mit dem Thema Hygiene beschäftigt.

Es gibt immer wieder Meldungen über gefährliche Krankenhauskeime und Antibiotikaresistenzen. Wo stehen wir in Deutschland heute mit diesem Thema?

Nun, in der Hygiene ist in Deutschland sehr viel passiert. Denken Sie nur an das Verschwinden der Cholera, die noch Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg 17 000 Menschen infizierte, von denen die Hälfte sterben mussten. Diese Zeiten sind dank sehr strenger Hygienerichtlinien in vielen Bereichen, sei es beim Trinkwasser oder bei der Verarbeitung von Lebensmitteln, vorbei. Diese Entwicklung hat der bundesrepublikanischen Bevölkerung eine durchschnittliche Erhöhung des Lebensalters ermöglicht. Dieser demografische Wandel und die älter werdende Gesellschaft stellt allerdings auch eine neue Herausforderung an uns als Hygieniker dar.

Was sehen Sie als die neuen Herausforderungen?

Älter werdende Menschen sind natürlich im hohen Alter anfälliger für Infektionen durch Erreger wie Bakterien. Hier müssen wir gerade dann, wenn diese Menschen sowieso schon geschwächt in Krankenhäuser kommen – oder aber beispielsweise auch in Pflegeheimen betreut werden – besondere Umsicht walten lassen, die dann gefährdet ist, wenn die Basishygieneanforderungen aus welchen Gründen nicht umgesetzt werden bzw. umgesetzt werden können. Hier finden die sogenannten fakultativ-pathogenen Erreger, die auf einen ohnehin schon geschwächten Immunstatus treffen, natürlich beste Voraussetzungen. 

Darum bedarf es besonderer Hygieneaufwendungen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und in Arztpraxen?

Ja, genau. Bei der Patientenversorgung muss die Basishygiene permanent gewährleistet sein. Dies gilt insbesondere dort, wo ein hohes Infektionsrisiko besteht.

Hygienestandards einzuhalten erfordert aber Personal.

Der Zusammenhang zwischen mangelnden Hygienestandards und dem Auftreten nosokomialer Infektionen, also Infektionen, die sich der Patient im Krankenhaus, in der Pflegeeinrichtung oder Arztpraxis zugezogen hat, ist mehrfach durch Studien belegt worden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine ausreichende Anzahl an Pflegepersonal das Risiko dieser Infektionen deutlich senkt. Doch wir beobachten das Gegenteil: Vielfach werden aufgrund des Personalmangels Arbeitsabläufe noch weiter gestrafft. Das führt zu erheblichen Risiken, wenn die Beschäftigten im Krankenhaus die hohen Anforderungen der Hygiene nicht mehr ausreichend umsetzen können. Zudem mangelt es nach wie vor an der Ausbildung …

… zum Thema Hygiene?

Im Medizinstudium wird den angehenden Medizinern moderne Hygiene und besonders die Krankenhaushygiene oft nicht im erforderlichen Umfang vermittelt. Durch die Ausdünnung der Hygienelehrstühle an den Universitäten wurde die Weiterqualifizierung und vor allem auch die Verfügbarkeit von Dozenten stark eingeschränkt.

In der Weiterbildung hat sich die Situation unter anderem aufgrund neuer rechtlicher Vorgaben allerdings verbessert. Zudem gibt es in Deutschland ein gutes Regelwerk, die KRINKO-Richtlinien der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut, in denen festgeschrieben ist, welche Hygienemaßnahmen umzusetzen sind.

Sind die Richtlinien denn so ausgelegt, dass zum Beispiel antibiotikaresistente Keime dadurch erkannt, erfasst und vor allem durch Hygienemaßnahmen isoliert und bekämpft werden können?

Wir haben in Deutschland hier sogar noch eine komfortable Situation: Wir isolieren hier in der Tat Menschen, die diese antibiotikaresistenten Keime in sich tragen. Es gibt Länder, da hat die Zahl der Träger von multiresistenten Keimen so zugenommen, dass nicht mehr deren Träger, sondern vor allem die Nichtträger isoliert werden. Allerdings liegt auch für uns eine große Herausforderung darin, dass nicht nur im Krankenhausumfeld immer mehr multiresistente Erreger auftauchen. Früher hätte man gesagt „Ach, dann entwickeln wir mal schnell ein neues Antibiotikum“, doch bei einer Milliarde Euro und mehr Entwicklungskosten ist das nicht ganz so einfach, zumal sich die Erreger immer schneller an bislang wirksame und übliche Antibiotika anpassen. Ebenso wichtig wie auf die Bekämpfung zu setzen, ist es, die richtigen Präventionsstrategien anzuwenden.

Fakten

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Martin Exner ist Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Infektiologie und Infektionsschutz der Universität Bonn, WHO CC (Health Promoting Water Management and Risk Communication) und wurde geboren am 10. April 1951. Nach seinem Studium der Medizin an der Medizinischen Fakultät in Bonn war er zunächst wissenschaftlicher Assistent am Institut für Hygiene, bevor er zwischen 1986 und 1988 Leiter der Abteilung Seuchen- und Umwelthygiene am Gesundheitsamt der Stadt Köln war. Von 1988 bis 1994 war Professor Exner Geschäftsführender Direktor am Hygiene-Institut des Ruhrgebiets zu Gelsenkirchen und ist seit 1994 Ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Universität Bonn. Exner hat unter anderem maßgeblich an der Etablierung des Master-of-Science-Studienganges „Global Health – Risk Management and Hygiene Policies“ an der Universität Bonn mitgewirkt.

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Journalist

Frank Tetzel

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