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Die Party ist vorbei: Langfristig sinkende Kaufpreise in deutschen Metropolen

Er ist bekannt für seine pointierten Ausführungen, der Vorstand des Empirica Institutes in Berlin und Immobilienweise Professor Harald Simons. Als Mitglied im Zentralen Immobilienausschuss (ZIA) beurteilt der Sachverständige zusammen mit Prof. Dr. Lars Feld, Andreas Schulten und Sebastian Müller in einer Frühjahrsprognose die Entwicklung auf den deutschen Immobilienmärkten. Wir sprachen mit Professor Harald Simons über Kaufpreise und Mieten auf dem Immobilienmarkt, vor allem in den Großstädten und Metropolen.

Ich sehe in den kommenden Jahren eine Preiskorrektur nach unten. Dies wird vor allem dort passieren, wo die Preise deutlich schneller gestiegen sind als die Mieten.


Professor Harald Simons, Vorstand des Empirica Institutes in Berlin und Immobilienweise, Foto: Pressefoto

Herr Professor Simons, die Mieten, aber auch die Kaufpreise in den Metropolen scheinen nur eine Tendenz zu kennen, nämlich nach oben. Das Frühjahrsgutachten des ZIA berichtet von Mieten, die im Schnitt um 4,3 Prozent höher und Kaufpreisen, die um 7,9 Prozent gestiegen sind. Wird diese Entwicklung immer weitergehen?

Professor Simons: Nein, das wird sie nicht. Insbesondere den beiden großen Metropolen Berlin und München, in denen wir in den vergangenen Jahren einen sehr heftigen Preisanstieg bei Mieten und Kaufpreisen erlebt haben, wird es nicht so weitergehen. Die Party ist vorbei, das habe ich im vergangenen Jahr schon gesagt. 

Das ist kaum zu glauben, wenn man sieht, wie sich die Kaufpreise in München und Berlin entwickeln, ganz zu schweigen von den Mieten …

Und genau das ist auch der Grund: Die Preisentwicklung würgt den Zuzug ab. Die jungen 20- bis 30-Jährigen bleiben weg, weil Berlin oder München schlicht zu teuer sind und ziehen in andere Städte wie Leipzig oder Erlangen. Aber es kommen auch andere Gründe dazu wie z. B. der der Rückgang der Zuwanderungszahlen, beispielsweise aus internationalen Krisengebieten oder aus der EU. In München und Berlin wächst die Bevölkerung nur noch um ein Prozent oder weniger. Hinzu kommt, dass in Berlin derzeit stark gebaut wird, sodass jährlich etwa 16 000 bis 18 000 neue Wohnungen auf den Markt kommen. Und dies wird weiter anhalten.

Was bedeutet das für die Preise im Immobilienbereich?

Ich sehe in den kommenden Jahren eine Preiskorrektur nach unten. Dies wird vor allem dort passieren, wo die Preise deutlich schneller gestiegen sind als die Mieten. Ich gehe davon aus, dass dies beispielsweise in Berlin und München real zwischen 25 und 30 Prozent sein werden. 

Was raten Sie einer vierköpfigen Familie mit zwei kleinen Kindern, die heute in einer Drei-Zimmer-Wohnung lebt? Abwarten oder jetzt kaufen?

Die meisten Familien, die in engen Lebensverhältnissen wohnen, können nicht warten – die Kinder werden älter. Denen rate ich, auch jetzt noch – bei niedrigen Zinsen – zu kaufen. Denn selbstgenutzter Wohnraum für eine Familie ist ja etwas grundsätzlich anderes als eine Immobilie als Anlage- und Investitionsobjekt.

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Journalist

Frank Tetzel

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