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Holger Scholze, TV-Börsenkorrespondent & Moderator (www.holger-scholze.de INVESTMENTS

Investieren statt sparen

Interview mit TV-Börsenexperte Holger Scholze über ratsame Geldanlagen, heiße Wertpapiere und die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Börsencrashs.

Je mehr über einen bevorstehenden Crash diskutiert wird, umso unwahrscheinlicher ist er.

Renditestarke, sichere Geldanlage – gibt es die überhaupt?

Schon Albert Einstein sagte: „Alles ist relativ“. Es hängt zunächst davon ab, was Sie unter „renditestark“ verstehen. Derzeit bekommen Sie auf Fest- und Tagesgeldkonten fast gar nichts. Dabei sind diese Sparformen bei deutschen Privatanlegern besonders beliebt. Unter Berücksichtigung der Inflation verliert das Geld der Anleger hier aktuell sogar an Wert. Somit ist es auch nicht sicher, wie vermutlich 85 Prozent der Deutschen glauben. Um das Vermögen wenigstens im Wert zu erhalten oder zu steigern, ist es momentan unumgänglich, gewisse Risiken einzugehen. Hier gibt es jedoch eine riesige Palette an Möglichkeiten, damit sich ein Anleger entsprechend seinen persönlichen Vorstellungen wohlfühlen kann. Für nahezu jedes Szenario und jeden Chance-Risiko-Geschmack werden passende Produkte angeboten, auch und in besonderem Maße bei strukturierten Wertpapieren.

Die US-Wirtschaftspolitik macht Angst, die Eurozone bröckelt – auf welche Märkte setzen Sie?

Natürlich hat niemand die berühmte Glaskugel, um exakt vorhersagen zu können, wohin sich die Märkte im Einzelnen entwickeln werden. Fakt ist aber, dass es gegenseitige Abhängigkeiten, sogenannte Interdependenzen gibt. Wirtschaftsregionen sollten deshalb nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. In der Langfristperspektive bleiben die großen Industrienationen trotz der aktuell teilweise gegenläufigen Fiskalpolitik für mich weiterhin die Basis des Wertpapierdepots. Deshalb würde ich sie öbergewichten. Börsianer bezeichnen dies als „Core-Investment“. Mit aufstrebenden Staaten, den Schwellenländern, könnten sich für geneigte Anleger renditestarke Zusatzchancen ergeben. Diese würde man dann als „Satelliten“ in einem gut gestreuten Wertpapier-Portfolio bezeichnen.

Welche Wertpapier-Arten sind derzeit heiß?

Der nachhaltige Erfolg ist immer von einem Mix aus verschiedenen Anlageklassen, sogenannten Assets, geprägt. Deshalb ist es aus meiner Sicht nicht so entscheidend, welches Produkt gerade im Trend liegt. Ohnehin kann es recht gefährlich sein, einem Herdentrieb „blind“ zu folgen. Anleger sollten auch niemals ihr gesamtes Vermögen in nur ein Produkt stecken. Dabei ist es unerheblich, wie vielversprechend es gerade anmuten mag. Ich persönlich bin ein großer Freund von klassischen Bonus-Zertifikaten. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Teilschutz-Produkt auf einen bestimmten Basiswert, das eine Absicherung nach unten besitzt. Im Falle eines Crashs halten sich etwaige Verluste in Grenzen. Gleichwohl können sich interessante Renditen ergeben. Zur regelmäßigen Beimischung sind diese Wertpapiere also sehr sinnvoll.

Welchen Anlage-Mix empfehlen Sie Privatanlegern mit mittlerer Risikofreudigkeit?

Eine Mischung aus Aktien und ETFs sowie Zertifikaten zur Renditeoptimierung und Absicherung. Das alles möglichst länder- und branchenübergreifend, um die Chancen zu erhöhen und die Risiken zu verteilen.

Sind ETFs wirklich eine günstige, sichere Bank?

ETFs stehen seit einigen Jahren im Rampenlicht der Fondsindustrie. Sie sind vergleichsweise einfach zu erklären, bieten eine komfortable Möglichkeit zur Diversifikation, sind kostengünstig und verfügen über eine breite Angebotspalette. Dennoch sollten Anleger auch hier genau hinschauen und aufpassen, was sie konkret kaufen. Mitunter lassen sich für eine vergleichbare Investitionsidee nach wie vor auch Index- und Partizipations-Zertifikate finden, die entschieden günstiger sein können oder andere Vorteile bieten, wie zum Beispiel eine Absicherung gegen Währungskursschwankungen.

Sind Edelmetalle ein „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten?

Der Begriff „sicherer Hafen“ kann auch täuschen. In der Tat wurde in Krisenzeiten der Vergangenheit gerade Gold oft als Wertaufbewahrungsmittel gesucht. Dennoch gibt es hierfür keinen Automatismus. Es spricht nichts dagegen, Edelmetalle zu einer ausgewogenen Geldanlagestrategie hinzuzufügen. Jeder Anleger sollte dabei für sich selbst herausfinden, welcher Anteil sinnvoll ist. Ich persönlich halte eine Beimischung von fünf bis maximal zehn Prozent für vollkommen ausreichend. Schließlich soll auch hier kein „Klumpenrisiko“ gebildet werden – in diesem Fall wäre es ja sogar ein „Goldklumpenrisiko“ (lacht). Als Instrumente gäbe es neben dem physischen Investment zum Beispiel die Möglichkeit, sich an börsengehandelten Gold-ETCs zu beteiligen oder Partizipations- bzw. währungsgesicherte Quanto-Zertifikate zu erwerben.

Kommt es 2018 zum Börsencrash?

Das ist die „Eine-Million-Dollar-Frage“, auf die wohl niemand eine seriöse Antwort geben kann. Wirklich heftige Korrekturen kündigen sich selten an, sie kommen überraschend. Je mehr über einen bevorstehenden Crash diskutiert wird, umso unwahrscheinlicher ist er. Hier ist die Börsenstimmung, das sogenannte Sentiment, sehr wichtig. Überhitzungen werden oft durch ein reinigendes Gewitter abgebaut. Und das kann im Interesse einer langfristig positiven Wertentwicklung durchaus gesund sein. Ich rechne in diesem Jahr mit größeren Schwankungen als 2017. Hierbei das richtige „Timing“ zu erwischen, ist auch für eingefleischte Profis eine besondere Herausforderung. Historisch betrachtet spielt es allerdings keine so große Rolle, ob und wann eine stärkere Marktbewegung erfolgt. Ein langfristiger Anlagehorizont verspricht ohnehin den größten Erfolg. Vor allem dann, wenn man Geld investiert, das gerade nicht für andere Dinge benötigt wird.

Fakten

Wertpapier-Arten

Aktien: Anteile an Unternehmen
Anleihen: Schuldverschreibungen von Staaten oder Unternehmen
Verbriefte Derivate: Optionsscheine und Zertifikate
Investmentfonds: Bündel mehrerer Einzelwerte
Exchange Traded Products (ETP): Börsengehandelte Indexfonds (ETF) und Rohstofffonds (ETC)

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Journalist

Kirsten Schwieger

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