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Wo der Sternekoch entspannt

Sylt hat über 60 000 Gästebetten und jedes Jahr ca. 6,51 Millionen Übernachtungen. Auf der größten deutschen Insel in der Nordsee gibt es ein großes gastronomisches Angebot; vier Restaurants haben Sterne im Guide Michelin.

Ein Bänkchen am Wattenmeer in Morsum – das ist mein Premiumplatz auf der Insel.

Seit 20 Jahren ist Johannes King jetzt schon auf Sylt. Sein Restaurant, der Söl’ring Hof, mit zwei Sternen im aktuellen Guide Michelin bewertet, liegt südlich von Westerland. Von der Terrasse können die Besucher im eigenen Strandkorb auf die Nordsee blicken und sich kulinarisch verwöhnen lassen. Hier kommen Gemüse, Fisch und Kräuter aus der Umgebung frisch auf den Tisch. Und wenn die Sylter einmal einen besonderen Fisch gefangen haben, greifen Sie zum Telefon, damit Johannes King in seiner offenen Landhausküche ein leckeres Gericht daraus zaubern kann.

Sternekoch zu sein bedeutet Stress rund um die Uhr. Und doch gibt auf der Urlaubsinsel so einige Plätze, wo auch Johannes King entspannen und abschalten kann. „Da ist das Bänkchen am Wattenmeer in Morsum auf dem Deich mit dem Blick auf Föhr am Horizont. Das ist für mich so ein Premiumplatz, wenn mich mal alle gernhaben können. Aber auch wenn ich einfach mal die Seele baumeln lassen möchte.“

Foto: Boris Breuer Fotografie

Mit seinem E-Bike radelt Johannes King dann über die kleinen Straßen mit friesischen Namen zu seinem „Hip Place“ auf Sylt. „Morsum ist der meist unterschätze Ort auf der Insel, es ist sehr dörflich. Hier gibt es noch Gehöfte und tatsächlich auch Landwirtschaft. Hier kann ich wirklich ungeahnte Blicke über das Wattenmeer genießen.“

Sein zweiter Tipp für Sylt-Urlauber ist der Höhenweg von der Sturmhaube in Kampen, oben auf dem Kliff, bis nach Weningstedt. „Kaum einer kennt diesen Weg, nur ganz wenige Menschen sind hier unterwegs. Überall kann man mal runter an den Strand, dazu das grandiose rote Kliff und dahinter die Heidelandschaft mit den hohen Dünen. Den Weg muss man einfach mal gelaufen sein“, meint der Sternekoch.

Johannes King sagt von sich selbst: „Ich bin ein Süßmaul.“ Und deswegen empfiehlt er jedem Besucher die kleine Teestube in Keitum. „Hier gibt es den weltbesten Kuchen in einer tollen Location, das ist für mich Sylt pur. Ein guter Service, ein toller Garten und einfach sauleckerer Kuchen.“


Foto: Boris Breuer Fotografie

Natürlich hat der Sternekoch auch noch einen Tipp für das Herzhafte. „Ganz weit draußen, das Landhaus Severin. Bei einem Fläschen Riesling sitzen, mein Kollege Frank Zink macht eine tolle und kreative Küche. Das ist für mich ein besonderer Platz.“

Überhaupt liebt Johannes King die Insel Sylt. Im Augenblick kann er sich nicht vorstellen, woanders zu leben und zu kochen. „Ich wollte immer nach Schottland und dort das ‚King’s Castle‘ eröffnen, doch das habe ich jetzt hier auf dieser tollen Insel gefunden. Ich werde bestimmt noch eine ganze Zeit hierbleiben. Es ist ein wunderbarer Lebensmittelpunkt, den möchte ich mit nichts im Augenblick eintauschen.“

Nur eines konnte Johannes King noch nicht finden – das beste typische Rezept der Insel. „Ich habe bestimmt alle friesischen Rezepte studiert, da gibt es leider nicht viel. Das waren früher arme Leute und da gab es Hering und Kartoffeln. Aber natürlich habe ich ein weltbestes Sylter Rezept kreiert. Das sind die gebackenen Sylter Royal-Austern auf Champagnerkraut. Das ist mein Hit.“

Die gibt es allerdings nur im Söl’ring Hof zu genießen. Ein Muss für jeden Besucher auf Sylt.

Fakten

Johannes King ist der einzige Zweisternekoch auf Sylt. Im Söl’ring Hof verteidigte er seine gastronomische Auszeichnung auch im Guide Michelin 2018 sehr souverän. Zwei weitere Köche dürfen sich auf der Insel ebenfalls mit einem Stern schmücken. Auch wenn es früher mehr Sterne für die Insel waren (2013: 10 Sterne) – das gastronomische Angebot auf Sylt ist weiter erste Klasse.

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Journalist

Jörg Wernien

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