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Maria Piechnick gründete das Startup „Wandelbots“ zusammen mit ihrem Mann Christian und den Kommilitonen Georg Püschel, Jan Falkenberg, Sebastian Werner, Frank Fitzek und Giang Nguyen. UNTERNEHMERTUM

Die Programmier-Jacke und die umfassende Mitarbeiter-App

Warum sollte das, was bei Animationsfilmen schon lange geht, nicht auch ganz praktisch bei Robotern gehen? 

Um beispielsweise in einem Film einer Gieskanne realistische menschliche Züge und Regungen zu verpassen, werden schon seit über 20 Jahren kleine „Tracking“-Sensoren auf ein echtes menschliches Gesicht geklebt um die Mimik auf das Objekt, die Gieskanne, zu übertragen. 

Maria Piechnick arbeitete an ihrer Doktorarbeit zum Thema Wearables an der Technischen Universität Dresden, als ihr die Idee kam, ähnliche Sensoren in Bekleidung zu nähen, um damit Bewegungen vorzugeben, die in ihrer Abfolge auf einen Roboter übertragen werden. Zusammen mit ihrem Mann Christian und den Kommilitonen Georg Püschel, Jan Falkenberg, Sebastian Werner, Frank Fitzek und Giang Nguyen gründete sie das Startup „Wandelbots“, das seit dem 1. Januar 2018 als eigenständiges Unternehmen voll durchstartet und weltweit Aufmerksamkeit erregt. 

Die Idee ist so einfach wie genial und könnte stupide und gefährliche, immergleiche Arbeitsabläufe auf der ganzen Welt verändern. Zieht ein Mitarbeiter eine von Wandelbots präparierte Jacke und den ebenfalls präparierten Handschuh an und führt die geforderte Armbewegung oder den geforderten Griff aus, dann übertragen die an allen Gelenken eingenähten, etwa einen Kubikzentimeter großen Sensoren seine Bewegungen direkt auf einen Roboterarm, der diese Bewegung „lernt“. Im Dresdener Büro befinden sich mehrere Prototypen an Armen, an denen das Entwicklungsteam die Abläufe samt zugehöriger Software testet. 

„Der Roboterarm hat viel mehr Bewegungsfreiheit als ein menschlicher Arm“, sagt Christian. „Die Bewegungen werden also nicht genau 1:1 ausgeführt sondern übersetzt. Je nach Komplexität muss die Bewegung ein paar Mal vorgemacht werden. Die Software generiert dann automatisch das passende Programm dazu.“ 

Der Ansatz, eine Jacke zum Programmieren von Arbeitsabläufen einzusetzen, ist im industriellen Umfeld revolutionär. „Wir reden hier von einem Speedup in der Programmierung mit Faktor 50 – mit unserer Jacke zu programmieren geht also 50 Mal schneller als eine klassische Programmierung“, so Christian. Einmal programmiert, arbeitet der Roboter alleine. VW in der Manufaktur Dresden erprobt die Sensorjacken bereits, weltweit haben Unternehmen ihr großes Interesse signalisiert, sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sie auf ihrem Messestand besucht. „Überall setzen Mittelständler nur deshalb keine Roboter ein, weil deren Programmierung so teuer und aufwändig ist. Genau diese wollen wir ansprechen.“ Doch Angst einjagen muss die durchdachte Erfindung niemandem: Roboter sind weder kreativ noch können sie selber Probleme lösen. Dazu wird man immer Menschen brauchen. 


Dr. Martin Böhringer, Mitbegründer von Staffbase, Foto: Dirk Hanus 

Und diese Menschen, die Mitarbeiter, muss man erreichen können. Denn Mitarbeiter, die sich wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen, sind nicht nur gesünder und glücklicher, sie sind das wichtigste Kapital eines jeden Unternehmens. Frank Wolf entwickelte jahrelang Intranetprojekte für Unternehmen und bemerkte immer wieder, dass im Intranet veröffentlichte Informationen bei weitem nicht alle Menschen im Unternehmen erreichen, sondern nur Angestellte mit PC-Arbeitsplatz.

Um unter anderem auch Berufsgruppen wie Schichtarbeiter, Paketzusteller, Verkäufer und Fahrer ansprechen zu können, gründete er zusammen mit dem promovierten Betriebswirtschaftswissenschaftler Lutz Gerlach und dem promovierten Wirtschaftsingenieur Martin Böhringer in Chemnitz das Startup Staffbase, das speziell konfigurierte Mitarbeiter-Apps entwickelt. Im Gegensatz zum Intranet wird die Mitarbeiter-App von Staffbase auf das private Smartphone geladen und ist jederzeit nutzbar. Es vereint viele Features und Bereiche, die bisher entweder gar nicht oder aber auf vielen verschiedenen Wegen kommuniziert wurden. „Das verbindende Element ist dabei, wirklich jeden einzelnen Mitarbeiter erreichen und Wert schätzen zu können“, sagt Dr. Martin Böhringer. „Die Entscheidung, unsere App einzuführen, wird dabei immer vom Vorstand getroffen. Ziel sind Mitarbeiterzufriedenheit und Employer Engagement. Jeder einzelne soll wissen, warum es sein Unternehmen gibt und wie wichtig der Beitrag ist, den man als Mitarbeiter jeden Tag leistet.“ Die Mitarbeiter sollten einen gewissen Stolz fühlen bei dem, was sie tun – denn viele wüssten gar nicht, was sie alles leisteten. 

Um tatsächlich genutzt zu werden, muss eine App greifbare Vorteile bieten: „Ihren Schichtplan sehen viele Menschen nach wie vor oft nur am Ende des Monats als Aushang in der Zentrale. Indem ich ihnen diesen genauso wie beispielsweise den Urlaubsplan auf ihr Smartphone schicke, schaffe ich echten Mehrwert“, so Dr. Böhringer. „Auch eine Krankmeldung können sie nun einfach abfotografiert via Smartphone über die App an die Personalabteilung schicken. Für viele Berufstätige ist unsere App das erste Mal überhaupt, dass sie digitalen Zugang zum Unternehmen erhalten.“ Doch Staffbase denkt und geht viel weiter und entwicklt Plugins für alle Kommunikations- und Mitarbeiterbedürfnisse. Unternehmensnachrichten, Mitarbeiterverzeichnisse, Zeiterfassung, Chats, Kalender, Speisepläne und sogar Umfragen gehören zu den Features, sämtliche bereits bestehende Informationskanäle werden dabei von Staffbase in die App integriert – auch in anderen Sprachen. „Wir bieten unsere Mitarbeiter-App ab einer Unternehmensgröße von 300 Mitarbeitern an, interessant wird es ab 1.000 Mitarbeitern“, so Dr. Böhringer. Das hat sich nicht nur in Chemnitz herumgesprochen, sondern mittlerweile weltweit: Über 200 Großkunden aus Deutschland, den USA, Japan, Russland und Indien haben Staffbase bereits eingeführt und freuen sich über eine Durchdringung von 50 bis 90 Prozent.

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Journalist

Katja Deutsch

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