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Gezielt erhitzen

Michaela Wachtel ist Head of Operations and Marketing bei dem sächsischen Startup-Unternehmen Watttron GmbH.

Worin liegen die Vorteile Ihrer patentierten Technologie von Heizsystemen?

Wachtel: Im Thermoformverfahren werden unzählige Produkte, u. a. Verpackungen, Blister, Autoverkleidungen und Kühlschränke, hergestellt. Dabei werden Kunststofffolien erhitzt und anschließend mittels Druckluft in ein Formwerkzeug ausgeformt. Auf diese Weise entstehen z. B. Joghurtbecher und Blisterverpackungen für Pralinen oder Rasierklingen. Heutzutage werden diese Folien mit gleichmäßig erhitzenden Heizplatten erwärmt. Dadurch verteilt sich aber das Material der Kunststofffolie im Formprozess sehr unterschiedlich. Mit unserem innovativen Heizsystem kann die Folie im Erwärmungsprozess gezielt ungleichmäßig erwärmt werden. Stellen, die stärker als im Standardprozess verformt werden sollen, können nun höher erhitzt werden und das Material wird dort weicher, während Bereiche, die nicht oder wenig verformt werden sollen, auch nur wenig erwärmt werden und damit fester sind. Durch die heterogene Erwärmung des Ausgangsmaterials wird der Ausformprozess deutlich optimiert und es entsteht eine homogenere Verteilung des Materials. Das Heizsystem findet nicht nur in der Verpackungsindustrie Anwendung. Inzwischen gibt es auch Anfragen aus der Medizintechnik, Automobilindustrie, Mikroelektronik oder Chemie. Tatsächlich kann es überall dort sinnvoll eingesetzt werden, wo zeitlich und örtlich definierte und präzise Wärme benötigt wird.

Welches waren die größten Schwierigkeiten in der Anfangsphase, Ihre Produkte auf dem Markt zu platzieren?

Wachtel: Am Anfang sind wir davon ausgegangen, dass wir hauptsächlich diejenigen überzeugen müssen, die unser Heizsystem in ihre Maschinen einbauen sollen – also die Verpackungsmaschinenhersteller. Wir haben jedoch sehr schnell gemerkt, dass wir zuerst mit den Endkunden reden müssen – also denjenigen, die direkten Nutzen aus den Material- und Energieeinsparungen ziehen können. Das sind in unserem Fall z. B. Lebensmittelproduzenten, die ihre Produkte selbst verpacken und direkt von den eingesparten Materialkosten profitieren.

Welche Hilfe haben Sie durch Wirtschaftsförderungen, Beratungen und Innovationsplattformen erhalten?

Wachtel: Wir haben über das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine EXIST-Forschungstransferförderung erhalten. Dies war essenziell, um den Sprung von der Wissenschaft in die Industrie zu schaffen. Wichtig waren und sind für uns aber auch lokale Netzwerke in Dresden, besonders die finanziellen Fördermöglichkeiten, die der Freistaat Sachsen gerade für kleine, technologieorientierte Unternehmen bietet.

Warum haben Sie Freital in Sachsen als Firmenheimat gewählt?

Wachtel: Unser Startup ist eine Ausgründung aus der TU Dresden und dem Fraunhofer IVV in Dresden. Es war daher naheliegend, einen Standort in Dresden oder der näheren Umgebung zu suchen, um den Kontakt zu den Forschungseinrichtungen zu halten.

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Journalist

Helmut Peters

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