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Michael Benz (mitte) und seine Partner Ronald Scholz (links) und Pouyan Rafiei Ford (rechts) UNTERNEHMERTUM

Anonym bewerben und den Traumjob finden

Mit ihrem Startup „whyappley“ revolutionieren Gründer Michael Benz und seine Partner sowohl die Suche nach einem Mitarbeiter wie auch die Suche nach einemneuen Job.

Mit Vielem, aber ganz gewiss nicht damit hat Michael Benz rechnen können. Ausgerechnet sein Studium der Islamwissenschaft hat ihn sozusagen auf die Rampe für sein Startup in Leipzig geschoben. Es war allerdings ein Umweg, der zur Gründung seiner Internet-Plattform „whyapply“ führte. Nach Absagen und frustrierenden Bewerbungsverfahren hat der 32-Jährige gemeinsam mit zwei Partnern eine neue hoffnungsvolle Lösung kreiert.

Es begann mit seinen schriftlichen Bemühungen um eine neue berufliche Zukunft. „Bei vielen Standard-Bewerbungen war mein exotischer Studiengang trotz der richtigen Berufserfahrung eher hinderlich“, bekräftigt Michael Benz. „Mir wurde klar, ich bin nicht der Einzige, der an diesen standardisierten Prozessen scheitert.“ 

In Personalabteilungen sind viele Prozesse standardisiert. Vieles derart, dass Konzerne die ersten Vorgespräche schon von Robotern führen lassen. Menschen mit ungeraden Erwerbsbiografien finden dadurch weniger Berücksichtigung. Hinzu kommen unterbewusste Vorurteile bei der Personalauswahl. Ob Alter, Geschlecht, Aussehen, Kinderwunsch oder Migrationshintergrund. 

„Für Firmen, die ja oft dringend neue Mitarbeiter suchen, stellt sich noch eine andere Schwierigkeit“, erläutert Michael Benz. „Unsere Arbeitswelt verändert sich so rasant, dass es immer schwieriger wird, mit standardisierten Stellen-Ausschreibungen überhaupt die berufliche Realität abzubilden. Und mit gängigen Schlagworten wie  `dynamisches Team` oder `flache Strukturen` kann man niemanden mehr überzeugen, das im neuen Job spannende Aufgaben auf ihn warten.“

Die radikale Veränderung, die Michael Benz und seine Partner in Leipzig entwickelt haben, heißt „Recruiting ohne Stellenanzeige“. Oder emotionaler: „Klarer ehrlicher und offener auf einander zugehen und die Herausforderung im neuen Job in den Mittelpunkt stellen. Und das ganz ohne Stellenanzeige.“

Firmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sind die Kunden von whyapply. Und die bewerben sich sozusagen bei den Bewerbern. „Und zwar in dem sie für den Job, den sie besetzen wollen, genaue interessante und reale Aufgaben stellen“, erläutert Michael Benz, der Gründer seiner Vision. „Wer sich von den Jobsuchenden davon angesprochen fühlt, reicht über uns konkrete, praktische Lösungsvorschläge ein. Er signalisiert damit auch, ich kenne mich auf diesem Gebiet aus und habe hier Erfahrungen und Ideen. Wir leiten seine Ideen an die Personalabteilung weiter. Aber im ersten Schritt noch anonym. Die Firma erfährt nicht, ob der Lösungsansatz von einer Frau oder von einem Mann kommt. Oder welchen Berufsweg der Interessierte bisher hat. Wenn die Idee überzeugt, kann das Unternehmen das Profil des Kandidaten und dessen Kontaktdaten anfordern.“ Für die Unternehmen heißt das: „Zeige wie interessant und abwechslungsreich die Aufgabe ist, die du zu bieten hast und du findest den motivierten Mitarbeiter“. Für den Suchenden heißt das: „Zeige, was du kannst und finde deinen Traumjob“.

Mit ihrer Revolution für den boomenden Stellenmarkt sind Michael Benz und seine Partner seit fünf Monaten online. „Wir haben rund 20 Kunden, Firmen von fünf bis 1500 Mitarbeitern“, kann der studierte Islam-Wissenschaftler verkünden. „Es gibt viel zu tun – denn wir wachsen.“

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Journalist

Norbert Scheid

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