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Intoleranzen & Unverträglichkeiten

Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall – ist es eine Unverträglichkeit? Treten die Beschwerden häufig auf, sollten Sie sich testen lassen

Laktoseintoleranz

Laktoseintoleranz tritt meistens im Jugend- und Erwachsenenalter auf, wenn sich der Darm umstellt. Nimmt man mehr Milchzucker auf, als die Laktase spalten kann, bleibt Milchzucker im Darm und kann Beschwerden wie starke Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen, aber auch Verstopfung. Laktose ist in allen Milchprodukten enthalten, oftmals auch in Wurst- und Backwaren. Parmesan und andere Käsesorten mit langem Reifeprozess wie alter Gouda enthalten keine Laktose mehr und werden meist gut vertragen. Käse, Joghurt, Sahne und Milch werden mittlerweile auch in Supermärkten ausreichend laktosefrei angeboten. Übrigens enthalten auch Ziegen-, Schafs- und Stutenmilch Laktose und in Kondensmilch ist ihr Anteil sogar doppelt so hoch wie in handelsüblicher Kuhmilch. Alternativ können bei Unverträglichkeiten Reismilch, Sojamilch oder Hafermilch verwendet werden. Besonders letztgenannte wird auch zunehmend in der Gastronomie angeboten. Wer auf tierische Milchprodukte komplett verzichtet, sollte auf ausreichende Kalziumversorgung achten. Tabletten mit dem Enzym Laktase können der Unverträglichkeit entgegenwirken, in Studien nachgewiesen ist der Effekt bisher jedoch nicht.

 


Foto: Stefano Alemani, Unsplash

Fruktose-Unverträglichkeit

Geschätzt leiden über 80 Prozent der Patienten mit Laktoseintoleranz gleichzeitig an einer Fruktoseintoleranz. Die Symptome sind sehr ähnlich. Fruktoseintoleranz erhöht das Risiko einer depressiven Erkrankung, was wahrscheinlich mit einem Tryptophanmangel zu tun hat. Aus der Aminosäure Tryptophan wird Serotonin hergestellt, ein Mangel erhöht den Hunger auf Süßes. Nehmen Betroffene statt Haushaltszucker jedoch Fruchtzucker zu sich, können sich die Symptome der Fruktoseintoleranz – Blähungen, Durchfall, laute Darmgeräusche, Bauchkrämpfe, Schleimauflagerung auf dem Stuhl – verstärken. Kleine Mengen an Fruchtzucker werden meistens vertragen, die Beschwerden entstehen besonders bei Fruchtsäften oder bei mit Sorbit gesüßten Getränken. Langfristig droht bei Fruktoseintoleranz Zink- und Folsäuremangel. Bei der hereditären Fruktoseintoleranz besteht dagegen ein Mangel an Enzymen und somit drohen schwerwiegende Folgen wie Übelkeit und Erbrechen, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Ohnmacht, und starke Unterzuckerung. Die genaue medizinische Abklärung ist sehr wichtig, da bei einer hereditären Fruktoseintoleranz neben dem Dünndarm auch Leber und Niere geschädigt werden können.

 


Foto: Kelsey Chance, Unsplash

Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz kann der Körper das über die Nahrung aufgenommene Histamin nicht richtig abbauen. Die Stoffwechselstörung tritt besonders häufig bei Frauen zwischen 35 und 60 Jahren auf, zeigt sich aber auch bei Kindern schon zunehmend.

Vielfach führt der verminderte Abbau von Histamin zu Hautproblemen wie zum Beispiel Nesselsucht, die sich durch Rötungen, starken Juckreiz und Quaddelbildung äußern. Auch Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel sowie Verdauungs- und Atembeschwerden bis hin zu Asthma, Müdigkeit, Schlafstörungen und Erschöpfung können Symptome einer Histaminintoleranz sein. Auf der anderen Seite zählen auch Bluthochdruck, Herzrasen und Kreislaufstörungen zu den typischen Anzeichen. Vermieden werden sollten Alkohol und hefehaltige Speisen, sowie lange gelagerte oder lang warm gehaltene Speisen (Kantinen!). Besonders viel Histamin enthält etliche Tage altes Hackfleisch, deshalb lässt man dieses am besten direkt an der Theke durch den Fleischwolf drehen und verarbeitet und verzehrt es danach so schnell wie möglich.

Fangfrischer und sofort schockgefrosteter Fisch und junger Käse enthalten nur geringe Mengen an Histamin und werden oft gut vertragen.

 


Foto: Wesual Click, Unsplash

Glutenunverträglichkeit

Zöliakie, Weizensensitivität oder Weizenallergie? Der Unterschied kann sich anhand der Dauer zwischen Glutenaufnahme und Eintreten der Symptome zeigen: Bei der Weizenallergie sind es Minuten bis Stunden, bei der Weizensensitivität Stunden bis Tage und bei der Zöliakie Wochen bis Jahre. In allen drei Fällen wird das Klebereiweiß Gluten nicht vertragen, was zu Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall und anderen Symptomen führen kann. Zöliakie ist eine entzündliche Erkrankung des Dünndarms, die durch eine fehlgeleitete Immunreaktion auf Gluten ausgelöst wird und zusätzlich zu Mangelerscheinungen wegen schlechter Nährstoffaufnahme führt. Nachgewiesen wird sie durch Antikörper im Blut und einer Biopsie der Dünndarmschleimhaut. Betroffene müssen sich lebenslang glutenfrei ernähren und folgende Getreidesorten und Produkte, die diese enthalten, strikt vermeiden: Weizen, Roggen, Dinkel, Grünkern, Gerste, Einkorn, Triticale und Emmer. Demzufolge fallen auch Brot, Nudeln, Pizza, Kuchen, Kekse, Müsli, paniertes Fleisch oder Fisch, Malzkaffe, Sojasauce und sogar Bier weg. Erlaubt sind Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Zwerghirse, Obst und Gemüse, Kartoffeln, Fleisch und Fisch, Nüsse und Öle, Eier und Milchprodukte, Kaffee, Tee, Wein und Sekt.

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Journalist

Katja Deutsch

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