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Bis aus den bitteren Kakaobohnen zartschmelzige Schokolade wird, sind viele Verarbeitungsschritte nötig. ESSEN&TRINKEN

Kostbare Kakaobohnen

Damit aus tropischen Pflanzen leckere Schokolade wird, bedarf es vieler Akteure und Prozesse. Nachhaltigkeitsinitiativen setzen sich für Anbauer und Umwelt ein.

Die Zertifikate für Schokolade aus fairem Anbau beinhalten in der Regel die Zahlung eines Kakao-Mindestpreises und einer Prämie.

Ungefähr zehn Kilo Schokolade vertilgt der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Wie gut, dass Deutschland einer der größten Kakaoverarbeiter Europas ist – und weltweit größter Schokoladenexporteur. Damit profitieren wir ordentlich vom Milliardenmarkt Kakao. 

Die kostbare Kakaobohne wurde schon von den Azteken als Zahlungsmittel genutzt. Und zur Herstellung des heiligen Xocolatl-Trunks der Maya und Azteken. Bereits deren Vorfahren bauten Kakaopflanzen in Mittelamerika, dem Ursprungsland des Kakaos an. Heute gibt es etwa 300 Kakaosorten, die alle von den beiden Hauptsorten Criollo und Forastero abstammen. Die gleichermaßen empfindlichen wie anspruchsvollen Kakaobäume wachsen nur in den Tropen, in einem schmalen Gürtel nördlich und südlich des Äquators. Der weltweit größte Kakaoproduzent ist die Elfenbeinküste, gefolgt von Ghana. Neben weiteren Anbaugebieten in Afrika, Südostasien und der Karibik kommt heute nur noch 15 Prozent der weltweiten Kakaoernte aus den Ursprungsregionen in Mittel- und Südamerika. Rund sechs Millionen Menschen arbeiten weltweit im Kakaoanbau und schaffen damit eine Lebensgrundlage für 40 Millionen Menschen. Auch heute noch wird Kakao in mühsamer Handarbeit angebaut und geerntet, zu 90 Prozent in kleinbäuerlich betriebenen Plantagen von zwei bis fünf Hektar (umgerechnet zwei bis fünf kleine Fußballfelder). Die Jahresernte eines Baumes ergibt ungefähr ein halbes Kilo Kakao. Neben einem warmen, feuchten Klima mit gleichmäßig verteiltem Niederschlag braucht der Kakaobaum ausreichend Schatten. Und künstliche Bestäubung, denn ohne diese würden nur aus fünf Prozent der Kakaoblüten reife Früchte werden. Bis es nach vier bis acht Monaten so weit ist, benötigen die eng gepflanzten Bäume jede Menge Dünger. Nach der Ernte müssen die Früchte noch einige Tage nachreifen. Dann werden sie geöffnet, um das Fruchtfleisch und bis zu 40 Kakaobohnen zu entnehmen. Die Bohnen werden anschließend fermentiert, gewaschen, getrocknet und in Säcke zum Weiterverkauf an Zwischenhändler verpackt. Diese verkaufen die rohen Kakaobohnen an Exporteure, da der Großteil der Bohnen nicht in den Anbauländern verarbeitet wird.

Bis aus den bitteren Kakaobohnen zartschmelzige Schokolade wird, sind viele Verarbeitungsschritte nötig. Zuerst werden die Bohnen von ihren Hüllen befreit und zerstoßen, geröstet und schließlich gemahlen. Aus dem Ergebnis, der Kakaomasse, wird dann Schokolade hergestellt – oder Kakaobutter oder -pulver. Zur Herstellung von Schoko-lade wird die Kakaomasse mit etwas Kakaobutter und Zucker vermischt und gewalzt. Anschließend wird die Masse conchiert, also langsam und stundenlang bei niedrigen Temperaturen gerührt.Zum Schluss wird die veredelte Schokoladenmasse zum Abkühlen in Formen gefüllt. Nach dem Verpacken wird die Schokolade an die Supermärkte geliefert und dort mit ordentlicher Gewinnspanne für Hersteller und Handel verkauft.

Bei den Kleinbauern kommt von den Gewinnen herkömmlicher Schokolade dagegen nur knapp sieben Prozent des Kakaopreises an. So liegen deren Ein-kommen weit unter der Armutsschwelle von zwei US-Dollar am Tag. Insbesondere in Westafrika herrschen schwierige soziale Bedingungen beim Kakaoanbau. In der Erntesaison können sich viele Kakaobauern keine Erntehelfer leisten, so dass ihre Kinder mithelfen müssen. Gedüngt wird oft mit billigen Chemikalien und auch giftige Pestizide sind weit verbreitet. Waldflächen werden zunehmend in landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt, zu Lasten der Biodiversität und des Klimas.

Um diese Umstände zu verbessern, wurde hierzulande 2012 die Initiative „Forum Nachhaltiger Kakao“ mit mittlerweile über 70 Mitgliedern gegründet. Neben der Kakaoindustrie und Lebensmittelhändlern sind auch das Bundesentwicklungsministerium, das Bundeslandwirtschaftsministerium sowie diverse Nichtregierungsorganisationen mit von der Partie. Erklärtes Ziel ist, die Lebensbedingungen der Kakaobauern zu verbessern, die natürlichen Ressourcen zu schonen und den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos auf dem deutschen Markt zu erhöhen. Mit einigem Erfolg. Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie wird mittlerweile mehr als die Hälfte der Schokoladenprodukte auf dem deutschen Markt mit zertifiziertem Kakao hergestellt. 2011 waren es dagegen nur drei Prozent. Die Zertifikate für Schokolade aus fairem Anbau beinhalten in der Regel die Zahlung eines Kakao-Mindestpreises und einer Prämie. Dennoch reicht der faire Preis nicht immer aus, um sämtliche Grundbedürfnisse einer Bauernfamilie zu erfüllen. Kritiker bemängeln den niedrigen, auch von Spekulanten beeinflussten, Weltmarktpreis für Kakao. 

Auf diesen hat der Endverbraucher natürlich keinen Einfluss. Aber auf sein Konsumverhalten. So kann er herkömmliche Schokoladenproduzenten boykottieren und zu Produkten mit fairen Siegeln greifen. Und er kann sich für eine faire Produktion engagieren. Beispielsweise im Freiwilligen-Netzwerk von Fairtrade Deutschland im Rahmen vielfältiger Aktionen und Kampagnen. Dort werden auch Schulungen zum Referenten angeboten, welche in diversen Veranstaltungsformaten über Konzepte für einen fairen Kakaoanbau und -handel informieren. Vielleicht führen Aufklärung und Transparenz ja irgend-wann zu einer Umgestaltung weltweiter Handelsstrukturen.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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