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Keime digital bekämpfen

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene aus dem Jahr 2015 infizieren sich jährlich eine Million Patienten mit multiresistenten Keimen, bis zu 30.000 sterben daran. Das Nationale Referenzzentrum an der Berliner Charité ist der Ansicht, dass rund ein Drittel dieser Infektionen vermeidbar wären. Voraussetzung dafür ist ein modernes Hygiene- und Infektionsmanagement. 

Die digitale Dokumentation antibiotikaresistenter Erreger in Krankenhäusern ermöglicht insbesondere großen Kliniken einen schnellen Überblick über betroffene Stationen    

IT-Systeme und digitale Technik sind dabei auch hierzulande von wachsender Bedeutung. Die digitale Dokumentation antibiotikaresistenter Erreger in Krankenhäusern ermöglicht insbesondere großen Kliniken einen schnellen Überblick über betroffene Stationen. Auf diese Weise können Ausbrüche frühzeitig entdeckt und kontrolliert werden. Stations- und standortübergreifende Vergleiche zeigen Schwachstellen im Hygiene- und Antibiotikamanagement auf.

Auch bei der Überprüfung von Hygienemaßnahmen kommt verstärkt digitale Technik zum Einsatz. So werden beispielsweise am Medizin Campus Bodensee menschliche Beobachtungen der Händehygiene in einer App dokumentiert und von dieser analysiert. Auch das digitale Handhygienemonitoring eines Stralsunder Startups schafft Transparenz beim Desinfektionsverhalten sowie einen Anreiz zu verbesserter Händehygiene. So werden bei dessen Internet of Things (IoT) Entwicklung vorhandene Desinfektionsmittelspender um eine Sensorik ergänzt, Mitarbeiter erhalten einen Berufsgruppen-Transponder. Der digitale Kontrollmechanismus informiert Vorgesetzte, wie oft sich welche Berufsgruppe die Hände desinfiziert. Schätzungen zufolge sind rund 80 Prozent aller Krankenhausinfektionen auf unzureichende Händedesinfektion zurückzuführen. 

Zur digitalen Dokumentation der Instrumentenaufbereitung leistet sich das RKH Klinikum Ludwigsburg seit neuestem eine eigene, hochmoderne Einheit. Unter Beachtung hoher Hygiene- und Sicherheitsnormen werden dort sämtliche OP-Instrumente nebst Zubehör einem automatisierten Reinigungsprozess unterzogen, an dessen Ende steril verpacktes Equipment zur Wiederbenutzung steht. Auch das Startup in Stralsund arbeitet derzeit an weiteren digitalen Hygienemonitoring-Lösungen für Oberflächen und OP-Instrumente. Für die automatische Desinfektion von Ultraschallsonden gibt es Desinfektionsautomaten, die den Reinigungsprozess komplett digital dokumentieren.

In der bayrischen Stiftungsklinik Weißenhorn wird dagegen die Bettenhygiene mit digitaler Technik kontrolliert. Via Codescan kann dort beispielsweise für jedes einzelne Bett das Kontaminationsrisiko eingesehen und geprüft werden, ob das Infektionsrisiko des vorherigen Patienten bei der Reinigung beseitigt wurde. Auch in der Weiterbildung kommt digitale Technologie zum Einsatz. So nutzt das Rote Kreuz Krankenhaus Bremen beispielsweise ein Schulungsmodul namens „Virtuelle 3D-Hygienewelten“ und an der Uniklinik RWTH Aachen wurde eine Hygieneleitfaden-App entwickelt.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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