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Künstliche Intelligenz für ein gesundes Leben

Daniel Sonntag ist Direktor „Interaktives Maschinelles Lernen“ beim DFKI und Stiftungsprofessur für Künstliche Intelligenz an der Universität Oldenburg.

Daniel Sonntag, Direktor „Interaktives Maschinelles Lernen“ beim DFKI und Stiftungsprofessur für Künstliche Intelligenz an der Universität Oldenburg, Foto: Presse

KI in der Auswertung von Bildaufnahmen, im Operationssaal und im Be-reich der Assistenzsysteme ist ja in der Entwicklung schon weit fortgeschritten. Welche neuen Aufgabenfelder stehen nun im Zentrum?

Die KI ist eine Querschnittstechnologie, die in erster Linie für alle Bereiche der Medizin mit Bilddaten, Textdaten und Biodaten von großer Bedeutung ist. Es gibt keinen medizinischen Bereich in der Klinik, der nicht von KI beeinflusst werden wird. Dabei spielt die klinische Entscheidungsunterstützung eine wichtige Rolle. Auch beim medizinischen Work-flow-Management und bei der Vorhersage des Behandlungserfolgs etablieren sich KI-Methoden. Neben diesen Assistenzsystemen im klinischen Alltag gibt es noch ein weiteres Aufgabenfeld im Gesundheitswesen, nämlich die der KI-Systeme im häuslichen Umfeld. Beispielsweise, um Senioren das Leben einfacher zu machen. Hier spielt auch die Robotik eine große Rolle, da es im Alltag viele körperliche Aufgaben zu erledigen gibt.

Welche Fortschritte gibt es bei den lernenden Systemen im Gesundheitswesen?

Das ist die eingangs erwähnte Bildverarbeitung, um Krankheiten auf MRT-Bildern und Bildern der Haut zu erkennen. Sprachassistenten werden in Zukunft auch dem Arzt zur Verfügung stehen, zur medizinischen Diagnose. Es geht darum, den Arzt zu unterstützen. Die KI wird dazu beitragen, dass Ärzte durch geschickte Vorverarbeitung von medizinischen Bildern Dinge erkennen, die ihnen nicht ohne Weiteres aufgefallen wären. Auch wenn die Entwicklung hier schon weit fortgeschritten ist, z. B. kann man Hautkrebs oder Diabetes an der Augenrückwand schon sehr gut erkennen, der flächendeckende Einsatz setzt meiner Meinung nach aber auch Fortbildungsmaßnahmen für Ärzte voraus. Zum Beispiel um die Entscheidung treffen zu können, wann auf automatische Entscheidungsunterstützung vertraut werden kann.

Wie funktioniert es im Detail, dass intelligente Computerprogramme aus der Analyse einer großen Menge von Krankheitsverläufen Rückschlüsse auf individuelle Therapieverläufe ziehen können?

Wenn man viele Patienten zu Verfügung hat, die schon erfolgreich therapiert wurden, findet man mit großer Wahrscheinlichkeit auch einen Patienten, der zum eigenen Krankheitsbild passt. Individuelle Unterschiede werden dann immer geringer und sind einfacher zu berechnen.

Inwieweit steht der Schutz sensibler Patientendaten der Entwicklung und dem Einsatz von KI im Gesundheitswesen im Wege?

Oft scheitert es nicht an den KI-Methoden, sondern daran, dass viele Kliniken keine digitalen Patientendaten haben, die sie den KI-Forschern zur Verfügung stellen können und dürfen. Würde endlich die elektronische Patientenakte durchgesetzt, würde sich das schnell ändern, denn dann könnte man anonymisierte Daten einfacher und rechtskonform erzeugen.

In der neurologischen Rehabilitation ist die Robotik ja schon ein gut integriertes Hilfsmittel. In welchen Bereichen der Medizin eröffnen sich für die Robotik neue Einsatzchancen?

Um den Angehörigen von Pflegebedürftigen mehr Alltagsfreiheit zu verschaffen, werden Roboter einfache Haushaltsaufgaben mithilfe ihrer sensomotorischen Intelligenz übernehmen und durch Sprach- und Video-Funktionen eine Brücke zur Außenwelt schaffen. Natürlich müssen diese Roboter auch lernfähig sein, das ist ein aktives Forschungsfeld.

Fakten

Eine der wesentlichsten Voraussetzungen für Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen ist die Verfügbarkeit von strukturierten, qualitativ hochwertigen Patientendaten sowie eine Umgebung, in der neue interaktive KI-basierte Anwendungen in einem rechtssicheren Rahmen unter realen Bedingungen getestet werden können.

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Journalist

Helmut Peters

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