European Media Partner
Kate Kitchenham, Hunde-Expertin WELLBEING

„Geliebte und gut ausgebildete Hunde sind glückliche Hunde.“

Hunde-Expertin Kate Kitchen-ham verrät, wie man eine innige Mensch-Hund-Beziehung aufbaut.

Um im Alltag klarzukommen, sind vor allem zwei Dinge wichtig: Ein sicheres Bleiben an Ort und Stelle und ein unbedingtes „Komm“!

Bleib!“ Im belebten Hamburger Schanzenviertel schaltet die Fußgängerampel auf Grün, die Frau geht seelenruhig auf die andere Straßenseite – und ihr Hund bleibt genauso an der Bordsteinkante sitzen. Kate Kitchenham, Hunde-Expertin, Autorin und Moderatorin, die für die Sendung „HundKatzeMaus“ (Vox) dieses Paradebeispiel eines gut erzogenen Hundes in einer Großstadt erlebt, ist total begeistert. „So toll macht er das, das hast du ihm wirklich super beigebracht!“ strahlt die beliebte Moderatorin. Die Hundebesitzerin strahlt ebenfalls und knuddelt ihren freundlichen Hund, der jetzt entspannt neben ihr. Um einen so stressfreien und angenehmen Alltag mit seinem Vierbeiner leben zu können, muss man sich als Mensch intensiv auf das Tier und seine Bedürfnisse einlassen. 

Das beginnt bereits mit der Auswahl des Hundes, denn nicht jeder Hund passt zu jedem Menschen. „Wir haben es dabei nicht nur mit Rassen zu tun, die mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen an ihren Menschen auf die Welt kommen, sondern auch mit unterschiedlichen Persönlichkeiten“, sagt die Moderatorin für Tiersendungen. „Die Persönlichkeit des Hundes steht immer über der Rasse! Wir müssen in der Lage sein, diesem individuellen sozialen Wesen gerecht zu werden. Dafür braucht man eine hohe soziale Kompetenz, denn nur dann werden beide eine wunderschöne, entspannte Mensch-Hund-Bindung haben.“  

Wo findet man seinen idealen Hund? Viele Menschen adoptierten heute von Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem Ausland nach Deutschland bringen, so die Expertin. Dabei fänden sich viele gute, aber teilweise auch fast schon kriminelle Organisationen. „Manchmal wird dabei ein Herdenschutzhund in eine Familie mit vielen Kindern vermittelt. Der ist vielleicht innerhalb seiner Familie nett, lässt aber keine andere Person mehr ins Haus. Und dann haben diese Menschen ein echtes Problem. So etwas ist weder den Menschen noch dem Hund gegenüber fair.“ 

Gerade in den letzten Monaten während des Lockdowns sind viele Hunde aus dem Ausland an Menschen ohne Hunde-Erfahrung vermittelt worden. Sie sind kaum imstande, sich auf diese Tiere, die teilweise wenig erlebt und gelernt haben, einzulassen. Das Ergebnis ist Überforderung und überfüllte Tierheime. Die Hundeexpertin und -Trainerin rät dazu, Hunde aus dem Ausland nur zu adoptieren, wenn sie vorher in einer Pflegestelle in Deutschland gelebt haben, in der sie auf das Leben hierzulande vorbereitet worden sind. Diese Stellen suchen auch nach dem perfekten Menschen für diesen Hund und begleiten die neuen Mensch-Hund-Teams nach der Vermittlung. Wie sich ein adoptierter Hund verhält, verrät übrigens sehr viel darüber, wie er vorher gelebt hat. 

„Ein sehr netter und freundlicher Hund, der sich wahnsinnig gut anpasst, ist ein klassischer Überlebenskünstler, der in seinem Ursprungsland eine liebenswerte Familie hatte und gleichzeitig den ganzen Tag mit seiner Hundegang fröhlich durchs Viertel streunen durfte. Ein Tier allerdings, das sein bisheriges Leben im Keller oder im Stall oder angekettet im Hinterhof verbracht hat, hat nichts erlebt, nichts gelernt und kann Reize von außen deshalb schwer verarbeiten.“

Zuneigung, Verlässlichkeit, Planbarkeit und klare Regeln sind die besten Bausteine zum Aufbau einer guten Beziehung zu einem Hund. Besonders Welpen brauchen das Gefühl von Nähe, Sicherheit und Zugehörigkeit. Hunde sehnen sich nach einem Menschen, der für sie da ist, sie in stressigen Situationen beschützt, sie oft anspricht und Nähe zulässt – und sie viel erleben lässt. Das bedeutet nicht, den Hund ununterbrochen beschäftigen zu müssen, denn so wie jeder Mensch braucht auch jedes Tier seine Ruhephasen. Junge Hunde gewöhnt man am besten ab etwa einem halben Jahr in kleinen Schritten ans Alleinsein, dann gibt es auch keine Panikattacken und kein Loneliness Crying. Hat ein erwachsener Hund das Alleinsein gelernt und ausreichend geübt, kann er es meistens vier bis fünf Stunden ohne Herrchen oder Frauchen aushalten. Um im Alltag klarzukommen, sind vor allem zwei Dinge wichtig: Ein sicheres Bleiben an Ort und Stelle und ein unbedingtes „Komm“!

Beherrscht ein Hund keine Impulskontrolle und hat nicht gelernt, dass man andere Tiere und auch Jogger und Radfahrer nicht jagen darf, wird er kein schönes Leben haben, denn in der Stadt wie auch auf dem Land wird er dauerhaft an der Leine gehen müssen. Um diese Basics zu lernen, reicht das Training auf dem Hundeplatz nicht aus, denn klappen muss das Gehorchen letztendlich in der Umgebung, in der man lebt. Diese vielen täglichen Herausforderungen auszuhalten übt man am besten in ganz kleinen Schritten – und lobt den Hund danach. 

Wer seinen Vierbeiner von Anfang an an seinen Alltag gewöhnt, ihn mit zu anderen Menschen und in Cafés und Restaurants nimmt, mit ihm Bus und Bahn fährt, mit ihm in den Wald wie auch in Fußgängerzonen geht, der hat auch an Weihnachten keinen Stress mit seinem Tier. Sondern im Gegenteil: Täglich Glück und bedingungslose Liebe!

Teile diesen Artikel

Journalist

Katja Deutsch

Weitere Artikel