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Türen sind komplexe Gebilde

Bei Architekten gelten Türen und Eingangsbereiche als sehr komplexe, wenn nicht die schwierigsten Planung- und Bauteile überhaupt.

Rauchschutztüren beispielsweise ein wesentlicher Bestandteil des präventiven baulichen Brandschutzes.

Sucht man in den einschlägigen Suchmaschinen nach dem Stichwort Türenplanung, findet man unzählige Seminare und Veranstaltungen, die sich mit diesem Thema im Bau und in der Planung von Immobilien beschäftigen. Denn Architekten und Planer sind bei der Türenplanung vor eine besondere Herausforderung gestellt.

Das liegt unter anderem daran, dass Türen jedem Gebäude einen wichtigen Charakterzug geben. Nicht umsonst spricht man von Portalen, die den Besucher in ein Gebäude leiten. Zudem sagen diese viel über den Bauherrn aus. Wie sähe eine gotische Kathedrale ohne zentral gestalteten Eingangsbereich aus, der wie ein Trichter die Menschen in das Gebäude hineinleitet? Die überdimensionalen Türen drücken zugleich die Macht Gottes und die Winzigkeit des Menschen aus.

Türen sind also wichtige Blickpunkte, die jedem Gebäude ein individuelles Aussehen geben, und weit mehr als nur trennende Raumelemente. Manche gewähren Einblicke, beispielsweise wenn sie aus Glas sind, andere haben die Aufgabe abzuschirmen. Türen haben vielfältige Aufgaben, sie sollen schützen, dämmen und Privatsphäre schaffen. Sie sollen die funktionellen und gestalterischen Gedanken der Architekten und Planer unterstützen und philosophisch betrachtet das Eingangstor zu anderen Welten darstellen.

Sprichwort und Zitate wie „mit der Tür ins Haus fallen“ oder „Wer offene Türen einrennt, braucht nicht zu fürchten, dass ihm die Fenster eingeschlagen werden“ zeigen, wie wichtig Türen in unserem Alltagsleben sind. Eine Tür ist hochkomplex: Türblätter, Zargen, Bänder, Schließer, Schlösser und Türdrücker müssen funktionell und im besten Fall auch ästhetisch zusammenpassen.

Eine Tür hat eine wichtige Funktion im Gebäude: Sie grenzt zwei Bereiche voneinander ab und schafft trotzdem eine Durchgangsmöglichkeit. Das scheint banal zu sein, ist es aber bei Weitem nicht, denn Türen haben eine Doppelfunktion, weil die einerseits durch ihre Abgrenzung schützen, andererseits aber auch einen Zugang oder Ausgang ermöglichen sollen. Zudem können Türen verschiedene weitere Funktionen erfüllen, die ihnen der Architekt zuweist. Angefangen vom Schallschutz über den Wärme-, Rauch- oder Brandschutz bis hin zum Sicherheits- oder Strahlenschutz – Türen müssen oder speziell für ihre ausgewählten Funktionen beschaffen sein.

Dabei muss nicht nur die Tür selbst, sondern auch Türrahmen, Türblatt, Griffe und Schlösser dementsprechend geplant und gebaut sein, um den Anforderungen gerecht zu werden.

So ist es beispielsweise im Brandfall oberstes Ziel einer Brandschutztür, die weitere Ausbreitung eines Feuers zu verhindern und Menschen zu schützen. Der Gesetzgeber hat hierzu Bestandzeiten vorgegeben, die Türen einem Feuer standhalten müssen. So ist es die Aufgabe von Rauch- und Brandschutztüren, einerseits die Ausbreitung von Rauch- und Feuer zu verhindern und andererseits dafür sorgen, dass Rettungs- und Fluchtwege weiter passierbar bleiben.

Das Brandverhalten von Bauteilen wird gekennzeichnet durch die Feuerwiderstandsdauer. Diese gibt an, wie lange die Tür den Durchtritt des Feuers verhindern kann. Auch Rauchverhinderung spielt bei Türen eine wichtige Rolle, denn in Deutschland sterben 95 Prozent der Brandtoten an den Folgen einer Rauchvergiftung durch Kohlenmonoxid und Kohlendioxid – beides geruchlose Gase. Insofern sind Rauchschutztüren beispielsweise ein wesentlicher Bestandteil des präventiven baulichen Brandschutzes.

Rauch- und Brandschutztüren sind lediglich Teilaspekte von Türen. Auch die Frage der Sicherheit spielt eine große Rolle, sei es in Einkaufszentren, in Museen, in Banken, in Gefängnissen – wo an sogenannte Sicherheitsschleusen ganz gezielte Anforderungen gestellt werden – oder an Flughäfen, wo Sicherheit mit dem schnellen Durchlass der Systeme verbunden werden muss.

Diese Multifunktionalität macht Türen und Eingangsbereiche zu komplexen Systemen, auf die im Planungs- und Bauprozess Rücksicht genommen werden muss. Türen bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtungsweise, weil hier viele Gewerke hier ineinandergreifen und der Maurer nicht nur ein Loch in der Wand lassen muss.

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Journalist

Frank Tetzel

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