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Die Symptome eines Lipödems, unter welchem immer mehr Frauen leiden, können glücklicherweise behandelt werden. WELLBEING

Lipödem – mehr als nur eine Gewichtszunahme

Eine Krankheit, die fast ausschließlich Frauen betrifft und häufig mit jahrelangen Qualen verbunden ist – was verbirgt sich dahinter?

Die Betroffenen leiden häufig unter unerträglichen Schmerzen und Schwellungen in  den Beinen.

Immer mehr Frauen leiden unter einem Lipödem – einer chronischen und schmerzhaften Fettverteilungsstörung, die symmetrisch an den Beinen, Hüften und am Po und oftmals auch an den Armen auftritt. Oberkörper, Hände und Füße bleiben unberührt, wodurch der Körper häufig eine sogenannte „Reiterhosen“-Form annimmt.

Dass die Diagnose in vielen Fällen sehr spät – oder sogar nie – getroffen wird, liegt unter anderem daran, dass ein Lipödem leicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden kann, z. B. mit Adipositas (Fettleibigkeit). Die Krankheit ist jedoch sehr viel mehr als eine reine Gewichtszunahme. Die Betroffenen leiden häufig unter unerträglichen Schmerzen und Schwellungen in den Beinen und einer starken Hämatomneigung („blauen Flecken“). Hinzu kommt die psychische Belastung: Selbstzweifeln und Unsicherheiten begleiten die betroffenen Frauen, deren Krankheit sich tendenziell verschlimmert. Zu Beginn ist das Unterhautgewebe verdickt und die Fettstruktur fühlt sich feinknotig an (Stadium 1). Mit der Zeit wird auch die Hautoberfläche uneben und die Fettstruktur grobknotiger (Stadium 2), woraufhin sich große, deformierende Fettlappen bilden können und das Gewebe sich zunehmend verhärtet (Stadium 3). Scheuer-Wunden, Fehlbelastungen der Gelenke sowie starke Gewichtszunahmen sind nur einige der möglichen Folgen.

Die unbekannten Ursachen machen die Diagnose nicht einfacher: Es wird zwar vermutet, dass die Krankheit genetisch übertragbar ist und auch mit einer Veränderung des Hormonhaushalts (z. B. durch Pubertät oder Schwangerschaft) in Verbindung steht, aber eine abschließende Erklärung gibt es bisher nicht. 

Für eine effektive Behandlung des Lipödems ist die richtige Diagnose jedoch unabdingbar. Dabei können fast alle Lipödeme durch drei diagnostische Methoden erkannt werden: Eine ausführliche Anamnese, das Begutachten der betroffenen Stellen und dessen Untersuchung. Die letzte Methode erfolgt unter anderem durch ein Abtasten der Haut oder den sogenannten „paradoxen Kneiftest“ an der Innen- und Außenseite des Beins. Um Zweifel aus dem Weg zu räumen, kann zusätzlich noch eine technische Diagnostik – in Form von CTs und MRTs – dabei helfen, die Fettvermehrung zu erkennen.

Wenn das Lipödem schließlich diagnostiziert wird, haben die Frauen meistens schon einen langen, immer schlimmer werdenden Leidensweg hinter sich. Die gute Nachricht: Die Symptome des Lipödems können behandelt werden. Der erste Schritt ist oftmals eine konservative Behandlung – Maßgefertigte Kompressionsstrümpfe und regelmäßige manuelle Lymphdrainagen helfen dabei, die Schwellungen in Schach zu halten. Allerdings verschlimmern sich die Symptome wieder, sobald die Behandlung gestoppt wird.

Um eine länger anhaltende Linderung zu erzielen, wählen viele Frauen eine effektive und vielversprechende Alternative: Die Fettabsaugung (Liposuktion). Erfahrungsberichte zeigen, dass die Symptome durch die Fettverringerung oft reduziert werden können – und auch die Psyche profitiert davon. Ein Tipp: Die Operation wird seit 2020 ab dem Stadium 3 von der Krankenkasse übernommen. Jedoch ist sie in den meisten Fällen auch ohne die finanzielle Unterstützung auf Dauer kostengünstiger als die konservative Behandlung.

Fakten

Ein gesunder Lebensstil kann die Fettzellen zwar nicht reduzieren, ist jedoch wichtig, um zusätzliche Fettdepots zu verhindern. Überschüssiges Gewicht verstärkt die Symptome des Lipödems und begünstigt Folgeerkrankungen. Zu empfehlen sind gelenkschonende Sportarten (z. B. Schwimmen) sowie eine gesunde Ernährung.

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Journalist

Lotta Jachalke

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