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Bleibt Deutschland Logistikweltmeister?

Um Logistikweltmeister zu werden, muss ein Land die besten Werte in Infrastruktur, Preisgestaltung, Pünktlichkeit und Abfertigung vorweisen. 

Im vergangenen Jahr haben wir es ja noch mal geschafft. Zum dritten Mal in Folge ist Deutschland 2018 Logistik-Weltmeister geworden. Im Ranking von 160 Ländern haben wir, wie der Logistikleistungsindex (Logistic Performance Index, LPI) der Weltbank im Juli letzten Jahres zu unserer Freude auswies, immer noch die Nase vorn. Dennoch, die Konkurrenz schläft nicht, denn Schweden, Belgien und Österreich sind uns dicht auf den Fersen. Nachdem Hongkong, Luxemburg und die USA zurückgefallen waren, sind Dänemark, Japan und Finnland zu den zehn Top-Standorten der oberen Ränge aufgestiegen. Die Frage muss allerdings erlaubt sein, wie lange Deutschland seine Primus-Rolle in Sachen Logistik noch halten kann.

Betrachtet man die Kriterien, nach denen mit Hilfe des LPI alle zwei Jahre der Weltmeister gekürt wird, müssen wir zugeben, dass wir durchaus Grund zum Nachdenken und Nachbessern haben. Dazu gehören die Zollabfertigung ebenso wie die Infrastruktur und die Dienstleistungsqualität, die Transportpreise, die Pünktlichkeit und die Transparenz für Kunden, ihre Sendung zu verfolgen. Im Vergleich zu 2016, dem Jahr unseres zweiten Triumphes als Logistikweltmeister, sind wir 2018 von 4,23 (2016) auf 4,20 Indexwerte zurückgefallen. Beruhigen kann Deutschland dabei nur, dass die anderen Länder ebenfalls Einbußen wegstecken mussten.

Betrachten wir einmal die Verkehrsinfrastruktur, dann gibt es trotz unserer gut ausgebauten Verkehrsnetze Grund zur Sorge, dass nicht alles so ist, wie es sein sollte. Das hat auch die Bundesregierung auf den Plan gerufen, die im vergangenen Jahr einen neuen, längst fälligen Bundesverkehrswegeplan 2030, einen Masterplan für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes, mit einem Volumen von rund 270 Milliarden erstellt hat. „Mit dem Bundesverkehrswegeplan 2030 und seinen Ausbaugesetzen sowie dem Investitionshochlauf haben wir das größte Investitionsprogramm für die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland auf die Beine gestellt, das es je gab“, sagte er Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer. „Dieses Programm werden wir in den nächsten Jahren konsequent umsetzen.“

Eine „Baustelle“ im Logistikbereich stellen zudem die kräftigen Preiserhöhungen der Branche für das Jahr 2019 dar. Sie sind nachvollziehbar, haben aber das Potenzial, sich schwächend auszuwirken. An erster Stelle zwingen die hohen Treibstoffkosten und die Suche nach geeignetem Personal die Unternehmen zur Anhebung der Transportkosten, zum anderen die Maut. Wegen der Maut-Ausweitung auf ca. 37.000 Kilometer des Bundesstraßennetzes können sich durchschnittliche Transporte um bis zu 40 Prozent erhöhen. Gegenüber der WELT sagte der Präsident des Bundesverbandes Spedition und Logistik (DSLV), Mathias Krage, der auch selbst ein Transportunternehmen leitet: „Die Maut ist für unser Gewerbe wie eine Steuer. Wir werden sie eins zu eins an unsere Kunden weitergeben.“

Last but not least muss Deutschland am Ausbau der Digitalisierung arbeiten, denn diese ist in der Transportbranche auch für kleine und mittelständische Unternehmen nun einmal unverzichtbar.

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Journalist

Helmut Peters

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