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Dr. Meinrad Lugan, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Medizintechnologie – BVMed, Berlin GESUNDHEITSWESEN

Zukunftsbranche braucht Hürdenabbau

Die Medizintechnik-Branche ist ein bedeutender Teil der Gesundheitswirtschaft. Sie gilt als besonders innovativ, wachstumsstark und zukunftsträchtig. Medizinprodukte umfassen eine große Bandbreite von medizin-technischen Produkten und Verfahren, die Leben retten, heilen helfen und die Lebensqualität der Menschen verbessern. Die Branchen-Eckdaten:

Wir brauchen Verbesserungen bei den regulatorischen Rahmenbedingungen – beispielsweise durch virtuelle Fernaudits.

Die MedTech Unternehmen beschäftigen in Deutschland über 235.000 Menschen.

Die MedTech-Branche ist stark mittelständisch geprägt. 93 Prozent der MedTech-Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

Die Branche ist ein wichtiger Treiber des medizinischen Fortschritts. Im Durchschnitt investieren die MedTech-Unternehmen rund neun Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Deutsche Medizintechnik ist auf dem Weltmarkt sehr erfolgreich. Die Exportquote liegt bei rund 65 Prozent, der Gesamtumsatz bei über 33 Milliarden Euro.

Die Branche war in den letzten Jahren sehr erfolgreich, aber sie hat aktuell mit vielen Hürden zu kämpfen. Das liegt zum einen an stetig steigenden regulatorischen Anforderungen, beispielsweise aus dem Umweltrecht mit seinen Stoffverboten oder durch die EU-Medizinprodukte-Verordnung MDR. 

Zum anderen liegt es natürlich an den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Unsere Unternehmen leiden vor allem unter der Verschiebung planbarer Operationen, unter weniger Arztbesuchen und damit auch weniger Verordnungen. Umsatzrückgänge von 30 bis 40 Prozent sind hier keine Seltenheit – und für unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen absolut existenzbedrohend.

Ich nenne beispielhaft drei Handlungsfelder, an denen wir konkret arbeiten, um vorhandene Hürden abzubauen:

1. Wir brauchen Verbesserungen bei den regulatorischen Rahmenbedingungen – beispielsweise durch virtuelle Fernaudits. Denn die Herausforderungen bei der Implementierung der EU-Medizinprodukte-Verordnung MDR haben sich durch COVID-19 verstärkt.

2. Wir müssen die Krise als Innovationstreiber nutzen. Zur Abmilderung der Krisenschäden in der Wirtschaft wurden in kürzester Zeit bürokratische Erleichterungen beschlossen und sehr praktikable digitale Lösungen ermöglicht. Die Erleichterungen für die Wirtschaft, die sich als wirksam erwiesen haben, sollten nach der Krise beibehalten und sogar ausgeweitet werden.

3. Wir brauchen eine Entbürokratisierungs-Offensive durch digitale Lösungen. Die inzwischen überbordende Bürokratie und Reglementierung sollte jetzt insgesamt auf den Prüfstand gestellt werden. Wir sollten die Krise dazu nutzen, Auflagen und Einschränkungen zu reduzieren, praktikabler zu gestalten oder wo möglich ganz abzuschaffen. Digitalisierung und bessere Datennutzung können hier helfen.

Mittel- und langfristig benötigen wir einen gesamtgesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung des MedTech-Standorts Deutschland und ein Konjunkturprogramm für die überwiegend mittelständisch geprägte Medizinprodukte-Branche – möglichst abgestimmt auf europäischer Ebene.

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Journalist

Dr. Meinrad Lugan

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