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Maite Kelly, Sängerin WELLBEING

Kraftquelle Cocooning

Maite Kelly über Familienkultur, die Kraft der Stille, Heilpflanzen und die Bedeutsamkeit von Vorsorge – und bei welchen Dance-Moves sie kapituliert. 

Man geht nicht erst  zum Arzt, wenn es  zu spät ist, sondern nimmt regelmäßig alle Check-ups wahr.

Was macht eine Powerfrau wie Sie in Pandemiezeiten?

Das, was ich sonst immer tue. An meiner Arbeitsweise hat sich nichts geändert, außer dass meine Tournee abgesagt wurde. Ich plane meine Zeit gut ein und konzentriere mich auf Inhalte, das war schon immer der Schlüssel zu meinem Erfolg. Durch die quasi erzwungene Ruhe konnte ich mich darauf noch mehr konzentrieren. Aber ich muss auch improvisieren. Als Unternehmerin war 2020 natürlich eine Herausforderung. Ich denke aber, dass ich meiner Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern gerecht wurde und ihnen – wie meinen Töchtern auch – ein Gefühl von Sicherheit vermitteln konnte.

Welche Kraftquellen zapfen Sie dafür an? 

Mein Glaube hilft mir sehr. Ich bin seit 20 Jahren praktizierende Katholikin, durch eine Gotteserfahrung im Erwachsenenalter habe ich zur Religion gefunden. Gebete erden mich. Und Meditationen – allerdings keine effizienzgesteuerten. Eine weitere Energiequelle für mich ist Sport. Den integriere ich auf vielfältige Weise in unseren strukturierten Tagesablauf. Mit meiner jüngsten Tochter tanze ich jeden Tag – wobei ich bei ihren „Social Media Moves“ motorisch kapitulieren muss. 

Gibt es noch weitere sportliche Vorlieben?

Ich jogge gerne und im Sommer wandern wir auch viel. Ich würde gerne auch mal eine größere Fahrradtour machen, aber das ist mit Teenagern nicht zu machen. So muss ich weiterhin mit bewährten Tricks wie dem Tanzen arbeiten, um Bewegung in unseren Alltag zu bringen.

Und wie entspannen Sie?

In der Stille. Das muss nicht nur das Gebet sein. Ich meine den Moment, an dem plötzlich alles zur Ruhe kommt. Zum Beispiel bei der täglichen Kaffeerunde mit meinen Töchtern, wenn die Aufgedrehtheit des Tages mit einem Mal der Entspannung weicht. Auch ätherische Öl helfen gut, runterzukommen. Oder einen guten Freund anzurufen.

Welchen Stellenwert hat gesunde Ernährung für Sie?

Einen großen! Ich bin mit einem Hippie-Vater aufgewachsen: Vollkorn und Bio waren bei uns großgeschrieben. Egal wie wenig Geld wir hatten, an Lebensmitteln wurde nie gespart. Dosen waren bei uns tabu. Ich habe zwei Jahre lang mit unserem Tournee-Sternekoch für die Kelly Family gekocht und alles von ihm gelernt. Gesunde Ernährung ist eine Selbstverständlichkeit für mich. Anders ist das Leistungsniveau einer Tournee mit 250 Konzerten auch nicht zu erreichen. Aber mir ist auch klar, dass Bio-Produkte ein Luxus sind, den sich viele gar nicht leisten können. Für dieses Privileg bin ich sehr dankbar. Meine Jüngste und ich lieben es aber auch, mit Kräutern aus unserem Garten verschiedenste Smoothie-Rezepte auszuprobieren. Suppen koche ich daraus auch. 

Sie haben eine Passion für Gartenkräuter?

Ja. Die Kraft der Pflanzen, insbesondere Heilpflanzen, hat mich schon immer fasziniert. Mit Kräutern und ätherischen Ölen lässt sich eine gewisse Leichtigkeit in schweren Zeiten wie diesen erlangen. Ätherische Öle haben eine immense Wirksamkeit auf Körper und Seele. Lavendelöl wende ich beispielsweise derzeit viel bei meinen Kindern an, bei Stress genauso wie bei Haarspliss. Dadurch, dass meine Kinder jetzt größer sind, können wir diese Leidenschaft teilen. Auch die Kneipp-Philosophie als Kombination von Heilpflanzenkunde, Ernährungslehre und Wasseranwendungen fasziniert mich. Und die Fastenkultur – nicht unter dem Aspekt von Diät, sondern von Detoxing.

Was bedeutet Gesundheit für Sie?

Gesundheit bedeutet für mich Vorsorge. Man geht nicht erst zum Arzt, wenn es zu spät ist, sondern nimmt regelmäßig alle Check-ups wahr. Es ist mir wichtig, dieses Verständnis auch bei meinen Töchtern zu kultivieren. Die große Bedeutung von Prävention hat natürlich auch mit dem frühen Krebstod meiner Mutter zu tun. Ich selber habe auch den Gentest für Brustkrebs machen lassen, welchen ich bei entsprechendem Verdacht jeder Frau empfehlen würde. Trotz meines glücklicherweise negativen Ergebnisses kultiviere ich nach wie vor eine starke Vorsorge. Aber ich halte mich mit einer gewissen Unbeschwertheit an das Empfohlene. Man darf sich auch nicht verrückt machen. 

Wie kamen Sie zu Ihrer Tätigkeit als Botschafterin der deutschen Krebshilfe?

Die sind auf mich zugekommen. Ich bin dort Botschafterin für die Sterbebegleitung von krebskranken Kindern. Der Tod hat mir nie Angst gemacht. Ich hatte immer ein unglaubliches Vertrauen, dass jedes Schicksal seine ganz besondere Wertigkeit und seinen Sinn hat. In meinen Augen steigert der Tod die Wertschätzung des Lebens.

Fakten

Maite Kelly hasst Eitelkeit und liebt das Schreiben. Und ihrer Tochter vorzulesen, z. B. aus „Peter Rabitt“ von ihrer Lieblings-Kinderbuchautorin Beatrix Potter. Ihre Vorbilder sind alle Helden des Alltags, die ihr Leben jeden Tag aufs Neue meistern. Aktueller Lieblingssong: „I‘m on fire“ von ihrem „all time favorite“ Bruce Springsteen.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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