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Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft UNTERNEHMERTUM

Warum der Fachkräftemangel den Aufschwung bedroht

Der Fachkräftemangel bedroht nach wie vor das Wachstum unserer Wirtschaft. Ein Anti-Rezessionsprogramm ist jetzt notwendig.

Wir brauchen weniger Master und mehr Meister.

Der Mittelstand steht vor großen Herausforderungen, strukturellen wie konjunkturellen?

Eine der größten Herausforderungen ist der Fachkräftemangel. Das zeigen unsere Unternehmerumfragen immer wieder. Nahezu die Hälfte der Mittelständler hat in den vergangenen zwei Jahren Aufträge ablehnen müssen, weil ihnen geeignete Mitarbeiter fehlten. Und sogar mehr als 90 Prozent haben Schwierigkeiten, offene Positionen zu besetzen. Früher waren einzelne Branchen wie IT, Maschinenbau oder Gesundheit besonders betroffen. Inzwischen bleibt kaum noch eine Branche vom Fachkräftemangel verschont.

Der demografische Wandel wird den Fachkräftemangel in Zukunft noch verschärfen. Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung die Fachkräftestrategie effektiv umsetzt. Berufliche Bildung gehört wieder stärker in den Fokus der Gesellschaft. Dafür muss die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung aktiv von der Politik beworben und erreicht werden. Wir brauchen weniger Master und mehr Meister.

Ein weiteres strukturelles Problem, das Sie ausgemacht haben, ist die Unternehmensnachfolge…

Richtig, allein in den nächsten vier Jahren steht in 150.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland die Übergabe an einen Nachfolger an. Gleichzeitig wagen in Deutschland aber immer weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Waren es vor zehn Jahren noch vier von 100, ist es heute gerade einmal noch einer.

Die Politik tut leider ein Übriges, um Unternehmern und solchen, die es werden wollen, das Leben schwer zu machen. Anstatt Gründern den roten Teppich auszurollen und beispielsweise die bürokratische Last zu mindern, werden ihnen Steine in den Weg gelegt. Zudem fehlt es bis heute an attraktiven steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapitalgeber.

Man hört und liest, dass Sie mit der Arbeit der Großen Koalition unzufrieden sind?

Mich ärgert, dass die GroKo seelenruhig zuschaut, wie Deutschlands Wirtschaft in die Krise schlittert. Die Bundesregierung muss handeln, und zwar jetzt. Doch statt echte Wachstumsimpulse zu setzen, verunsichert die SPD mit der unsinnigen Forderung nach einer Vermögensteuer die Wirtschaft noch zusätzlich.

Das würde unsere mittelständischen Unternehmen unverhältnismäßig hart treffen. Deren Vermögen steckt nämlich nicht in Luxusgütern, sondern einzig und allein im Betrieb. Eine zusätzliche Steuer ginge zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands und somit auch zu Lasten vieler Arbeitsplätze.

Und das vor dem Hintergrund der krisenhaften Entwicklungen nicht nur in Europa: Ein ungeregelter Brexit wird immer wahrscheinlicher, der Streit zwischen den USA und Iran nimmt an Schärfe zu, Chinas Wirtschaft bricht ein, und die globale Konjunktur wird sich weiter abkühlen.

Bei diesen Konflikten hat die Bundesregierung doch nur begrenzten Einfluss…

Es kommen ja hausgemachte Ursachen hinzu: Deutschland ist bei den Energiepreisen, Steuern und Sozialleistungen im internationalen Vergleich Spitze, bei Investitionen, Digitalisierung und Unternehmensneugründungen aber eher Schlusslicht.

Wir brauchen deshalb ein Anti-Rezessionsprogramm, der wichtigste Punkt ist die vollständige Abschaffung des Soli für alle, schon zum 1. Januar 2020. Das würde Millionen Mittelständler und deren Beschäftigte entlasten, die nämlich alle Einkommensteuer zahlen. Und ich sage ganz deutlich: Weitere milliardenschwere soziale Wohltaten wie die Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung müssen auf Eis gelegt werden.

Fakten

Professor h.c. Mario Ohoven, 1946 in Neuss geboren, ist langjähriger Präsident des Bundesverbandes Mittelständiger Wirtschaft. Sein Verband vertritt viele tausend Unternehmen des Mittelstandes, die Millionen von Arbeitsplätzen sichern. 

Ohoven ist mit der UNESCO Sonderbotschafterin Ute Ohoven verheiratet und hat zwei Kinder. Wenn man den Präsidenten des BVMW nicht in seinen Büros in Düsseldorf oder Berlin oder auf seinen zahlreichen Reisen antrifft, dann kann man sicher sein, dass man ihn eventuell bei einer Opernaufführung in der Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen oder anderen Opernhäusern der Welt treffen kann.

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Journalist

Frank Tetzel

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