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Carsten Maschmeyer, deutscher Finanzunternehmer UNTERNEHMERTUM

„Deutschland ist gut aufgestellt“

Finanzinvestor Carsten Maschmeyer lobt die Wirtschaft, erklärt, warum es kein deutsches Facebook gibt und ermahnt die Politik.

Ganz aktuell in der Corona-Krise brauchen wir jetzt direkte und schnelle staatliche Unterstützung für Start-ups.

Oft hört man, Deutschland sei weit abgeschlagen, was die Entwicklung moderner Technologien angeht. Stimmt das?

Wir sollten aufhören, uns kleiner zu machen, als wir sind. In Deutschland gibt es exzellente technologische Entwicklungen und Unternehmen, die damit weltweit führend sind. Als Investor setze ich stark auf Cybersecurity, Künstliche Intelligenz oder Regulatory Technology (RegTech) und bin deshalb an Start-ups wie Alyne oder Usercentrics beteiligt. Deutschland ist gut aufgestellt, ich sehe aber Nachholbedarf bei Sales- oder Marketing-Kompetenzen. Außerdem mangelt es an ausreichend Risikokapitalgeber für Start-ups, die große Finanzierungsrunden stemmen können. Und es fehlt eine Kultur der zweiten Chance, gerade für Gründer. In diesen Punkten sind uns die USA voraus.

Im B2C-Bereich, zum Beispiel bei Smartphones oder Notebooks, spielt Deutschland keine Rolle, ebenso wenig wie bei sozialen Netzwerken. Warum gibt es kein deutsches Facebook, Tik Tok oder Google?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele der großen Player aus den USA hatten zum Zeitpunkt ihrer Gründung und des Wachstums bessere Voraussetzungen, weil sie Unterstützung durch große Risikokapitalgeber hatten. Die gab es in diesen Größenordnungen in Europa und Deutschland damals noch nicht. Außerdem haben die USA einen sehr großen Heimatmarkt mit nur einer Sprache. Das erleichtert schnelles Wachstum für ein Unternehmen mit globalem Anspruch. Die Vielsprachigkeit Europas mit zahlreichen Einzelmärkten ist da ein Hindernis. Und zuletzt: Die DNA Deutschlands liegt in seiner wissenschaftlichen Exzellenz und Ingenieurskunst. Das führt dazu, dass hier eher der nächste Hidden Champions im Maschinenbau entsteht als das nächste Facebook oder Google.

Ist die Politik hier stärker gefragt?

Ja, die Politik kann helfen. Ganz aktuell in der Corona-Krise brauchen wir jetzt direkte und schnelle staatliche Unterstützung für Start-ups. Außerdem sollte der Staat, als einer der größten Auftraggeber, Start-ups bei der Vergabe stärker berücksichtigen als bisher. Grundsätzlich ist es notwendig, dass in Deutschland endlich die Rahmenbedingungen verbessert werden, damit es für Private einfacher wird, in Venture Capital zu investieren. 

In der Entwicklung von Technologien mit KI liegt Deutschland vorne. Liegt das am innovativen deutschen Mittelstand? 

Ja, weil im deutschen Mittelstand viel an neuen Technologien geforscht und entwickelt wird. Genauso entscheidend sind unsere exzellenten akademischen Einrichtungen, wie zum Beispiel die TU München oder das KIT in Karlsruhe. Die Ausbildung und die Forschung, die dort stattfinden, sind ganz entscheidend für die Innovationen, die in Deutschland entstehen.

Wenn man sich den Stand des Ausbaus der Infrastruktur – Stichwort schnelles Internet – anschaut, hat man den Eindruck, die Politik habe noch nicht verstanden, dass sie die Voraussetzungen schaffen muss, damit diese Spitzenstellung erhalten bleibt. Teilen Sie diesen Eindruck?

Ja, das teile ich zu 100 Prozent. Gerade jetzt in der Krise erleben wir, wie wichtig schnelles Internet ist. Wenn wir das nicht bald in den Griff bekommen, wird das ein schwerer Standortnachteil für Deutschland bleiben.

Fakten

Der Schock war groß, als kürzlich bekannt wurde, dass Carsten Maschmeyer, auch aus der TV-Show „Die Höhle des Löwen“ bekannt, an der Nase an Weißem Hautkrebs erkrankt ist. Nach drei Operation konnte der 60-Jährige inzwischen Entwarnung geben und nahm auch wieder an der Aufzeichnung der Sendung teil.

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Journalist

Armin Fuhrer

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