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Monitoring muss zeitnah erfolgen

Hygiene in Kliniken und Arztpraxen ist ein riesiges Thema. Mindestens 3,5 Prozent aller Klinikpatienten stecken sich mit Bakterien oder Viren an – eine riesige Zahl, die dazu führt, dass Menschen länger im Krankenhaus bleiben müssen und durchaus ernste Komplikationen bekommen können. 


Professor Dr. Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Hygiene-Instituts der Regiomed-Kliniken in Thüringen, Foto: Pressefoto

So kann es vorkommen, dass ein Patient wegen einer harmlosen Operation ins Krankenhaus kommt, etwa um sich an der Hüfte operieren oder eine Warze beseitigen zu lassen. „Wenn es schlecht läuft, dann infiziert sich die Wunde mit Keimen, die Infektion greift auf den Knochen über und der Unterschenkel muss möglicherweise amputiert werden.“ Harnwegs-, Wund- und Ateminfektionen zählten zu häufigen Folgen der Ansteckung mit den Keimen. Gegen nachlässige Sauberkeit und mangelnde Hygienemaßnahmen kämpft der erfahrene Hygieniker Professor Dr. Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Hygiene-Instituts der Regiomed-Kliniken in Thüringen, seit Jahren an. Manchmal ist es ein Kampf gegen Windmühlen und die fehlende Einsicht von Menschen, die bestimmte Hygieneregeln nicht anwenden.

Jährlich gibt es in Deutschland 800 000 bis eine Million Krankenhaus-Infektionen. Vermeidbar sind bestimmt dreißig bis fünfzig Prozent, also etwa 300 000 bis 400 000 davon pro Jahr. Auch wenn Keime in Krankenhäusern und Arztpraxen immer da sein werden, wäre eine sachgerechte Hygiene des Klinikpersonals hilfreich. „Natürlich wird in Kliniken gereinigt, desinfiziert und sterilisiert, aber wir sind auch nur Menschen.“

Zudem sei der Druck aufgrund des Kostenbudgets und des Personalmangels in vielen Häusern gestiegen, erläutert der Hygienemediziner. Die Krankenhäuser müssen inzwischen Krankenhaushygieniker vorhalten, die die Krankenhausleitung beraten und übergeordnete Maßnahmen zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen ergreifen, indem sie Standards und Empfehlungen erarbeiten. „Vor allem der Weiterbildung und Beratung des Krankenhauspersonals kommt dabei eine wichtige Schlüsselfunktion zu“, erläutert Zastrow die Situation. „Zumal Fehler und Hygieneversäumnisse bei den Kliniken ins Geld gehen.“

Zastrow, auf den übrigens die Einführung des Paragraphen 23 des Infektionsschutzgesetzes zurückgeht, in dem 2011 erstmal Hygienefachpersonal für jedes deutsche Krankenhaus festgeschrieben wurde, mahnt für viele Häuser ein besseres Monitoring- und Überwachungssystem an. „Das derzeit eingesetzte Monitoringsystem ist rückblickend, wir brauchen aber ein System, das in Echtzeit arbeitet.“ Treten zwei oder drei Infektionsfälle auf, dann muss ein solches System die Hygieniker alarmieren und man muss mit den behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal sprechen und genau untersuchen, wo welche Fehler oder Versäumnisse in welcher Form vorliegen. Das Ganze muss allerdings unangemeldet passieren, denn wenn der Hygieniker angemeldet vorbeischaut, könnte man sich ja vorbereiten. Und Hygienemanagement ist Qualitätsmanagement für die Kliniken, denn eine Infektion, die etwa durch einen schlechten Verbandswechsel entsteht, kostet die Klinik – die ja aufgrund von Fallpauschalen bezahlt wird – bares Geld. Je länger die Patienten liegen müssen, desto teurer wird es für die Kliniken, die darauf ausgerichtet sind, möglichst schnell und ohne große Liegedauer der Patienten die anstehenden Operationen durchzuführen.

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Journalist

Frank Tetzel

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