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Bei dieser Form der nachhaltigen Investition geht es darum, etwas aktiv zu tun und eine sichtbare Wirkung zu erzeugen. INVESTMENTS

Mit grünen Anlagen gegen den Klimawandel

Nachhaltige Kapitalanlagen sind populär, aber bislang ein Nischenthema. Dabei gibt es der Finanzbranche ernsthafte Bestrebungen, den Klimaschutz zu stärken.

Nachhaltigkeit unterliegt keiner eindeutigen Definition – die Schwerpunkte in den Portfolios bestimmen die Anbieter von Finanzprodukten sowie die Investierenden selbst.

In einem ist sich die Finanzwelt ausnahmsweise einmal einig – alle wollen die globale Wirtschaft auf einen nachhaltigeren Kurs bringen und den CO2-Ausstoß gemäß der Pariser Klima-ziele massiv reduzieren. Dazu basteln Banken an einer Produkte-Offensive mit ESG-Kriterien als Kennzeichen für nachhaltiges Investment. ESG steht für Environmental, Social und Governance. Beurteilt wird etwa wie umweltverträglich die Produktionsbedingungen eines Unternehmens sind. Aber auch die faire Bezahlung, der Ausschluss von Kinderarbeit oder der Kampf gegen Korruption spielen eine Rolle.

Selbst für die Europäische Zentralbank EZB ist die Reduktion von Treibhausgasen das zentrale Thema. Chefin Christine Lagarde möchte deshalb ein Klimazentrum einrichten. „Es ist für uns eine Möglichkeit verschiedene Expertinnen und Experten und Arbeitsansätze zusammen zu bringen. Denn der Klimaschutz hat Auswirkungen auf alle Bereiche unserer Geldpolitik. Das Zentrum bietet uns die Struktur, um das Thema mit der nötigen Eile und Entschlossenheit anzugehen“, verkündetet sie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Mit diesem Boost von allen Seiten steht das einstige Nischenthema nachhaltige Investments plötzlich im Rampenlicht von Anlegen-den und Großbanken.

Mehr als 335 Milliarden Euro waren laut dem Marktbericht 2021 des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG)* Ende 2020 in Deutschland nachhaltig angelegt. Der Bericht erfasst Investmentfonds, Mandate sowie Eigenanlagen und Kund:inneneinlagen grüner Banken, bei denen ESG-Kriterien angewendet werden. Dem FNG zufolge stieg die Gesamt-summe der ESG-Investments in diesen Anlageklassen im letzten Jahr auf einen Rekordwert von 335,3 Milliarden Euro. Das sind 25 Prozent mehr als 2019. Was sich nach viel anhört, ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein. Lediglich 6,4 Prozent beträgt der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate 2020 am deutschen Gesamtfondsmarkt. 

Aber die am Marktbericht beteiligten Finanzexpertinnen und -experten prognostizieren weiteres Wachstum in diesem Jahr. Im nachhaltigen Kapitalmarkt rechnen sie mit Wachstumsraten von 15 bis über 30 Prozent. Gleiche Impulse erwarten Finanzprofis von der ESG-Präferenzabfrage, die voraussichtlich ab Mitte 2022 für Anlageberater:innen im Kund:innengespräch verpflichtend wird. Zudem wirkt das EU-Klimaschutzabkommen als Treiber: 2018 hat die Europäische Union einen Aktionsplan mit Maßnahmen vorgelegt, wie das Finanzsystem re-formiert werden kann, damit der Weg für eine nachhaltigere Wirtschaft frei ist. Im Fokus stehen Referenzwerte für CO2-arme Investitionen und ein grünes Siegel für Finanzprodukte. Unternehmen müssen zudem transparenter über ihre Geschäftspraktiken im Hinblick auf soziale und ökologische Aspekte berichten.

Ein Problem bleibt jedoch. Was konkret bedeutet nachhaltige Geldanlage? Nachhaltigkeit unterliegt keiner eindeutigen Definition – die Schwerpunkte in den Portfolios bestimmen die Anbieter von Finanzprodukten sowie die Investieren-den selbst. Ein Ansatz sind die sogenannten Ausschlüsse, bei denen Investoren durch ihre Anlage bestimmte Branchen kategorisch meiden, die bestimmte Richtlinien nicht einhalten. Dazu zählen Rüstung oder Geldwäsche, übermäßige CO2-Belastungen oder Menschenrechtsverletzungen. Der Knackpunkt: Gleichzeitig investieren Anlegende aber in Unternehmen, die eine Vorreiterrolle in Sachen Sozialstandards innehaben, deren CO2-Bilanz aber äußerst ungünstig ausfällt. Was wiederum bedeutet, dass Investitionen in die Mineralölindustrie weiterhin durch die ESG-Richtlinien erlaubt wären. 

Hier müssen schärfere und transparentere Messpunkte her, wie sie beim Impact Investing gelten. Bei dieser Form der nachhaltigen Investition geht es darum, etwas aktiv zu tun und eine sichtbare Wirkung zu erzeugen. Anlegende legen ein Wirkungsziel und eine Wirkungslogik fest und integrieren es in den gesamten Investmentprozess.

Können Finanzmärkte überhaupt eine wirkungsvolle Waffe im Kampf gegen den Klimawandel und für eine nach-haltige Finanzwelt sein? Geht es nach EZB-Chefin Christine Lagarde auf jeden Fall. „Klimawandel und Umweltschutz sollten für jede Institution im Mittelpunkt stehen“, hat Lagarde schon vor ihrem Wechsel an die Spitze der mächtigen Notenbank verkündet. In diesen Tenor stimmt auch die Bundesanstalt für Fi-nanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein. „Als Finanzaufsicht ist es unser Auftrag, Risiken für das Finanzsystem zu erkennen und die von uns beaufsichtigten Unternehmen aufzufordern, sie angemessen zu berücksichtigen. Dafür müssen wir in der Lage sein, die Nachhaltigkeitsrisiken zu durchdringen und zu quantifizieren“, erklärte der ehemalige BaFin-Präsident Felix Hufeld bei einer Rede 2019.

Sobald ESG-Daten in hoher Qualität für alle verfügbar seien, würden sie mit der „normativen Kraft des Faktischen“ die Finanzmärkte durchdringen – und sie schließlich verändern. „Eine nachvollziehbare Taxonomie und hohe Transparenz kann stärker auf die Finanzwirtschaft einwirken als jede Regulierung“, mahnte Hufeld. Doch dann muss endlich messbar sein, ob ein Unternehmen das erhaltene Kapital auch tatsächlich dafür verwendet, um in nachhaltige Technologien zu investieren. Hier benötigt es noch viel Forschungsarbeit – nur so lassen sich Wirkungskanäle nachvollziehen. Das bestehende ESG-Rating-System ist ein erster kleiner Schritt auf dem Weg, den Klimawandel zu stoppen. Um die Klima-ziele der UN mittelfristig zu erreichen, benötigt die Finanzindustrie aber mehr messbare und transparentere Abläufe.

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Journalist

Thomas Soltau

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