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Carsharing in Coronazeiten – kein leichter Markt

„Sharing is caring“ – Teilen heißt, sich zu kümmern. Das ist das Selbstverständnis einer noch jungen Branche im Mobilitätsmarkt.  

Seit ein paar Jahren gibt es immer mehr Carsharing-Anbieter. Doch  das steile Wachstum wurde durch Corona stark abgebremst. Über den  Carsharingmarkt aktuell haben wir mit Gunnar Nehrke, dem Geschäftsführer des Bundesverbandes CarSharing e.V. gesprochen. 

Schon jetzt ist der Anteil von E-Fahrzeugen in der deutschen Carsharing-Flotte im Vergleich zum gesamten deutschen Fahrzeugbestand recht hoch.

Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverbandes CarSharing e.V., Foto: PassStudio

Herr Nehrke, Corona hat den Markt der Carsharing Anbieter stark einbrechen lassen – werden viele kleine Anbieter das nicht überleben?

Die Ausgangsbeschränkungen der Corona-Pandemie haben sich massiv auf die Carsharing-Branche ausgewirkt, da viele Wege weggefallen sind, für die normalerweise ein Carsharing-Auto gebucht wird: Besuche bei Freunden/Verwandten wurden nicht mehr unternommen, Dienst-reisen wurden abgesagt, Großeinkäufe auf später verschoben.

Das hatte zur Folge, dass im März und April 2020 die Umsätze bei den Carsharing-Anbietern im Vergleich zum Vorjahr um 50 bis 80 Prozent einbrachen. Je mehr die Ausgangsbeschränkungen gelockert wurden, desto stärker erholte sich die Branche. Die Auslastungen der Fahrzeuge geht seither wieder nach oben, wenngleich sie immer noch unter der des Vorjahres liegt.

Wie sind die Aussichten für die Zukunft der Branche?

Es ist schwer vorauszusagen, wie sich die Branche in den nächsten Jahren entwickeln wird, da der Carsharing-Markt sehr dynamisch ist. Aber wir gehen davon aus, dass der Markt weiterhin wachsen wird, wenngleich nicht absehbar ist, wie schnell und wie stark. Es werden immer wieder neue Anbieter mit neuen Geschäftsmodellen auf dem Markt erscheinen. Manche werden bleiben, manche werden wieder verschwinden.

 Gibt es neue Anbieter und wann wird der Raum der Mittelstädte entdeckt?

Der Raum der Mittelstädte ist bereits entdeckt. In 80 Städten zwischen 50.001 und 100.000 Einwohner*innen gibt es ein Carsharing-Angebot. Das sind 72,7 Prozent aller Städte dieser Größenordnung. Und in 238 Städten mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.001 und 50.000 wird bereits Carsharing angeboten. Mit 46,8 Prozent ist das knapp die Hälfte aller Städte in dieser Größenordnung.

Werden in Zukunft verstärkt E-Autos im Carsharing eine Rolle spielen?

Elektrofahrzeuge sind wichtig für einen klimaschonenden Verkehr. Daher passen sie zum Ziel von Carsharing, den Verkehr nachhaltiger und klimaschonender zu gestalten. E-Fahrzeuge werden daher stetig eine größere Rolle im Carsharing spielen.

Schon jetzt ist der Anteil von E-Fahrzeugen in der deutschen Carsharing-Flotte im Vergleich zum gesamten deutschen Fahrzeugbestand recht hoch. 18 Prozent aller Carsharing-Fahrzeuge sind batterieelektrische Fahrzeuge oder Plug-in-Hybride.  

Der E-Anteil an der Gesamtzahl aller Fahr-zeuge auf Deutschlands Straßen beträgt nur 0,3 Prozent. Die Carsharing-Branche ist dem Gesamtmarkt also ein gutes Stück voraus.

Kann ich in der Stadt wirklich komplett auf ein eigenes Auto verzichten?

Ja. Viele Menschen in Städten verzichten bereits auf ein eigenes Auto. In Studien wurde nachgewiesen, dass 80 Prozent aller Haushalte, die stationsbasiertes Carsharing nutzen, autofrei sind. An Orten, in denen es neben einem gut ausgebauten ÖPNV und Radwegenetz ein Carsharing-Angebot gibt, ist es umso einfacher, auf ein eigenes Auto zu verzichten, weil man auch in Fällen mobil ist, für die andere öffentliche Verkehrsmittel oder das Rad und das Zu-Fuß-Gehen nicht geeignet sind. 

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Journalist

Jörg Wernien

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