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Wandern entlang historischer Suonen

Im Wallis locken malerische Wanderwege entlang jahrhundertealter Bewässerungskanäle 

Die Gemeinde Nendaz im Wallis ist ein malerisches Urlaubsgebiet.   

Wanderungen entlang kleiner Wasserläufe sind besonders charmant. Doch während viele liebliche Flüsse und Bäche in den schönsten Wandermonaten im Sommer zu staubtrockenen Geröllhalden werden, hört man in den Bergen im Wallis auch im Hochsommer fröhliches Wasserplätschern: Eiskaltes, klares Wasser sprudelt hier neben vielen Wegen – Wasser, das direkt vom Gletscher stammt und in vor langer Zeit gebauten Wasserkanälen neben den (viel neueren) Wanderwegen entlang führt.

Vor 1000 Jahren schon begannen Bauern, das Schmelzwasser der Gletscher gezielt auf ihre Felder zu leiten. Denn die Böden im Wallis sind trocken und so nahmen die Anwohner bis Mitte des letzten Jahrhunderts Spitzhacke und Schaufel in die Hand und gruben und bauten mühevoll und sorgfältig Bewässerungskanäle für ihre Almwiesen, Äcker und Felder. Diese historischen Wasserleitungen, Suonen oder Bissen genannt, wurden in die Erde gegraben, in Felsen geschlagen oder aus Holzlatten gezimmert. Wanderungen entlang dieser Wasserfuhren sind ungemein reizvoll und eignen sich aufgrund ihres geringen Höhenunterschiedes auch für Kinder und Senioren.


Foto: Etienne Bornet

In Nendaz im Wallis verlaufen die reizvollen Wanderwege entlang der Suonen in sonnigen Höhen zwischen 800 Meter und 2.200 Meter über dem Meeresspiegel. Von den acht historischen Suonen führen noch sechs ganzjährig frisches, eiskaltes Gletscherwasser mit sich, jede einzelne hat ihre Besonderheit und ihren ganz eigenen landschaftlichen Reiz. Insgesamt bieten sich dem Erholung suchenden Gast 98 Kilometer Wandermöglichkeiten neben den beeindruckenden Wasserleitungen. Die einzelnen Strecken dauern zwischen zwei Stunden und zwei Tagen, wobei die meisten Wege keine großen Höhenunterschiede vorweisen und einfach und angenehm zu gehen sind. So bleibt genügend Zeit und Muße, das wunderschöne Alpenpanorama zu bewundern:  Saftige Wiesen, rauschende, erfrischende Wälder, strahlender Himmel und in der Ferne die schneeweißen, glitzernden Gipfel der Gletscher machen die Wanderungen zu einem einzigartigen Glückserlebnis.

Der Großteil der Suonen ist zwischen fünf und zehn Kilometer lang, als längste gilt die Suone von Saxon mit 28 Kilometern. Ihr Wasser stammt aus der Prinzte in Siviez/Nendaz und führt es bis in die Höhen von Saxon.

Bereits im Jahre 1435 findet die ältestes Suone der Gemeinde Nendaz Erwähnung: Die 12 Kilometer lange Bisse de Salins, deren Weg zum Großteil über duftende Aprikosenplantagen führt. Ebenfalls in Greifweite frischer Früchte verläuft die Bisse d'En-Bas. Diese am tiefsten gelegene Suone des linken Ufers der Printze wird heute noch zur Bewässerung der Erdbeer- und Himbeerplantagen genutzt. Der sechs Kilometer lange Weg neben der Bisse d'En-Bas ist recht unbekannt und für Ruhe suchende Wanderer bestens geeignet. Wer bei diesen beiden Wegen auf den Geschmack gekommen ist, kann jetzt hoch hinauf: Auf 15 Kilometer Länge führt die Bisse de Chervé auf durchgehend über 2.000 Meter Höhe entlang der Suone, vorbei an den überhängenden Seiten des Sees von Cleuson. Auch wenn diese Suone kein Wasser mehr führt, macht die atemberaubende Aussicht auf das Rhonetal die Wanderung zu einem ganz besonderen Erlebnis.  


Foto: Florian Bouvet

Die im Jahre 1700 erbaute Bisse du Milieu gilt als die beliebteste Suonenwanderung schlechthin. Sie zeichnet sich durch einen angenehmen Fußweg aus, führt an hübschen Kapellen vorbei, bietet eine wunderschöne Sicht auf das Rhonetal und die Schlösser von Valère und Tourbillon. Im Zentrum von Haute-Nendaz formiert sich die bis dahin vergnüglich plätschernde Suone in einen jäh herab stürzenden Wasserfall.

Doch das ist nicht der einzige spektakuläre Anblick, den man sieht, wenn man an den uralten Suonen folgt. Man kann sich vorstellen, wie mühevoll die Umsetzung zu Zeiten ohne motorisierte Hilfsmittel gewesen sein muss. Doch heute ist davon nichts mehr zu spüren: Die Gemeinde Nendaz im Wallis ist ein malerisches Urlaubsgebiet, das mittlerweile auch im Sommer immer Freunde intakter Natur anzieht.

Weitere Informationen unter www.nendaz.ch

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Journalist

Katja Deutsch

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