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Neuigkeiten aus der Retailbranche


Foto: POS-Tuning

Interview mit: Kristin Kolbe, Marketingleitung POS Tuning

Was ist POS TUNING?

Wir „tunen“ den Point of Sale, indem wir Produkte herstellen, die den POS aufwerten: Vorschubsysteme sorgen für eine ordentliche Optik und mehr Umsatz. Neben den Frische- und Süßwarenabteilungen im Handel haben wir auch im Drogeriebereich große Erfolge – dort, wo viele hohe, leichte Flaschen stehen, die oft umkippen, sind solche Systeme sehr sinnvoll. Wenn die Produkte immer sichtbar sind, steigt ihr Umsatz merklich und der Handel profitiert durch weniger Regalpflege-Aufwand.

Was ist Neoalto?

Das ist unsere neue Business Unit, über die wir neue Datendienste anbieten. Wir haben einen kleinen Sensor entwickelt, einen Stock Beacon, der auf unseren Warenvorschub passt, jede Bewegung im Regal registriert und dabei den Abstand zur Rückwand misst. Daher „weiß“ er, wie viele Produkte entnommen wurden. Er kennt also den ganz genauen Lagerbestand von diesem einen Fach im Regal. Das ist bisher so nicht möglich.

Was ist der Vorteil für den Handel?

Dieser kann über den Sensor eine Meldung bekommen, bevor ein Produkt ausverkauft ist. Man kann auch das WWS anbinden, sodass auf den Zeitpunkt genau nachgeordert werden kann. Das ermöglicht sehr niedrige Lagerbestände und eine optimale Verfügbarkeit, sodass Regallücken vermieden werden.

Was hat die Industrie davon?

Wir können ortsbezogene Abverkäufe durch unseren Stock Beacon sehen. So kann man bewerten, welcher Verkaufsort der bessere ist (z. B. Kasse vs. Regal) oder auch wie lohnend ein Display ist. Das kann bis dato noch niemand so genau sagen, wenn das Produkt die gleiche EAN hat. Auch für Neuprodukte sieht der Kunde über unsere Onlineplattform vom ersten Tag an die Absätze.


Foto: Christoph Kassette

Gordan Volaric, Gründer von Retailquant über  Kundenkenntnis im Einzelhandel

2018 war ein wichtiges Signaljahr für den stationären Handel, denn er löste erstmal das Bankwesen als größten Investitionsbereich für künstliche Intelligenz ab. Diese Entwicklung ist keine Überraschung, sondern war durchaus vorhersehbar. Der Einzelhandel ist das größte Gewerbe der Welt. Jeder dritte Euro, Dollar, Yuan etc. entstammt ihm. Doch der Druck auf traditionelle Händler ist groß. Der Onlinehandel hat in den letzten 15 Jahren über 8 % vom Markt erobert. Der große Vorteil war stets die Verfügbarkeit an günstigen Kundendaten, während Datenerfassung in der physischen Welt teuer war. Heute ist das anders: Hardware wird günstiger, Technologien verfügbarer und Startups drängen in den Markt, um das wachsende Verlangen nach mehr Kundenwissen zu stillen. Stationäre Händler hatten noch nie so viele Möglichkeiten gleichzuziehen und die Zukunft der Branche sieht zunehmend besser aus.


Foto: IFH Köln/Michaela Grönnebaum

Gero Becker vom IFH Köln über Customer Journey DIY Benchmark

Zuerst müssen die Baumarktbetreiber verstehen, wie sich ihre Kunden im Laden während des Informations- und Kaufprozesses bewegen – um an diesen Kontaktpunkten entsprechende Inhalte präsentieren zu können. Zweitens brauchen sie ein klares Profil, um eine nachhaltige Positionierung zu schaffen. Da haben Baumärkte besonders gegenüber Amazon und branchenfremden Playern Schwierigkeiten, denn Amazon kann reine Bedarfskäufe entspannter, einfacher und kostengünstiger anbieten. Bei Impulskäufen und Aktionswaren wandern viele Kunden auch an Branchenfremde wie Ikea und Lebensmitteldiscounter ab. Auch hier brauchen Baumärkte einen dauerhaften Differenzierungsfaktor. Nicht vergessen sollten sie auch komplexe Kaufanlässe, gerade im Hard-DIY-Bereich (Baustoffe usw.) sehen wir großes Potenzial. Drittens müssen Baumärkte auf verschiedenen Kanälen exzellent sein. Der Service und das Kauferlebnis sollten also viel wichtiger genommen und Mitarbeiter besser geschult werden.


Foto: dlv

Interview mit Angela Krause über Trends im Ladenbau

Schlüsseltrend ist die Digitalisierung am Point of Sale, angefangen bei digitalen Beschilderungen über Tablets bis hin zu Virtual und Augmented Reality. Vieles davon ist kurzlebig, zielt auf schnellen Effekt oder ist technologisch noch nicht ausgereift. Besonders beim Bezahlvorgang wird es digitaler, Self-Scanning-Kassen und Mobile Payment nehmen zu. Bereits jetzt sieht man Stores ohne Kassen, bezahlt wird über Tablet oder App.

Die Marken wollen sich differenzieren, der Ladenbau wird immer individueller. Spannend sind Pop-up-Stores als Branding-Tool. Hier kann man für einen kurzen Zeitraum ein Produkt lancieren, die Marke in ungewohnter Umgebung inszenieren oder eine bestimmte Zielgruppe ansprechen. Comme des Garçons, das japanische Avantgardelabel, hat es kürzlich in Tokyo gezeigt: 1 day, 1 piece, 1 person. Diese inszenierte Verknappung sorgte für lange Schlangen unter jungen Fashionistas.

Der Store soll all das erfüllen, was es im Onlineshop nicht gibt: alle Sinne ansprechen! Der Laden ist die Bühne, auf der Individualität, Gemeinschaft und das authentische Erlebnis zählt. Er ist der soziale Treffpunkt, der das Internet nicht sein kann. Das erklärt, warum viele Stores mittlerweile ein gastronomisches Angebot haben.

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Journalist

Katja Deutsch

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