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Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher auf „autonomer“ Testfahrt DIGITALISIERUNG

Neuigkeiten rund um Smart City


Der Wettlauf der Automobilkonzerne

Das autonome Fahren ist zu einem Rennen der Konzerne geworden. Wer hat am Ende die Nase vorn?

Die Zukunft bei VW nennt sich „Norbert“.  Hinter dem Spitznamen verbirgt sich ein mit Technik und Elektronik vollgestopfter VW Golf GTI. Die Ingenieure der Volkswagen Konzernforschung tüfteln unter der Sonne von Portugal an der Zukunft des Automobils. Hier findet die Vehicle Dynamics Convention statt. Weit weg von den Büros in Wolfsburg können die Forscher hier zwei Wochen experimentieren und optimieren. Hier wird nicht mehr im Blaumann geschraubt. Algorithmen und neuronale Netzwerke bestimmen die Szene. Die Prototypen sollen den Rundkurs ohne menschliche Hilfe hinter dem Lenkrad bewältigen. Was die Techniker hier erproben, soll sich in zehn bis 15 Jahren in den Serienmodellen wiederfinden.

Doch nicht nur die Automobilkonzerne entwickeln neue Systeme für das autonome Fahren. Der Softwareriese Microsoft und der Hersteller von Navigationsgeräten TomTom sind eine strategische Partnerschaft eingegangen. So wird das Kartenmaterial von TomTom zukünftig über die Microsoft Cloud den Automobilherstellern zur Verfügung gestellt. Die bekommen so einen Zugriff auf hochwertige Navigationsdaten und können das Fahrverhalten von Millionen Nutzern analysieren. Ein wichtiger Aspekt für Elektroautos, um die Reichweite der Akkus besser berechnen zu können. Auch verbesserte Infotainment-Angebote können so bereitgestellt werden. Nissan, Renault und VW sind bereits Kunden.

In Hamburg möchte man gerne die Modellstadt für die Mobilität der Zukunft werden. Mitten in der Stadt gibt es die erste Teststrecke für das automatisierte und vernetzte Fahren. Auf neun Kilometern wurden die Ampeln mit der neuen Technologie ausgestattet. Sie kommunizieren per WLAN mit den Fahrzeugen, senden Daten über die Dauer der Rotphase. Bis 2020 soll die Strecke mit einer Infrastruktur für eine umfassende Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Ampeln ausgerüstet sein. Seit April testet VW hier mit einigen Fahrzeugen den Alltag des autonomen Fahrens mitten in einer Großstadt.

Hamburgs erster Bürgermeister, Peter Tschentscher (SPD), war nach einer Testfahrt noch nicht ganz so überzeugt. Sein erster Kommentar nach einer 20-minütigen Testfahrt: „Gespenstisch.“

DriveNow ist einer der größten Anbieter für Carsharing in Deutschland.
Foto: Berlin DriveNow 

Carsharing – ein Modell mit Zukunft    

Die Städte in Deutschland stehen unter einen großen Druck. Die CO2-Emissionen müssen gesenkt werden, die Verkehre der Zukunft verändern sich. Seit rund zehn Jahren gibt es Angebote für das Carsharing in vielen deutschen Städten. Inzwischen wird der Gedanke vom geteilten Fahrzeug auch in vielen kleineren Gemeinden und Städten aufgegriffen. Zwar kommen unterschiedliche Studien zu dem Ergebnis, dass sich Carsharing nur in großen Städten finanziell lohnt. Doch wenn Carsharing als Ergänzung des ÖPNV verstanden wird, da wo Busse und Bahnen nicht hinfahren, und genutzt werden kann, dann ist es eine Alternative mit einer zusätzlichen Entlastung für die Umwelt. Die Entwicklung solcher Modelle steht noch am Anfang. Doch ohne neue Konzepte und Ideen drohen weiter Fahrverbote und der ständige Kampf gegen den täglichen Stau.

My Esel bietet individuelle, schlichte Räder aus Holz an.
Foto: My Esel

Vom Nischentrend zum großen Geschäft

Der Markt für E-Bikes boomt. Experten schätzen, dass im Jahr 2019 mehr als eine Million E-Bikes verkauft werden. Besonders Ältere erweitern so ihre Mobilität, viele Pendler sind e-mobil auf dem Weg zur Arbeit und die Firmen stellen immer öfter ein hippes E-Bike statt eines Firmenwagens für ihre Angestellten zur Verfügung. Das zeigte sich auf der diesjährigen Euro-Bike in Friedrichshafen am Bodensee. Auf der Trendmesse zeigten 1.400 Austeller aus 60 Ländern ihre Produkte, darunter 150 Newcomer und Startups. Besonders im Trend liegen die so genannten Cargo-Bikes, die Lastenesel für Familien, die in der Stadt auf ein Auto verzichten wollen. Neue Antriebe und mehr Zuladung machen die Cargo-Bikes zu echten Alternativen zum Auto. Aber auch in puncto Nachhaltigkeit setzen einige Hersteller auf ganz neue Räder. Der Hersteller My Esel bietet individuelle Holzräder mit einer reduzierten Optik an. Der Clou – durch biometrische Daten können die Räder genau auf die Anatomie der Fahrer angepasst werden. Freiherr von Drais, der Erfinder des ersten Fahrrades (das war aus Holz), hätte bestimmt seine Freude gehabt.

Bodo von Braunmühl, Director of Communications bei Tier Mobility 
Foto: Tier Scooter 

E-Scooter – Nachhaltiges Geschäft oder Unsinn in den Städten?

Drei Monate E-Scooter auf den deutschen Straßen – wir haben mit Bodo von Braunmühl des Roller Anbieters Tier gesprochen.

Drei Monate E-Scooter auf den Straßen in Deutschland – was ist Ihr erstes Fazit?

Drei Monate nach dem Start in Deutschland sind wir sehr glücklich mit der Entwicklung. In Deutschland haben wir mittlerweile vier Millionen Fahrten erreicht.

Von Beginn an waren wir Marktführer und das bisherige Kunden-Feedback ist äußerst positiv. Besonders erfreulich ist auch, dass der öffentliche Nahverkehr uns als bevorzugten Kooperationspartner sieht. In München sind wir beispielsweise in der MVG-App integriert. Ähnliche Konzepte haben wir deutschlandweit in acht Städten.

Es gibt Beschwerden das die Roller die Städte verschandeln – warum gibt es keine festen Standorte für Miete und Rückgabe?

Das Problem sind ja nicht die Scooter, sondern der zu geringe Platz an öffentlichen Abstellflächen. Deswegen sind ausgewiesene Parkflächen für Scooter zunächst auch als etwas Positives anzusehen. Realistisch betrachtet werden einzelne Kommunen jedoch nicht so viele Flächen ausweisen können, dass das Free Floating System allein durch solche ausgewiesenen Flächen aufrechterhalten werden kann. Gleichzeitig ist Free Floating aber unabdingbar, um tatsächlich das komplementäre Mobilitätsangebot für die erste/letzte Meile im Stadtverkehr sein zu können.

Wie sehen Sie die Zukunft im Rollergeschäft – welche Firmen bleiben über?

Der aktuelle Wettbewerb ist ja etwas Positives: Kunden können einen guten Service und faire Preise erwarten, Anbieter müssen innovativ sein und vor allem auch bleiben. Keiner kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Wir sind selbstbewusst, dass wir mit einem starken Produkt und unseren Ideen die Nutzer auch langfristig überzeugen. Zudem ist die Nachfrage nach alternativen Mobilitätsformen gerade im Bereich der urbanen Mikromobilität sehr hoch. Wir glauben, dass vor diesem Hintergrund auch mehrere Marktteilnehmer parallel bestehen können.




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Journalist

Jörg Wernien

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