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„Das Vereinen von unterschiedlichsten Vertriebsformen, die nahtlos auf den Konsumenten ausgerichtet sind, bringt den größten Erfolg“, sagt Gero Furchheim, Präsident des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e. V. (bevh). LOGISTIK & HANDEL

Mit Omnichannel erfolgreicher Händler werden

Auch wenn der Handel um jeden einzelnen Kunden ringt, zeigt sich ein übergreifender Trend zu starker Vernetzung der verschiedenen Vertriebskanäle – Omnichannel ist überall. 

Dabei verzeichnet vor allem der Bereich E-Commerce starke Wachstumsraten: Stationäre Händler, die ihr Onlineangebot ausbauten, machten letztes Jahr ein sattes Plus von 26,2 Prozent, gefolgt von Multichannel-Anbietern. Wer stationär und über Katalog verkaufte, konnte sich über 21 Prozent mehr Umsatz freuen. „Das Vereinen von unterschiedlichsten Vertriebsformen, die nahtlos auf den Konsumenten ausgerichtet sind, bringt den größten Erfolg“, sagt Gero Furchheim, Präsident des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e. V. (bevh). Marktplätze haben sich dabei zu einer sehr dominanten Gruppe entwickelt, deren Bedeutung noch steigen wird. Sie eignen sich ebenso für Vertikalanbieter mit eigener Produktion und eigener Vermarktung sowie für sehr spitze Positionierungen. Viele Anbieter entwickeln sich jedoch auch zur eigenen Plattform, wie beispielsweise die Otto Group oder Conrad Electronic, ebenso die Beschaffungsplattform für Geschäftskunden, Mercateo.

„Anbieter aus dem asiatischen Raum werden versuchen, bei uns mit ihren eigenen Plattformen Fuß zu fassen“, glaubt Gero Furchheim. „Unsere Aufgabe als Verband ist es, dafür zu sorgen, dass es hierbei einen fairen Wettbewerb mit gleichen Spielregeln für alle gibt. Das betrifft neben der Produktsicherheit besonders den Kampf gegen Umsatzsteuerbetrug von ausländischen Händlern auf Plattformen.“

Netzwerke zu bilden und auf Marktentwicklungen zu reagieren, sich umzusehen und die Innovationen aus Asien, dem Silicon Valley und dem Silicon Wadi in Israel zu entdecken, gehört ebenfalls zu den Aufgaben, die der ehrenamtliche Vorsitzende ausübt. „Auch wenn der Mittelstand umfangreiche Kompetenz aufgebaut hat, müssen wir versuchen, immer wieder Innovationen auszuprobieren.“ Ein Beispiel ist das Projekt 3d.cairo.de von dem Möbelhandel des Präsidenten, bei dem man einen virtuellen Rundgang durch sein Geschäft machen kann.

Doch einen tollen Onlineshop mit guter Bedienung zu gestalten reicht bei Weitem nicht mehr aus, weil der überwiegende Teil der Kunden nur die ersten drei bis fünf auf Google gelisteten Anbieter als relevant wahrnimmt. Ein gnadenloser Kampf um Suchmaschinenoptimierung ist die Folge. „Um auch in Zukunft vorne mitspielen zu können, haben wir den Ausbildungsberuf ‚Kaufmann im E-Commerce‘ ins Leben gerufen“, so Furchheim. „Denn im Onlinehandel sind andere Kompetenzen gefragt als im stationären Handel. Nicht nur die IT-Spitzenpositionen müssen gut besetzt werden, sondern auch der Mittelbau.“ Denn das Potenzial für Veränderungen ist besonders in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz hoch. Gero Furchheim: „Wir als Händler müssen dabei aufpassen, den Zugriff auf unsere Daten zu behalten und nicht zum Spielball derer zu werden, die dieses ‚neue Gold‘ verwalten und dadurch eine steigende Machtposition beziehen.“

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Journalist

Katja Deutsch

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