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Prof. Dr. Frank Ordon, Präsident des Julius-Kühn-Institutes, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen LEBENSMITTEL INDUSTRIE UND AGRAR WIRTSCHAFT

Interview mit Dr. Frank Ordon

Anpassungen an veränderte Produktionsbedingungen erfordern Änderungen entlang der gesamten pflanzlichen Produktionskette.    

Herr Prof. Ordon, der letzte Sommer war extrem trocken, viele Bestände wurden notreif und mussten verfrüht geerntet werden oder wurden gar nicht geerntet. Müssen die Landwirte umdenken?

Anpassungen an veränderte Produktionsbedingungen erfordern Änderungen entlang der gesamten pflanzlichen Produktionskette: Schlagworte wie erweiterte Fruchtfolgen, neue Kulturarten, trocken- und hitzestresstolerante Sorten, Mischanbau und auch Bewässerungsmanagement sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Das Julius-Kühn-Institut arbeitet in seinen 17 Fachinstituten zu den genannten Aspekten.

Kann die Pflanzenzüchtung mit dem Klimawandel mithalten?

Die Züchtungszeit für neue Sorten hat sich dank des erweiterten biotechnologischen Instrumentariums und Fortschritten in der Phänotypisierung bereits erheblich verkürzt. So können heute mit Hilfe molekularer Marker Eigenschaften wie Stresstoleranz oder Krankheitsresistenz, die häufig in nicht angepassten genetischen Ressourcen, z.B. Wildarten, gefunden werden, effizienter in neue Sorten übertragen werden. Sind die Gene bekannt, könnten sie mittels gezielter Mutagenese (z.B. mit CRISPR/Cas) in Hochleistungssorten modifiziert werden, ohne deren positive Eigenschaften durch Kreuzung zu verändern.

Geht es nur um Pflanzen, die mit höheren Temperaturen und Trockenstress auskommen?

Das wäre zu kurz gedacht, denn der Klimawandel beeinflusst nicht nur Ertrag und Qualität der Ernteprodukte, sondern verändert das Spektrum der Krankheitserreger und Schädlinge. So gewinnen Insekten an Bedeutung und mit ihnen aufgrund der höheren Herbst- und Wintertemperaturen die insektenübertragenen Viruskrankheiten, z. B. das Gelbverzwergungsvirus im Getreide, welches von Blattläusen übertragen wird.

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