European Media Partner
Im Interview mit Dr. Stefan Kropff, Executive Medical Director bei der Amgen GmbH FAMILIE & VORSORGE

Osteoporose – die fast unbekannte Volkskrankheit

Alle drei Sekunden passiert irgendwo auf der Welt ein Knochenbruch, hervorgerufen durch Osteoporose. Das sind jährlich 8,9 Millionen Knochenbrüche. 

Osteoporose ist in Deutschland eine Volkskrankheit. Experten rechnen mit mehr als sechs Millionen Betroffenen. Nicht nur Frauen leiden unter dem Schwund der Knochenmasse. Wir haben mit Dr. Stefan Kropff, dem Leitenden Medizinischen Direktor der Amgen GmbH gesprochen.

Herr Dr. Kropff, warum sind von Osteoporose besonders Frauen betroffen?

Osteoporose ist keine reine Frauenkrankheit: Eine retrospektive Analyse von Versicherten der Techniker Krankenkasse im Jahr 2009 wies bei 14 Prozent der Versicherten (24 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer) eine Osteoporose nach. Ein Risikofaktor für Frauen ist der veränderte Hormonspiegel während und nach den Wechseljahren. Zudem kann die jahrelange Einnahme der Antibabypille den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen. Kalzium ist wichtig für starke Knochen, und während der Schwangerschaft und der Stillzeit geht sehr viel körpereigenes Kalzium von der Mutter auf das Kind über.

Warum wird diese Krankheit so selten in einem frühen Stadium entdeckt?

Wir gehen von 6,3 Millionen Betroffenen in Deutschland aus. Jedoch ist die Krankheit den meisten Deutschen kaum bekannt: Nur jeder Dritte fühlt sich über ihre Folgen und die Vorsorgemöglichkeiten gut informiert. Das ergab eine Umfrage von Amgen, in der rund 1000 Deutsche repräsentativ zu Prävention und innovativen Therapien befragt wurden.

Osteoporose manifestiert sich klinisch häufig erst durch Knochenbrüche, in deren Folge es zu einer unzureichenden Osteoporose-Abklärung kommt. Allein 2010 gab es in Deutschland ungefähr 725 000 osteoporotisch bedingte Knochenbrüche. Eine anamnestische Risikoerfassung und eine Knochendichtemessung sind hilfreich, aber nicht Teil einer systematischen Vorsorgeuntersuchung in Deutschland.

Welche Möglichkeiten von Therapien gibt es?

Das Ziel ist es, dem Knochenabbau entgegenzuwirken und das Knochenbruchrisiko zu reduzieren. Die DVO-Leitlinien geben hier klare Empfehlungen für eine Basistherapie mit prophylaktischen Maßnahmen, die das Sturzrisiko reduzieren, sowie die Nahrungsergänzung durch Vitamin D und Kalzium. Ist eine medikamentöse Therapie indiziert, gibt es spezifische Therapeutika mit nachgewiesener Frakturreduktion. Dazu zählen Bisphosphonate, selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM) und monoklonale Antikörper, die den Knochenabbau hemmen; darüber hinaus gibt es Arzneimittel, die den Knochenaufbau stimulieren.

Welche Möglichkeiten der Vorsorge haben die Patienten?

Eine frühzeitige Risikoabklärung ermöglicht in vielen Fällen eine beginnende Osteoporose rechtzeitig zu erfassen. Entsprechende Risiko-Score-Fragebögen können wichtige Hinweise geben. Dann erfolgt die systematische Basisdiagnostik bestehend aus Anamnese, körperlichem Befund, Knochendichtemessung, Bildgebung und Basislaborbestimmung. Meine Empfehlung ist: Informieren Sie sich, stärken Sie Ihre Knochen durch viel Bewegung sowie gesunde Ernährung und verzichten Sie auf Nikotin und Alkohol – beides fördert den Abbau der Knochendichte.

Was empfehlen Sie als Prophylaxe?

Leitlinien nennen hier die ausreichende Versorgung mit Vitamin D – dazu sollten Sie täglich bis zu 25 Minuten Sonne tanken, damit der Körper den Vitalstoff selbst herstellen kann. Ansonsten ist Vitamin D vor allem in Fisch, Fleisch und Eiern enthalten. Kalzium befindet sich in größeren Mengen in Milchprodukten, Mineralwasser und grünem Gemüse.

Welche Möglichkeiten haben die Patienten, sich zu informieren?

Als Erstes bei Ihrem Arzt; im Internet finden Sie z. B. auf www.osteoporose.de einen Risikotest. Und es gibt immer wieder öffentliche Aktionen, die über die Volkskrankheit aufklären.

Fakten

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört Osteoporose zu den zehn häufigsten Erkrankungen weltweit und gilt daher als Volkskrankheit. In Deutschland leiden rund sechs Millionen Menschen an Osteoporose. Genau lässt sich das jedoch nur schwer sagen, da die Krankheit häufig unerkannt bleibt (Bone Evaluation Study 2013).

Teile diesen Artikel

Journalist

Jörg Wernien

Weitere Artikel