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Das ganze Jahr wie Weihnachten

Die Pandemie hat den Logistiksektor vor massive Herausforderungen gestellt und dauerhaft geprägt. Eine veränderte Struktur erfordert nun neue Wege. Geschlossene Grenzen, geschlossener Handel: Der Lockdown zu Beginn der Coronakrise warf die Logistikunternehmen aus dem Nichts in eine völlig veränderte Situation. „Im B2B-Bereich ging es dramatisch abwärts“, schildert Andreas Schumann, Vorsitzender des Bundesverbands der Kurier-Express-Postdienste e.V. (BdKEP), die bedrohliche Entwicklung. 


Andreas Schumann, Vorsitzender des Bundesverbands der Kurier-Express-Postdienste e.V. (BdKEP); Foto: Presse/BdKEP
Bedrohlich vor allem für die Unternehmen auf der „letzten Meile“ bis zum Empfänger, die bereits zuvor schon unter hohem, wirtschaftlichem Druck standen. Einige entdeckten neue Geschäftsfelder, stellten Bücher oder regionale Lebensmittel an die Konsumenten zu, übernahmen die wichtige Logistik im Pharmabereich. Andere ersetzten die ausfallenden B2B-Lieferungen durch die wachsende Zahl an Lieferungen an Endverbraucher. Doch ein Deckungsbeitrag ließ sich so kaum erzielen. „Statt 40 Pakete an zehn Businesskunden zu liefern, mussten die Zusteller nun 40 Pakete zum selben Preis an 40 einzelne Haushalte ausliefern.“ Das Sendungsvolumen, so Andreas Schumann, sei nun das ganze Jahr „wie zu Weihnachten.“ Zugleich treibe die Branche die Sorge um, aufgrund von Lieferengpässen die Flotten nicht entsprechend ausbauen zu können.

Die kommenden Monate werden mit der Anhebung des Mindestlohns, steigenden Energiepreisen und dem Wettbewerb um Fachkräfte zusätzliche Herausforderungen bringen. „Wir hatten keinen Lockdown und damit weniger Abwanderung von Mitarbeitern als in anderen Bereichen, haben dank familienfreundlicher Arbeitszeiten sogar von neuen Mitarbeitern aus anderen Branchen profitiert.“ Doch international agierende Branchenriesen seien den Entwicklungen dank ihrer Kapitalkraft deutlich besser gewachsen – ein Problem, das mit jeder Kostensteigerung deutlicher werde. 

Um Prozesse mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit ebenso wie auf Umweltaspekte effizienter zu gestalten, sind Paketstationen aus Sicht des BdKEP-Vorsitzenden nur bedingt ein Lösungsansatz: „Sie entlasten die Straße nur dann, wenn sie sich in Nähe der Haushalte befinden oder mit dem Einzelhandel verbunden sind.“ Andernfalls sorgten sie für zusätzlichen Verkehr durch die Abholenden. „Idealerweise“, so Schumanns Vision, „hat jedes Haus in Wohngebieten künftig eine Paketbox, in der die Lieferungen durch einen Lieferroboter deponiert oder mit dem Lastenrad angefahren werden können.“ 

Vor allem aber müssten sich die traditionellen Paketdienste neu aufstellen: „Um wirtschaftlich zu arbeiten, benötigen wir Kooperationen, eine Bündelung von Sendungen und einen offenen Datenaustausch. Wir müssen die Abschottung der Prozessketten beenden.“ Was es brauche, sei ein dezentrales Netz von Versendern vor Ort, die ein einheitliches Datenformat und Fullfillmentzentren in den Regionen nutzten. „Wir sind gefordert, die letzte Meile in den Kommunen mitzugestalten und ein Teil der Lösung zu sein.“ Die EU-Taxonomie, die zur Nachhaltigkeit von Finanzinvestitionen beitragen solle, eröffne dabei Chancen. „Als Verbund können wir die Branche hier unterstützen. Wir brauchen dazu auch politisches Commitment.“  

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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